13.12.12

Tarifabschlüsse

Spürbares Lohnplus für Arbeitnehmer im Jahr 2012

Die Konjunktur flaut ab, doch viele Arbeitnehmer haben diesem Jahr noch einmal von erfolgreichen Tarifabschlüssen profitiert. Und das soll auch 2013 so weitergehen, fordern die Gewerkschaften.

Foto: dapd

Warnstreik der IG Metall bei VW im Mai. Mit 4,3 Prozent war dies einer der bedeutenden Abschlüsse im Tarifjahr
Warnstreik der IG Metall bei VW im Mai. Mit 4,3 Prozent war dies einer der bedeutenden Abschlüsse im Tarifjahr

Trotz abflauender Konjunktur profitieren die Deutschen momentan von steigenden Löhnen und Gehältern. In vielen Branchen habe es 2012 Tarifsteigerungen zwischen drei und vier Prozent gegeben, teilte das gewerkschaftsnahe WSI-Institut mit.

Bei einer Inflationsrate von rund zwei Prozent bleibe damit unter dem Strich ein Plus im Geldbeutel, sagte der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Reinhard Bispinck. "Auf das ganze Jahr gerechnet ist daher mit einer realen Steigerung der Tarifverdienste zu rechnen."

Die Lohnrunde im kommenden Jahr müsse ähnlich ausfallen: "Ein Anstieg zwischen drei und vier Prozent bei der gesamtwirtschaftlichen Lohnentwicklung wäre eher die Untergrenze", so Bispinck zu Reuters. "Für ein ausgeglichenes Wachstum müsste Deutschland darüber liegen."

Im laufenden Jahr hatte es in den Schlüsselbranchen der Metall- und Elektroindustrie sowie der Chemieindustrie eine Erhöhung von 4,3 und 4,5 Prozent gegeben. Bei den Lohnrunden wirkten sich laut Bispinck die starke Konjunkturerholung 2011 und die öffentliche Debatte aus, den Beschäftigten eine Art Dividende dafür zu zahlen.

Tarifrunde 2013 wird wohl schwieriger

Die gesamtwirtschaftliche Lage wirft nun aber eher düstere Schatten auf die Tarifrunde 2013. Die Bundesbank und das Ifo-Institut gehen davon aus, dass die Wirtschaft im Schlussquartal 2012 schrumpft.

Für das gesamte kommende Jahr sagen die meisten Ökonomen nur ein mageres Wachstum voraus. "Gerade weil wir einen verhaltenen Konjunkturtrend bekommen, wären Impulse für die Binnennachfrage durch höhere Einkommen wichtig", forderte Bispinck.

"Im nächsten Jahr darf es auf keinen Fall schlechter werden bei der Lohnentwicklung." Für den öffentlichen Dienst der Länder fordern die Gewerkschaften ein Plus von 6,5 Prozent.

Tarifrunden stehen 2013 bei der Deutschen Bahn und Post, in der Eisen- und Stahlindustrie, bei den Versicherern, im Einzel-, Groß- und Außenhandel sowie am Bau und in der Metall- und Elektroindustrie an.

Quelle: Reuters/lw
Quelle: Reuters
13.11.12 1:57 min.
Nach einem hartem Arbeitskampf hat sich Lufthansa mit ihren Flugbegleitern auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Seit September hatte der Ex-Wirtschaftsweise Bert Rürup in dem Konflikt geschlichtet.
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Deutsche Sozialabgaben
  • Abgabenlast

    Über die Abgabenlast wird regelmäßig geklagt. Spätestens beim Blick auf den Lohn- oder Gehaltszettel stellt jeder Arbeitnehmer ernüchtert fest, dass ihm ein Großteil des Bruttoverdienstes über Steuern und Sozialabgaben wieder „weggenommen“ wird. Etwas mehr als eine Billion Euro Steuern und Sozialbeiträge kassiert der Staat im Jahr. Trotz Steuersenkungen nimmt Deutschland bei der Abgabenlast international einen Spitzenplatz ein. Das liegt laut Wirtschaftsorganisation OECD aber weniger an der Steuerlast als vielmehr an den Beiträgen für die Arbeitslosen-, Kranken-, Renten- und Pflege-Versicherung.

  • Steuerlast

    Von einer Steuersenkung profitiert jeder, der Steuern zahlt – vor allem Top-Verdiener. Millionen Arbeitnehmer gehen leer aus, weil sie gar nichts an den Fiskus zahlen. Wegen steigender Freibeträge werden immer mehr Arbeitnehmer nicht belangt. Knapp die Hälfte der Haushalte wird vom Fiskus verschont. Bei den gedeckelten Sozialabgaben gelten für alle vom ersten verdienten Euro an die gleichen Beitragssätze. Anders als bei den Steuern müssen Niedrigverdiener also bereits vom ersten Euro an rund 20 Prozent an die Sozialkassen abführen.

  • Einkommen

    Fiskus und Sozialkassen konnten sich freuen: Die gute Konjunktur, der Beschäftigungsboom und höhere Verdienste schlagen natürlich auch beim Lohnsteueraufkommen und bei Beitragseinnahmen der gesetzlichen Sozialversicherung zu Buche. Die Schallmauer von 41 Millionen Erwerbstätigen wurde inzwischen durchbrochen, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bewegt sich bei fast 28,6 Millionen. Die durchschnittlichen Bruttolöhne stiegen 2011 um 3,3 Prozent, netto verblieb ein Plus von 2,3 Prozent. Und 2012 dürften Arbeitnehmer nach Berechnungen des Finanzministeriums gegenüber 2010 im Schnitt ein Plus von 5,9 Prozent auf dem Lohnzettel verzeichnen.

  • Nettolöhne

    Doch das heißt nicht unbedingt, dass auch mehr im Geldbeutel landet. Denn zunächst einmal kassiert der Fiskus bei jedem dazuverdienten Euro zusätzlich. Bei vielen Arbeitnehmern machte sich der Aufschwung zwar auch auf dem Gehaltszettel bemerkbar. Wegen der fälligen höheren Steuersätze bleibt netto aber weniger übrig. Zudem stiegen im vergangenen Jahr Beitragssätze für die Krankenversicherung und zur Arbeitslosenversicherung. Im Schnitt nahmen die Abzüge aus Lohnsteuer und Sozialabgaben je Arbeitnehmer nach einer Übersicht des Statistischen Bundesamtes und des Arbeitsministeriums 2011 auf 9943 Euro zu: 553 Euro mehr wurden vom Bruttolohn abgezogen als noch im Jahr davor. Die realen Nettoverdienste der Arbeitnehmer hingegen lagen im Schnitt bei 17 650 Euro – 16 Euro weniger als 2010.

  • Koalitionspläne

    Ungelegen kommen die Überschüsse der schwarz-gelben Koalition in der Debatte über die 2013 und 2014 geplante Steuersenkung sicher nicht. Union und FDP wollen die „kalte Progression“ mildern. Die ist nicht immer ein Problem. Sie entsteht, wenn eine Lohnerhöhung nur den Preisanstieg ausgleicht. Die Kaufkraft des Arbeitnehmers steigt dann real nicht, durch den progressiven Tarif bei der Einkommensteuer muss er aber mehr an den Fiskus zahlen. Union und FDP haben eine Preissteigerung von insgesamt 4,4 Prozent für zwei Jahre unterstellt. Ihre Steuerpläne kosten den Staat jährlich rund sechs Milliarden Euro. SPD und Grüne lehnen das Koalitionspaket aber als sozial unausgewogen und als unfinanzierbar ab und wollen es per Bundesrat wieder kippen.

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