14.12.12

Fernverkehr

Post und ADAC planen Busnetz für Deutschland

Rückkehr der gelben Busse: Die Deutsche Post und der ADAC wollen gemeinsam ein bundesweites Fernverkehrsnetz aufbauen. Schon jetzt versprechen sie "komfortables" und "günstiges" Reisen.

Foto: pa/dpa/Stratenschulte/Keystone

Der ADAC und die Deutsche Post könnten schon bald der Bahn harte Konkurrenz machen. In der Schweiz betreibt die Post flächendeckend ein Busnetz (linkes Bild)
Der ADAC und die Deutsche Post könnten schon bald der Bahn harte Konkurrenz machen. In der Schweiz betreibt die Post flächendeckend ein Busnetz (linkes Bild)

Der ADAC und die Deutsche Post wollen eine Fernbusgesellschaft gründen und damit der Deutschen Bahn und den Fluggesellschaften im Inland scharfe Konkurrenz machen. Die Gesellschaft soll ab Anfang 2014 mit deutschlandweiten Verbindungen an den Start gehen.

"Unser Ziel ist ein flächendeckendes Fernbusnetz in Deutschland, das alle größeren Städte anbindet", hieß es beim ADAC. "Wir wollen die Chancen der Liberalisierung des Fernbusmarktes nutzen und attraktive Alternativen zu Bahn und Flugzeug bieten."

Im Wettbewerb der Verkehrsträger werde "neben Zuverlässigkeit und Komfort auch der Preis ausschlaggebend" sein, sagte ein Sprecher des ADAC. Details zu Verbindungen und Takten würden derzeit ausgearbeitet.

Nach Berliner Morgenpost-Informationen sollen mittelfristig nahezu alle Städte über 150.000 Einwohner an das neue "gelbe Netz" angebunden werden, zudem sollen Knoten mit Umsteigemöglichkeiten entstehen. Um die 50 Städte könnten letztlich verbunden werden.

Fahrkarten und Service soll es unter anderem in den zahlreichen Filialen von Post und ADAC geben. Der Automobilclub will darüber hinaus auf seinen großen Bekanntheitsgrad aufbauen. Der Club hat knapp 18,4 Millionen Mitglieder.

"Vorbereitungen auf Hochtouren"

"Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, im zweiten Halbjahr kommenden Jahres haben wir weitere Details", so der Sprecher. Der Automobilclub und die Deutsche Post würden über langjährige Erfahrung im Mobilitätsgeschäft verfügen, die Kunden könnten künftig auf ein engmaschiges Netz der Filialen zurückgreifen.

Der Anstoß für das Projekt kam von der Deutschen Post. Die hatte die in Deutschland "Kraftpost" genannten Busse ab den 70er-Jahren nach und nach in die Hände des Staatsunternehmens Deutsche Bahn gelegt. Doch aufgrund der Liberalisierung des Fernbusmarktes war beim Bonner Konzern das Interesse am Busgeschäft zurückgekehrt. Als Experten für die Auto- bzw. Bussparte lag der ADAC als Partner nahe, hieß es.

"Die Zeit ist reif für eine preisgünstige, sichere und komfortable Mobilitätsalternative", sagte Jürgen Gerdes, Konzernvorstand Brief bei Deutsche Post DHL. "Dass wir dafür einen so renommierten und in Mobilitätsfragen erfahrenen Partner wie den ADAC gewinnen konnten, freut uns umso mehr."

Der Vorsitzende der Geschäftsführung des ADAC, Karl Obermair, bezeichnet die Liberalisierung des deutschen Fernbusmarktes als eine der wichtigsten verkehrsinfrastrukturellen Zäsuren der vergangenen Jahre. Für die individuelle Mobilität der Bürger ergäben sich mit einem attraktiven Fernbusnetz künftig neue, vor allem preisgünstige Alternativen zu Pkws, Zügen und Flugzeugen.

Verkehrsmittel mit Tradition

Die gelben Bussen waren in der Bundesrepublik lange ein Verkehrsmittel für Millionen Menschen. Auch mit Beginn des Ausstiegs der Post beim Busreisedienst stiegen die Passagierzahlen weiter an.

1974 war mit 435 Millionen Fahrgästen die höchste Beförderungszahl in den 80 Jahren des Bestehens der Postbusgesellschaft erreicht. Ziel der Vereinigung war es, den öffentlichen Personennahverkehr mit Bussen wirtschaftlicher zu betreiben und bedarfsgerecht auszubauen.

Mit der Postreform 1995 endete die Ära der gelben Busse in Deutschland, die bereits zehn Jahre zuvor mit der Übergabe der letzten gelben Postomnibusse für die Öffentlichkeit sichtbar zu Ende gegangen war.

Die letzten von der Bundespost in den 80er-Jahren beschafften Fahrzeuge waren noch bis in die 90er-Jahre bei den Nachfolgeunternehmen im Einsatz. Postbusse gibt es bis heute in Österreich und in der Schweiz.

Wo die neue Gesellschaft von ADAC und Post ihren Sitz haben wird, ist noch nicht klar, genauso wenig wie die Marke, unter der die Busse fahren werden. "Gehen Sie davon aus, dass auch diese Busse gelb sein werden und den Schriftzug der Post und des ADAC gut sichtbar tragen", heißt es von einem Projektbeteiligten gegenüber der Berliner Morgenpost.

Rund 200 bis 500 Busse sollen angeschafft werden, das Investitionsvolumen für das Fernbusprojekt liegt für den ADAC und die Post bei einem mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Liberalisierung des Marktes

Mit Wirkung zum 1. Januar 2013 hat die Bundesregierung vor zwei Monaten eine Liberalisierung des deutschen Fernbusmarktes beschlossen. Private Anbieter dürfen künftig im gesamten Bundesgebiet Linienverbindungen zwischen Städten mit Fernbussen anbieten.

Bislang durften Fernbusse grundsätzlich nur auf Strecken eingesetzt werden, die nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar waren. Mit Bekanntwerden der geplanten Marktöffnung hatte die Deutsche Post mit der Prüfung einer Ausweitung ihrer Geschäftstätigkeit in diesem Bereich begonnen.

Eine ganze Zahl von Busbetreibern läuft sich derzeit ebenfalls warm für die neue Zeit der Freiheit im Fernbusgeschäft. Darunter sind mehrere Start-ups, größere Anbieter, aber auch ausländische Reisekonzerne, die auf den deutschen Markt drängen. Die Beschränkungen für das Fernbusgeschäft waren in den 30er-Jahren erlassen worden, um die Bahn vor Konkurrenz zu schützen.

Ausnahmen im größeren Stil gab es nach dem Zweiten Weltkrieg nur für Strecken von und nach West-Berlin. Das bedeutete, dass die Deutschen Bahn quasi ein Fernbusmonopol in Deutschland hatte.

Auf die neue Konkurrenz stellt sich der DB-Konzern nur langsam ein. Bislang sei keine Ausweitung des Busgeschäfts geplant, hieß es. Das galt zumindest bis zur Ankündigung von ADAC und Post.

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