14.12.12

Koalitionseinigung

Kassen sollen mehr Geld in Prävention stecken

Sechs Euro pro Mitglied fließen künftig qua Gesetz in die Vorsorge. So soll Krebs häufiger erkannt, die Zahl der Diabetes-Fälle reduziert oder psychisches Leiden im Job verringert werden.

Foto: dpa

Ein Arzt untersucht einen Patienten mit einem Stethoskop
Ein Arzt untersucht einen Patienten mit einem Stethoskop

Die schwarz-gelbe Koalition will die gesetzlichen Krankenkassen zu verstärkten Investitionen in die Gesundheitsförderung verpflichten. Der Schwerpunkt soll dabei auf der Krankheitsvorbeugung in den Betrieben liegen. Dies sieht eine 16-seitige Präventionsstrategie vor, auf die sich die Gesundheitsexperten von Union und FDP verständigt haben.

Demnach sollen die Krankenkassen künftig pro Jahr sechs Euro je Versichertem für Prävention ausgeben – derzeit liegt der Richtwert bei 2,94 Euro. Mindestens zwei Euro und damit ein Drittel sollen künftig in die betriebliche Gesundheitsförderung fließen. Für Gesundheitsmaßnahmen in Schule oder Kindergarten soll mindestens ein Euro aufgebracht werden.

Darüber hinaus ist vorgesehen, dass sich Bund, Länder, Kommunen, Ärzte, Kassen, Verbände und Sozialversicherungen künftig über vordringliche Ziele bei der Gesundheitsförderung verständigen. Dazu soll beim Ministerium eine "Ständige Präventionskonferenz" eingerichtet werden. Durch sie soll auch eine bessere Vernetzung und Koordinierung von Aktivitäten sichergestellt werden.

Strategie seit Jahren von der Koalition geplant

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr sagte am Freitag, Ziel der Strategie sei es, einen gesunden Lebensstil zu fördern und Krankheiten zu vermeiden. Das Konzept setze auf die Eigenverantwortung der Bürger. Die Krankenkassen sollten künftig nur noch qualitätsgesicherte Präventionsmaßnahmen finanzieren. Ein Schwerpunkt solle außer in den Betrieben in sozialen Brennpunkten liegen.

CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn hob hervor, im Bundestag sollten künftig konkrete Gesundheitsziele beraten werden. Dies könne etwa eine Verminderung der Diabetes-Erkrankungen um zehn Prozent oder der psychischen Leiden am Arbeitsplatz um 20 Prozent sein. Die Krankenkassen würden verpflichtet, die Ziele umzusetzen.

Die lange angekündigte Strategie ist eines der letzten großen Vorhaben der Koalition im Gesundheitssektor in dieser Wahlperiode und geht zurück auf den Koalitionsvertrag von 2009.

Krankenkassen verweisen auf bisherige Bemühungen

Zur Prävention gehören die Anleitung zu gesunder Ernährung ebenso wie die Motivation zu körperlicher Bewegung und Angebote zur Stressreduktion. Vor allem der steigende Trend zu Übergewicht alarmiert die Politik. Zu der Strategie zählen auch die bereits eingebrachten Gesetzentwürfe zur Stärkung der Krebsfrüherkennung und zum Aufbau klinischer Krebsregister.

Unions-Fraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) sprach von einem Quantensprung in der Prävention. Die Grünen kritisierten dagegen, die Pläne würden den gesamtgesellschaftlichen Aufgaben nicht gerecht. Sozial Benachteiligte würden weiterhin stiefmütterlich behandelt.

Die gesetzlichen Krankenkassen verwiesen darauf, dass sie im Jahr 2011 rund 270 Millionen Euro für Präventionsaktivitäten ausgegeben hätten. Pro Versichertem seien dies im Schnitt 3,87 Euro gewesen – und damit deutlich mehr als vom Gesetzgeber vorgegeben. Schon heute konzentrierten sich die Aktivitäten auf die betriebliche Gesundheitsförderung sowie auf Angebote vor Ort, etwa in Kindergärten und Schulen.

Quelle: dpa/kg
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Einnahmen der Ärzte
  • Spitzenreiter

    Spitzenreiter beim Umsatz der Ärzte aus dem Honorar von Behandlung und Diagnose gesetzlich Versicherter sind die Labormediziner. Sie erzielten nach den jüngsten Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im ersten Halbjahr 2011 pro Quartal einen Honorarumsatz von rund 230.000 Euro, gefolgt von Nierenspezialisten mit 224.000 Euro.

  • Nachfolger

    Hausärzte und Strahlenmediziner, Humangenetiker, Fachärzte für Innere Medizin mit bestimmten Schwerpunkten und Radiologen folgen mit Werten zwischen 199.000 und 93.000 Euro. Kinder- und Jugendpsychiater erzielten 65.000 Euro Umsatz, Augenärzte 60.000, Chirurgen 57.000, Orthopäden 56.000, Hausärzte 52.000 und Gynäkologen 47.000 Euro.

  • Schlusslichter

    Nach der jüngsten amtlichen Statistik lagen die Allgemeinmediziner mit einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 116.000 Euro am unteren Ende beim Ärzteverdienst. Diese Erhebung des Statistischen Bundesamts für die Situation in Einzelpraxen im Jahr 2007 nennt die gesamten Einnahmen aus den gesetzlichen und privaten Kassen abzüglich der Aufwendungen in der Praxis, aber vor Steuern und Abgaben. Spitzenreiter sind hier die Radiologen mit 264.000 Euro. Im Mittelfeld liegen etwa die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte (144.000 Euro), die Frauenärzte (145.000 Euro), die Chirurgen (148.00 Euro), die Hautärzte (155.000 Euro) und die Internisten (158.000 Euro).

  • Durchschnitt

    Im Schnitt aller Ärzte waren es 142.000 Euro im Jahr 2007, nach 126.000 Euro vier Jahre zuvor. Laut Spitzenverband der Krankenkassen stieg der Ertrag bis 2011 auf 165.000 Euro. Auch das Bundesamt erhebt nun die Daten für 2011. Am 21. September 2012 werden die für die repräsentative Stichprobe ausgewählten Praxen dafür herangezogen. Mit Ergebnissen wird im Sommer 2013 gerechnet.

  • Nettoeinkommen

    Und was bleibt? Das monatliche Nettoeinkommen der Kassenärzte von gesetzlichen und privaten Kassen beträgt laut KBV nach den jüngsten Zahlen im Schnitt insgesamt 5442 Euro. Einem Allgemeinmediziner blieben demnach im Schnitt 5018 Euro pro Monat, einem Orthopäden 6344 Euro, einem Psychotherapeuten dagegen nur 2658 Euro.

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