14.12.12

Wettbewerb

Mit Service machen Fernbusse der Bahn Konkurrenz

Ab Januar werden mehr Busse als jemals zuvor auf Deutschlands Straßen fahren. Nach der Freigabe des Fernbusverkehrs dürfen sich Verbraucher freuen, denn mehr Wettbewerb bedeutet auch mehr Service.

Von Silvia Meixner
Foto: dpa

Das Berliner Unternehmen "MeinFernbus.de" will den Markt im Fernverkehr erweitern und mit günstigen Preisen eine Alternative zur Deutschen Bahn bieten
Das Berliner Unternehmen "MeinFernbus.de" will den Markt im Fernverkehr erweitern und mit günstigen Preisen eine Alternative zur Deutschen Bahn bieten

Nach dem Jahreswechsel kommt der Fernbusmarkt in Fahrt. Günstige Preise, guter Service – damit wollen Busunternehmen Bahn und Auto künftig Konkurrenz machen. Derzeit beträgt der Anteil am Reisegeschäft rund zwei Prozent, in zehn Jahren soll er bei zehn Prozent liegen. Seit 1935 hatte die Deutsche Bahn quasi ein Beförderungsmonopol, kürzlich beschloss der Bundesrat ein Gesetz zur Öffnung des Fernbusmarktes.

Bislang wurden keine innerdeutschen Fernbuslinien auf Strecken genehmigt, auf denen es parallel eine Zugverbindung gab – mit Ausnahme Berlins, dessen Westteil während der deutschen Teilung gut erreichbar sein sollte. Bereits bekannte Busreiseanbieter am Markt sind die Berliner Linien Bus (BLB) – eine Tochter der Deutschen Bahn – sowie die Unternehmen MeinFernbus und DeinBus. Marktführer ist derzeit noch die BLB, sie betreibt rund 30 Linien.

Unterschiede beim Service

In einigen Fernbussen gibt es schon jetzt besonderen Service für die Fahrgäste, wie zum Beispiel kostenloses WLAN an Bord. Kunden dürfen gegen einen Aufpreis ihr Fahrrad mitnehmen, manche Unternehmen offerieren ihren Fahrgästen kostenlosen Kaffee und Tee sowie ein kleines Videoangebot.

Noch bestehen aber Unterschiede zwischen den Anbietern. "Kostenloses WLAN gibt es bei BLB nicht", sagt ein Bahnsprecher. Seiner Meinung nach vermissten das die Kunden aber meist auch nicht, weil viele von ihnen ohnehin mit Pauschalpaketen ihrer Mobilfunkanbieter unterwegs seien.

Bald wird der Markt entscheiden, ob und wann kostenloses Internet zum Standard eines Busreiseanbieters gehört. Umfasste der Kundenkreis bisher sparsame und eher ältere Menschen sowie Fahrgäste, für die der Faktor Zeit keine Rolle spielt, wollen die Anbieter künftig verstärkt auch für jüngere Menschen attraktiv sein.

Verhaltener Trend zu mobiler Buchung

Bei den Buchungen geht der Trend im Busgeschäft zu online. "Das wird sich ähnlich wie bei der Deutschen Bahn entwickeln", glaubt Christfried Tschepe vom Berliner Fahrgastverband IGEB. "Die Kunden buchen verstärkt online, ein Teil wird aber weiterhin den Fahrkartenschalter nutzen."

Bei MeinFernbus favorisiert man die moderne Technik: "Der Trend der Zukunft wird klar in Richtung mobile Buchung via Smartphone gehen", sagt Firmensprecher Gregor Hintz.

Annette Heinemann vom Internationalen Bustouristik Verband (RDA) sagt jedoch: "Der klassische Busreisegast bucht noch nicht online." Mehr als die Hälfte aller Gäste hätten laut FUR Reiseanalyse 2012 noch nie im Internet ihre Tickets gekauft und hätten es auch künftig nicht vor.

"In der Bustouristik ist ein persönliches Verhältnis zu lokalen Anbietern ausschlaggebend." Hauptzielgruppen seien Senioren, einkommensschwache und auch junge Menschen, daher seien beide Vertriebswege wichtig – offline und online.

Busse haben bei Preisen die Nase vorn

Christfried Tschepe erwartet auf dem neu belebten Busmarkt keine ruinösen Preiskämpfe wie etwa bei Billigfluganbietern: "Die Preise sind schon sehr knapp kalkuliert", sagt er. "Busreisen werden auch künftig weitaus günstiger als eine Bahnfahrkarte sein."

Die Bahn müsse sich die Frage stellen, ob sie auf von Bussen gut bedienten Strecken verstärkt Schnäppchen anbieten müsse. Und den Busunternehmern rät er: "Nachteile im Reisekomfort beim Busfahren müssen durch günstigere Preise ausgeglichen werden."

Omnibusbahnhöfe lassen zu wünschen übrig

Die Haltestellen sollten nach Möglichkeit gut erreichbar und attraktiv sein – das werden Kunden erwarten, die mit Fernbusfahrten liebäugeln. Der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) in Berlin etwa ist laut Tschepe kein Aushängeschild: "Er besitzt den zweifelhaften Charme von Westberlin." Über einen Aus- oder Neubau wird diskutiert.

Hamburg und München haben sehr moderne ZOBs in Hauptbahnhofsnähe. Der Vorteil: Reisende können die Infrastruktur nutzen – vom Zeitschriftenladen bis zur Toilettenanlage. Auf diesem Gebiet ist aber noch viel zu tun.

In Flensburg zum Beispiel gibt es einen schönen Busbahnhof, aber keine Gepäckschließfächer. Die freundliche Dame am Souvenirshop bewahrt den Koffer gegen eine kleine Gebühr auf, schließt aber pünktlich um 18.30 Uhr.

Das Risiko zentral gelegener Haltepunkte

"Eine freundliche, sichere und einladende Umgebung am Einsteigeplatz trägt erheblich zum Wohlbefinden bei", sagt Annette Heinemann. Im Gegensatz zu Bahn und Flugzeug seien Busse aber nicht zwangsläufig an zentrale Stationen gebunden. Theoretisch lassen sich deshalb für jede Buslinie dort Haltepunkte einrichten, wo ausreichend Platz ist und Kunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht anreisen können.

Zentrale Verkehrsknotenpunkte sind natürlich besonders bequem zu erreichen – haben aber für Busanbieter einen großen Nachteil, erklärt Tschepe: "Liegt der Bahnhof im Stadtzentrum, können Busse in Staus geraten und deshalb ihr Ziel nicht pünktlich erreichen. Das ist ein großes Risiko."

Quelle: dpa
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