14.12.12

Brüssel

Bankenaufsicht soll marode Geldhäuser schließen

Auf dem EU-Gipfel wurden die Pläne für die Kontrolle der Kreditinstitute vorangetrieben. Ein Abwicklungsfonds soll die Kosten auf die Finanzindustrie abwälzen. Doch vorerst haften die Steuerzahler.

Foto: dpa
Jeder interpretiert die Ergebnisse: Übertragung von Pressekonferenzen der Teilnehmer nach dem EU-Gipfel in Brüssel
Jeder interpretiert die Ergebnisse: Übertragung von Pressekonferenzen der Teilnehmer nach dem EU-Gipfel in Brüssel

Die geplante gemeinsame Bankenaufsicht für die Euro-Zone und weitere willige EU-Länder soll nach dem Willen der Staats- und Regierungschefs die Mittel an die Hand bekommen, um marode Banken zwangsweise schließen zu können. Die Teilnehmer des EU-Gipfels beauftragten die EU-Kommission, einen "einheitlichen Abwicklungsmechanismus für die teilnehmenden Mitgliedsstaaten" zu erarbeiten.

Wenn möglich, soll aus der Initiative bis Mitte 2014 geltendes Recht werden, sagte Ratspräsident Herman Van Rompuy. Der Gipfel entsprach damit einem Anliegen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi.

Die EU treibt die Arbeit an einem einheitlichen Aufsichtsrahmen für die Finanzindustrie rasch voran. Erst in der Nacht zum Donnerstag hatten sich die Finanzminister darauf geeinigt, der EZB die Aufsicht über große Banken zu übertragen. Frühestens im März 2014 soll die neue Abteilung ihre Arbeit aufnehmen.

Der geplante Fonds soll die Kosten der Rettung oder Schließung von Banken – beides ist teuer – auf die Finanzbranche selbst abwälzen und so den Steuerzahler entlasten. Vorerst müsste allerdings doch der Staat einspringen: Bis der Topf gefüllt ist, soll "öffentliche Unterstützung" als "Letztsicherung" greifen. Die Maßnahme soll erst "mittelfristig haushaltsneutral" sein, heißt es in dem Abschlussdokuments der Gipfeltagung.

Den Teufelskreis durchbrechen

Einem an großen Entscheidungen armen Europäischen Rat galt die Hauptsorge dem "Teufelskreis zwischen Banken und Staatsanleihen". Er soll durchbrochen werden. Bankenhilfe soll also nicht mehr den Haushalt der Krisenländer belasten und so die Zinsen für Anleihen treiben.

Einigen Teilnehmern war das zu wenig ehrgeizig. Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker etwa hätte sich mehr gewünscht, so kurz vor Weihnachten: ein eigenes Budget für die Euro-Gruppe etwa, der er noch einige Wochen vorsitzen wird, und einen detaillierten Plan für die Fortentwicklung der Währungsunion. Er hatte an einem solchen Dokument mitgewirkt, das bei den Gipfelteilnehmern vorab aber zu wenige Freunde fand. "Mit der Absenkung des Anspruchsniveaus" sei er "in hohem Maße unzufrieden", sagte Juncker am Freitagnachmittag.

Die darin enthaltene Kritik am Gipfel richtet sich auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Andere Gipfelteilnehmer hingegen freuten sich mit Merkel darüber, dass es keine ernsthaften Versuche gab, neue Transfermechanismen zu etablieren. "Wir hatten keine Eile, zu schnell zu weit zu gehen. Wir brauchen Zeit, um miteinander nachzudenken. Und deswegen war dieser Gipfel ausgezeichnet", sagte Finnlands Regierungschef Jyrki Katainen.

Ein dritter Anlauf bis Juni 2013

Bis zum Gipfel im Juni 2013 soll Van Rompuy nun einen weiteren, es ist dann der dritte, Anlauf nehmen, seine Vorschläge zur "Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion" auszuarbeiten und vorzulegen. Der Gipfel grenzte die Bewegungsfreiheit seines Präsidenten allerdings erheblich ein. Es soll vor allem eine bessere Koordinierung der Wirtschaftspolitik in Europa geben.

Dazu planen die Regierungschefs "gemeinsam vereinbarte Verträge für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum" zwischen den Hauptstädten und der EU-Zentrale. Für die Mitglieder der Währungsunion sollen die Vereinbarungen bindend sein, heißt es in den Schlussfolgerungen.

Diese Verträge sollen die Verbindlichkeit von Strukturreformen stärken. Anders als die heutigen Empfehlungen der Kommission für jedes EU-Land sollen sie aus eigenem Antrieb der Regierungen entstehen. Wird Versprochenes dann auch umgesetzt, winkt eine Belohnung aus einem "Solidaritätsmechanismus".

Merkel mühte sich, diesen neuen Fonds nicht als Transfermaschine darzustellen. Es gehe um "ein sehr begrenztes Budget, nicht im dreistelligen Milliardenbereich, sondern eher bei zehn, 15 oder 20 Milliarden", sagte sie. Frankreichs Präsident François Hollande sagte allerdings, er sehe die Verträge als freiwillig an – und als Mittel, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Instrumente zur Disziplinierung sollten die Vereinbarungen nicht sein.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Emmelie de Forest holt den Eurovision Song Contest nach Dänemark
01:11Malmö 2013
Eurovision Song Contest - Dänin vorn, Deutschland enttäuscht

Emmelie de Forest war die Favoritin der Buchmacher, nun kommt der Eurovision Song Contest tatsächlich nach Dänemark. Deutschland stürzt dagegen ab und landet mit Cascada auf Platz 21 von 26. mehr...


Madleen Borngräber leidet an einer seltenen Krankheit
18.05.13Krebs-Gen wie Angelina Jolie
Warum sich eine Berliner Studentin die Brüste amputieren ließ

Madleen Borngräber (25) trägt das Krebs-Gen in sich. Deshalb ließ sie sich vorsorglich die Brüste entfernen. Genau wie Schauspielerin Angelina Jolie, die vor kurzem damit an die Öffentlichkeit ging. mehr...


Tod im Badeparadies: Ein 15-Jähriger starb in „Tropical Island“
18.05.13Badeunfall
15-Jähriger stirbt beim Baden im Freizeitparadies "Tropical Islands"

Im Freizeitbad "Tropical Islands" ist ein Jugendlicher leblos im Wasser gefunden worden. Der Junge wurde noch in eine Klinik gebracht. Doch alle Versuche, ihn wiederzubeleben, scheiterten. mehr...

Hertha BSC
18.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonntag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Sonntag, den 19. Mai. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. PanoramaLive-TickerDer Countdown zum Song Contest in Malmö beginnt
  2. 2. Eurovison Grand PrixESC-PunktevergabeNetz überschüttet Lena mit Spott für Versprecher
  3. 3. Eurovison Grand PrixESC-FinaleCascadas Debakel hat nichts mit dem Euro zu tun
  4. 4. KommentareBundesliga-FinaleDrama pur – ein würdiger Schlussakt der Saison
  5. 5. DeutschlandKanzlerin beim PapstFranziskus nimmt sich extra viel Zeit für Merkel
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großeinsatz

Feuer in Berliner Autowaschanlage

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote