13.12.12

Luftfahrt

Nie war Fliegen sicherer als dieses Jahr

Schon lange ist das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel überhaupt. Doch Industrie und Behörden arbeiten weiter an der Verbesserung der Sicherheit. So sind die Unfallzahlen weiter gesunken.

Von Ernst August Ginten
Foto: picture alliance / dpa

Fliegen ist im Jahr 2012 deutlich sicherer geworden
Fliegen ist im Jahr 2012 deutlich sicherer geworden

Es war wohl eine Schnapsidee – die tödlich endete. Am Vorabend des russischen Nationalfeiertages am 12. Juni kam eine Männertruppe aus der russischen Stadt Serov nach einem feuchtfröhlichen Gelage auf die Idee, die Party in exklusiver Runde mit einen kleinen Ausflug ausklingen zu lassen.

Gesagt getan. Irgendwie gelang es den 12 Herren, darunter ein Pilot namens Khtip Kashapov, der Polizeichef Dmitry Ushakov und sein Stellvertreter Maxim Mayevski, eine auf dem Flughafen abgestellte Antonov 2R zu entern und ohne Anmeldung in die Luft zu bringen.

So berichtete es zumindest die "Moscow Times" vor ein paar Tagen. Seitdem wurden Männer und Flugzeug, trotz einer monatelangen groß angelegten Suchaktion, nicht mehr gesehen. Damit ist der Fall für die Russen erledigt und in diesem Jahr wohl einzigartig.

Nie weniger Todesfälle als 2012

Denn Fliegen war 2012 so sicher wie noch nie zuvor in der Geschichte der kommerziellen Luftfahrt. Noch nie gab es so wenig Unfälle und Todesopfer wie in den vergangenen elf Monaten. Laut den Daten der Luftfahrtorganisation IATA hat keine ihrer 243 Mitgliedgesellschaften ein Passagierflugzeug komplett verloren. Nach den Berechnungen der IATA gab es bei 5,3 Millionen Flüge weltweit nur einen Unfall.

Nach Berechnungen des "AviationSafetyNetworks" kam es in der kommerziellen Luftfahrt bislang nur zu 14 Unfällen, bei denen Menschen tödlich oder schwer verletzt worden sind. Insgesamt starben bis zum 13. Dezember 453 Menschen nach Flugunfällen. Im Vorjahr waren es noch 28 schwere Unfälle mit 507 Opfern gewesen. Die Passagierluftfahrtbehörde ICAO hatte für 2010 weltweit insgesamt 22 schwere Unfälle mit 786 Todesopfern gezählt.

Schlimmster Unfall in Nigeria

Der schlimmste Unfall ereignete sich in diesem Jahr Anfang Juni in Nigeria. Eine 22 Jahre alte Passagiermaschine des Typs McDonnell Douglas MD-83 der Fluggesellschaft "Dana Air" stürzte rund zehn Kilometer entfernt vom Flughafen Lagos-Murtala Muhammed International Airport nach dem Ausfall beider Maschinen in ein Wohngebiet und ging in Flammen auf. Alle 153 Insassen starben.

Tragisch endetet auch ein Demonstrationsflug des russischen Flugzeugbauers Sukhoi, der im Mai seinen neuen Superjet 100 in Indonesien vorstellen wollte. Rund 75 Kilometern entfernt von der Hauptstadt Jakarta zerschellte das Flugzeug mit 45 Insassen an einem Berg.

An Bord waren Journalisten, Mitarbeiter von Kaufinteressenten und sechs Crewmitglieder. Der in Zusammenarbeit mit westlichen Hersteller entwickelte Superjet gilt als größtes Vorzeigeprojekt der russischen Flugzeugindustrie.

Bei deutschen Airlines keine Toten

In Deutschland kam es dagegen bei den großen Airlines nur zu wenigen Zwischenfällen im Flugbetrieb. Diese werden von der Brauschweiger Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung BFU erfasst und ausgewertet. Vor allem Vogelschlag, also wenn Vogelschwärme in die Triebwerke geraten, oder außergewöhnliche Gerüche in Kabine oder Cockpit wurden von den Piloten gemeldet.

In der Nähe von Hof brach sich eine Stewardess ein Bein, weil sie wegen starker Turbulenzen zwar bereits auf ihrem Sitz saß, es aber nicht mehr schaffte sich anzuschnallen. Laut dem Untersuchungsbericht der BFU führte eine Turbulenz zu einer "vertikalen Beschleunigung, daraufhin hob die Flugbegleiterin von ihre Sitz ab. Der Sitz klappte ein und sie fiel zu Boden" – und brach sich dabei den rechten Oberschenkel.

Wie bereits im Vorjahr gab es bei den IATA-Mitgliedern in der zivilen Passagierluftfahrt in ganz Europa allerdings kein einziges Todesopfer.

In Afrika ist Fliegen am gefährlichsten

Am gefährlichsten ist Fliegen immer noch in Afrika, denn dort sind immer noch jede Menge alter Maschinen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion und auch anderswo längst ausgemusterte Boeings unterwegs. Außerdem fehlt es den Fluglotsen an technischer Infrastruktur, teilweise ist sie überhaupt nicht vorhanden.

Allerdings hat der Weltluftfahrtverband IATA in den letzten Jahren seine Zusammenarbeit mit den afrikanischen Regierungen und den Airline-Chefs intensiviert. "Die Probleme in Afrika sind kompliziert und reichen von uneinsichtigen Regierungen bis hin zum Geldmangel beim Ausbau der Infrastruktur", sagt IATA-Chef Tony Tyler.

Afrika arbeitet an der Verbesserung der Sicherheit

Aber er ist optimistisch, dass sich die Luftsicherheit in den kommenden Jahr stark verbessern wird. Im nächsten Jahr will die Afrikanische Union die sogenannte "Abuja Declaration" unterzeichnen. "Darin werden sich die Regierungen verpflichten, bis 2015 die Sicherheit im Luftverkehr auf Weltklasseniveau zu verbessern."

Diejenigen afrikanischen Airlines, die bereits von IATA-Schwesterorganisation der IOSA registriert sind, hatten bis November bislang keinen schwerwiegenden Unfall.

Risiko am Boden durch Versorgungsfahrzeuge

Am meisten passiert immer noch während der Start- und Landephase. Aber auch am Boden werden immer wieder Flugzeuge von Versorgungsfahrzeugen gerammt, die Kerosin, Koffer und Container mit Essen ans Flugzeug anliefern.

Dadurch sind allein in 2012 laut IATA-Sicherheitsexperte Günther Mattschnigg Schäden in Höhe von rund vier Milliarden Dollar entstanden.

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