13.12.12

Frank Gilly

Berliner Bank will Filialen schließen und Stellen abbauen

Der Mutterkonzern, die Deutsche Bank, hat schon vor Monaten einen harten Sparkurs verkündet. Jetzt zieht auch die Berliner Bank nach.

Von Hans Evert
Foto: Amin Akhtar

Frank Gilly, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Berliner Bank
Frank Gilly, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Berliner Bank

Frank Gilly, Chef der Berliner Bank, wollte die anstehenden Veränderungen nicht per Rundmail kundtun. Also ist er am Dienstag den ganzen Tag durch die Stadt gereist. Sechs Mitarbeiterversammlungen hat er besucht und den gut 650 Mitarbeitern des Geldhauses persönlich mitgeteilt, dass die Bank in ihren Internetauftritt investieren wird, dass eine neue Werbekampagne starten soll – und dass mit Personalabbau zu rechnen ist. Details nannte er nicht.

"Es gibt noch überhaupt keine konkreten Zahlen", sagt Gilly der Berliner Morgenpost. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat seien bereits gestartet. Gilly wünscht sich einen möglichst schnellen Abschluss. Betriebsbedingte Kündigungen seien kein Thema. Man strebe sozialverträgliche Lösungen an, so Gilly. Aber klar sei: Man müsse effizienter werden. Unter dieser Vorgabe werden nun die Standorte des Hauses überprüft.

55 Filialen hat die Berliner Bank derzeit. Das klassische Geldgeschäft an einem festen Standort unterliegt einem Wandel; das gilt für alle deutschen Geldhäuser. Viele klassische Bankdienstleistungen von der Überweisung bis zum Kauf von Fondsanteilen werden immer häufiger über das Internet abgewickelt. Zudem hat die seit 2008 schwelende Finanzkrise Bankkunden misstrauisch und zögerlich gemacht. Wenn sich jemand auf ein Gespräch mit einem Bankberater über Geldanlagen einlässt, dauert das viel länger als noch vor wenigen Jahren. Gesetzliche Vorgaben für Anlagegespräche wurden verschärft. "Das Filialmodell, das vor 20 Jahren gut war, funktioniert heute nicht mehr", sagt Gilly.

Hinzu kommt, dass der Mutterkonzern, die Deutsche Bank, schon vor Monaten Gilly betont, dass die geplanten Veränderungen aber in erster Linie der Marktsituation geschuldet seien. Aber die Pläne des Frankfurter Geldriesen spielen natürlich trotzdem eine Rolle. Bis zum Jahr 2015 will Deutschlands größte Bank Jahr für Jahr rund 4,5 Milliarden Euro einsparen. Damit einher geht auch ein Personalabbau. Bislang aber nicht, wie ein Sprecher sagte, bei der Deutschen Bank in Berlin selbst.

Veränderungen auch bei der LBB

Die Berliner Bank gehört seit 2007 zum Reich der Deutschen Bank. Zuvor war das 1950 vom damaligen Regierenden Bürgermeister Ernst Reuter gegründete Institut Teil der Landesbank Berlin (LBB). Bei Übernahme durch die Deutsche Bank arbeiteten rund 1100 Menschen bei der Berliner Bank. Im Jahr 2009 verkündete die Deutsche Bank, aus ihrer Tochter in der Hauptstadt eine reine Niederlassung zu machen. Zuvor war das Institut rechtlich eine eigenständige Bank. Im Zuge dieser Umwandlung schmolz die Belegschaft. 100 Mitarbeiter mussten gehen. Andere fanden eine Beschäftigung bei der Deutschen Bank. Nun folgt eine weitere Stellenreduzierung.

Die Pläne der Berliner Bank sind die zweite schlechte Nachricht aus der Finanzbranche. Vergangene Woche hat das größte Institut der Stadt, die LBB, ihren Mitarbeitern einen radikalen Umbauplan präsentiert. Der Finanzkonzern mit rund 6000 Mitarbeitern soll zur reinen Sparkasse werden. Das Kapitalmarktgeschäft wird mit der Frankfurter Dekabank zusammengelegt. Der Gewerbeimmobilien-Finanzierer Berlin Hyp wird eigenständig. Der Betriebsrat der LBB spricht in einer Mitteilung von einem "schwarzen Tag für die LBB und uns Beschäftigte". Allerdings ist bei der LBB auch noch völlig unklar, wie viele Mitarbeiter umziehen müssen und ob es zu einem Stellenabbau kommen wird. Der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di zufolge lassen genaue Informationen über Folgen für das Personal noch auf sich warten.

Verglichen mit dem, was der LBB bevorsteht, dürfte es bei der Berliner Bank glimpflich ablaufen.

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