14.12.12

Ernährungsbericht

Mehr Gemüse, viel Fleisch – so essen die Deutschen

Die Mehrzahl der Deutschen ist laut einer aktuellen Studie zu dick – und im Alter wird es immer schlimmer. Denn Fleisch und Alkohol sind nach wie vor sehr beliebt, vor allem bei Männern.

Von Ileana Grabitz

Pünktlich zu den Weihnachtstagen wartet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) mit Nachrichten auf, die das Zeug dazu haben, so manchem den Appetit auf die Weihnachtsgans zu verderben: Wie der Ernährungsbericht ergab, den das Institut alle vier Jahre für das Verbraucherschutzministerium erstellt, ist die Mehrzahl der Deutschen zu dick –und je älter sie werden, desto schlimmer wird es.

Rund 60 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen haben der Studie zufolge Übergewicht. Bei Senioren zwischen 70 und 74 Jahren sind es sogar 74 Prozent der Männer und 63 Prozent der Frauen. "Mit zunehmendem Alter werden die Dicken immer dicker", sagte DGE-Präsident Helmut Heseker bei der Vorstellung des Reports in Berlin.

Fettleibigkeit betrifft immer mehr Menschen

Damit verfestigt sich auch in Deutschland ein Trend, der in vielen Ländern seit Jahren zu beobachten ist. Noch immer sind hoher Blutdruck, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum zwar für die Menschen weltweit die größten Gesundheitsrisiken.

Doch im letzten Jahrzehnt ist die Fettleibigkeit ein immer größeres Problem geworden, das weltweit zunehmend mehr Menschen betrifft – bis hin zu tödlichen Folgen. Einer weltweiten Studie zufolge sollen 2010 weltweit drei Millionen Todesfälle allein auf einen zu hohen Body-Maß-Index (BMI) zurückzuführen gewesen sein.

Kinder werden wieder schlanker

Hoffnungsfroh stimmt da, dass zumindest bei den Kindern und Jugendlichen der Hang zum Übergewicht rückläufig ist. Dem Ernährungsbericht zufolge ging in den vergangenen Jahren die Zahl der übergewichtigen Kinder um drei Prozent, die der fettsüchtigen Minderjährigen um 1,8 Prozent zurück.

Verbraucherministerin Ilse Aigner wertete dies als positives Signal – allerdings müsse sich erst noch zeigen, ob dieser Trend sich bestätigt. DGE-Präsident Heseker zufolge besteht zumindest die Hoffnung, dass die Aufklärungs- und Präventionsprogramme von Politik und Krankenkassen erste Wirkung zeigen.

Zumindest die Botschaft, dass Gemüse gesund ist, scheint bei den Konsumenten angekommen zu sein. Seit 2000 hat der Durchschnittsdeutsche seinen Gemüseverbrauch de facto pro Jahr um 1,1 Kilo gesteigert – auf zuletzt nahezu 90 Kilo pro Jahr. Dabei erfreuten sich vor allem Tomaten, Möhren und Gurken einer wachsenden Beliebtheit, während Kohlgemüse und die als äußerst gesund erachteten Hülsenfrüchte spürbar Fans verloren.

Auch der Obstverbrauch brach zwischen 2000 und 2010 um etwa 800 Gramm pro Kopf ein, vor allem Äpfel und Pfirsiche büßten an Beliebtheit ein. Da der Nährwert von Gemüse jedoch höher gewertet wird als der von Obst, besteht den Experten zufolge aber nicht unbedingt Anlass zur Sorge.

Fleisch noch immer sehr begehrt

Anders sieht es mit der Beliebtheit von Fleisch aus, das hierzulande mit jährlich rund 90 Kilo pro Kopf noch immer sehr begehrt ist – und das neben dem Zuckerkonsum als eine der wichtigsten Ursachen für die Fettleibigkeit gilt. Vor allem Männer liegen mit einem Kilo Fleisch und Wurst wöchentlich deutlich oberhalb des von der DGE empfohlenen Richtwerts von bis zu 600 Gramm pro Woche.

Präsident Heseker verwies darauf, dass gerade der übermäßige Konsum von rotem Fleisch – also Schwein, Rind oder Lamm – das Darmkrebsrisiko immens erhöhe, anders etwa als das kalorienärmere weiße Geflügelfleisch. Dieses erfreut sich immer größerer Beliebtheit: Seit 1990 ist der Verbrauch von zwölf auf 19 Kilo pro Kopf und Jahr gestiegen.

Laster Alkohol

Alkohol bleibt das Laster der Deutschen. Nach wie vor trinken sie mehr als ihnen gut tut. Etwa 31 Prozent der Männer und immerhin noch jede vierte Frau (25 Prozent) trinken laut der Studie zu viel Wein, Bier oder andere Spirituosen. Insgesamt ist der Verbrauch allerdings zurückgegangen.

Ausgerechnet beim liebsten Getränk der Deutschen, dem Bier, sogar um immerhin zwei Liter pro Jahr und Kopf. Nicht umsonst versuchen hiesige Bierhersteller seit Jahren, etwa mit dem nicht zuletzt auf Frauen zugeschnittenen Angebot von Biermischgetränken gegenzusteuern.

"Essen auf Rädern" als Schwerpunkt

Hatte der vorherige Bericht der Ernährungssituation von Kindern einen Schwerpunkt gewidmet, lag diesmal der Fokus auf der Ernährung der alten Menschen – vor allem auf der Institution "Essen auf Rädern". Die Untersuchung von 844 der insgesamt knapp 2500 Anbieter hierzulande ergab, dass das Gros der Kundschaft (66 Prozent) mit den Dienstleistungen sehr zufrieden ist – was Heseker zufolge auch damit zu tun hat, dass die älteren Menschen grundsätzlich dankbar über die Option der mobilen Versorgung sind.

Bei jedem vierten Anbieter könne nicht mit Gewissheit gesagt werden, dass die empfohlene Warmhaltezeit der Speisen von maximal drei Stunden nicht überschritten wird. Lange Warmhaltezeiten haben einen schlechten Einfluss auf den Nährwert der Speisen.

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Das Glossar der Food-Begriffe
  • Aromastoffe

    gibt es natürlich und synthetisch. Natürliche Aromen enthalten natürliche Aromastoffe und -extrakte, die aus verschiedenen Ausgangsstoffen stammen. Nur wenn z.B. „Natürliches Erdbeer-Aroma“ ausgewiesen ist, kann man sicher sein, dass das Aroma zu mindestens 95 Prozent aus Erdbeeren stammt

  • Biowein

    wird in Deutschland laut Bundesverband Ökologischer Weinanbau „Ecovin“ von 215 Mitgliedsbetrieben auf 1400 Hektar Rebfläche in elf Anbaugebieten produziert. Sie verwenden weder Kunstdünger noch chemisch-synthetische Substanzen und fördern Nützlinge. Neben klassischen Rebsorten werden auch natürlicherweise gegen Pilzerkrankungen widerstandsfähige Sorten wie Regent und Johanniter angebaut.

     

  • Direktsaft

    ist der sogenannte Muttersaft von überwiegend Äpfeln und Orangen, der direkt nach dem Pressen und Keltern filtriert und im Idealfall sofort abgefüllt wird. Geschmacklich kommt er dem frisch gepressten Saft am nächsten. Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit ist er hingegen fraglich, kommen doch die meisten Säfte aus Brasilien und legen daher weite Transportwege zurück.

  • Functional Food

     heißt übersetzt „Funktionelle Lebensmittel“. Sie sollen neben Sättigung und Geschmack noch einen gesunden Zusatznutzen haben, sind deshalb mit gesundheitsfördernden Stoffen angereichert, beispielsweise Eier mit Omega-3-Fettsäuren.

     

  • Glutamat

     ist ein Geschmacksverstärker. Er wird in ungezählten Fertignahrungs- und Würzmitteln eingesetzt, obwohl bekannt ist, dass der Stoff gesundheitsgefährdend ist. Die Höchstmenge ist auf ein Gramm pro Kilogramm Lebensmittel beschränkt.

     

  • Konservierungsstoffe

    sollen die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängern. Doch viele Konservierungsstoffe sind umstritten, weil sie gesundheitliche Nebenwirkungen wie Asthma, Kopfschmerzen, Allergien bis hin zur Bildung krebserregender Nitrosamine hervorrufen können. Als harmlos gelten die Konservierungsmittel Sorbinsäure (E200 bis 203) und Ameisensäure (E236 bis 238).

  • Lebensmittelampeln

    sollten der Fehlernährung in der Bevölkerung entgegenwirken. Auf Waren sollen in rot-gelb-grün die Mengen an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz angezeigt werden. Grün steht für einen niedrigen Wert, Rot für einen hohen. Bundestag und EU-Parlament sind jedoch bisher mehrheitlich dagegen

  • Nahrungsergänzungsmittel

    sind laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung unnötig. Hochdosierte Pillen könnten zudem Nebenwirkungen haben. Lediglich für Gruppen mit erhöhtem Bedarf wie Schwangere, Hochleistungssportler, Raucher oder Senioren könnten solche Präparate sinnvoll sein – jedoch nur in Abstimmung mit dem Arzt. Wer sich weitgehend vollwertig ernährt, sei bestens versorgt.

  • Novel Food

    steht für „neuartige Lebensmittel“, für die es seit 1997 in der EU eine Zulassungspflicht gibt. Diese neuen Lebensmittel dürfen nur auf den europäischen Markt kommen, wenn sie gesundheitlich unbedenklich sind. Exotische Früchte gelten dabei genauso als Novel Food wie neuartige, synthetisch hergestellte Fett-Ersatzstoffe

  • Zusatzstoffe

    (in der EU sind mehr als 300 zugelassen) sollen Geschmack, Aussehen, Haltbarkeit und Konsistenz eines Lebensmittels verbessern. Zu ihnen gehören Konservierungsmittel, Emulgatoren, Antioxidantien oder Süßstoffe. Sie müssen gesundheitlich unbedenklich sein und sind deshalb genehmigungspflichtig.

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