11.12.12

AIG

"Gefährlichste Firma" der Welt wird privatisiert

Vor vier Jahren drohte AIG die Weltwirtschaft in den Abgrund zu reißen. Jetzt ist der einst weltgrößte Versicherer mit Hilfe der Steuerzahler vollständig saniert, und die US-Regierung will aussteigen.

Foto: dapd

Für 4,8 Milliarden Dollar haben Investoren aus dem Reich der Mitte die Mehrheit an dem weltweit zweitgrößten Leasing-Betreiber ILFC, der bisher zum US-Versicherer AIG gehört hat
Für 4,8 Milliarden Dollar haben Investoren aus dem Reich der Mitte die Mehrheit an dem weltweit zweitgrößten Leasing-Betreiber ILFC, der bisher zum US-Versicherer AIG gehört hat

Mit einem milliardenschweren Aktienverkauf zieht sich die US-Regierung aus dem in der Finanzkrise geretteten Versicherungskonzern AIG zurück. Das Finanzministerium teilte mit, der restliche staatliche Anteil an Stammaktien werde verkauft, es seien 234,2 Millionen Papiere. Das Ministerium will je Aktie einen Preis von 32,50 Dollar erzielen, berichteten mit dem Vorgang vertraute Kreise.

Damit würde der Verkauf der Anteile 7,61 Milliarden Dollar einbringen. Insgesamt kann der Staat somit mit einem Gewinn von fast 23 Milliarden Dollar (rund 17,6 Milliarden Euro) aus der Rettung rechnen.

"Kein Steuerzahler sollte glücklich sein, dass die Regierung AIG retten musste. Aber alle Steuerzahler sollten zufrieden sein, dass das Finanzministerium aus der größten Rettungsaktion eines Finanzunternehmens mit einem Gewinn herausgeht", erklärte Jim Millstein, der frühere Chef der Restrukturierungs-Abteilung im Finanzministerium in einer Erklärung.

Am Immobilienmarkt verzockt

Die Regierung hatte den in der Finanzkrise an den Abgrund geratenen Versicherer im Jahr 2008 gerettet. AIG hatte sich in großem Stile am Immobilienmarkt verzockt.

Der Konzern hatte windige Hypothekenwetten der Banken und Fonds mit Kreditausfallversicherungen abgesichert. Als diese 2008 plötzlich fällig würden, konnte AIG die Schulden nicht mehr begleichen.

Allein im letzten Quartal 2008 musste der damals größte Versicherer der Welt einen Verlust von über 60 Milliarden Dollar vermelden – einen so hohen Quartalsverlust hatte noch nie ein Unternehmen zuvor hingelegt.

Insgesamt machte der Konzern 2008 einen Verlust von fast 100 Milliarden Dollar. Kaum ein Beobachter rechnete damals damit, dass sich das Unternehmen in absehbarer Zeit wieder berappeln würde.

Weil AIG enge Geschäftsbeziehungen zu großen Banken unterhielt, hätte ein Zusammenbruch des Versicherers weitreichende Folgen für die gesamte Finanzwelt gehabt.

182 Milliarden Dollar Steuergelder

Um einen Dominoeffekt zu verhindern, legte die US-Regierung im September 2008 das größte Rettungspaket aller Zeiten für ein Unternehmen auf. Insgesamt flossen 182 Milliarden Dollar Steuergelder in des Kassen des Versicherers.

Überraschenderweise erholte sich AIG recht schnell wieder. Zuletzt schrieb der Versicherer wieder Milliardengewinne. AIG verkaufte zudem viele seiner Tochtergesellschaften, um die Steuergelder wieder zurückzuzahlen. Erst am Montag veräußerte AIG seine für fünf Milliarden Dollar nach China.

Der Rückzug der US-Regierung aus AIG erfolgte schrittweise. Derzeit hält die Regierung noch 16 Prozent an dem Versicherer.

Rettung ist umstritten

Trotz des Profits ist die Rettungsaktion bis heute umstritten. "Der Gewinn für den Steuerzahler sollte nicht die Messgröße für den Erfolg der Rettungsaktion sein", sagt Andrew Karolyi, Finanzprofessor an der Cornell Universität. "Die Rettung hat große Fehlanreize für die gesamte Finanzbranche gesetzt. Das darf bei aller Freude nicht vergessen werden."

Mit dem Verkauf der letzten Anteile werden die Bankhäuser Bank of America Merrill Lynch, Citigroup, Deutsche Bank, Goldman Sachs und JPMorgan Chase beauftragt. Nach dem Verkauf der Stammaktien will die Regierung aber weiterhin Optionsscheine zum Bezug von AIG-Aktien halten.

Der Preis von 32,50 Dollar liegt 2,6 Prozent unter dem Schlusskurs vom Montag mit 33,36 Dollar. Nach Bekanntgabe des Finanzministeriums stieg der Aktienkurs AIGs zeitweise auf fast 34 Dollar. Bis zum Freitag will die Regierung alle Aktien verkauft haben.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Endspurt: Die Baukräne am Kapelle-Ufer drehen sich für das Bildungsministerium. Es soll 2014 fertig sein.
22.05.13Baustellen
Es geht voran - In Berlin werden doch Großprojekte fertig

Eines der größten Bauvorhaben des Bundes in Berlin geht in die Zielgerade. Für den Neubau des Innenministeriums wurde jetzt Richtfest gefeiert. Auch andere große Bauvorhaben in Mitte kommen gut voran. mehr...


Sängerin Beyoncé ist in der O2 World in Friedrichshain zu Gast
22.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Donnerstag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Donnerstag, den 23. Mai. mehr...


Spurensicherung im Londoner Stadtteil Woolwich. Hier wurde ein Mann mit einer Machete getötet
22.05.13Mit Machete ermordet
Tödlicher Anschlag in London war offenbar Terrorakt

In London ist ein Mann mit einer Machete getötet worden. Laut Premierminister Cameron gebe es "starke Anzeichen" für einen terroristischen Hintergrund. Videos zeigen Teile des Geschehens. mehr...


Der SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß war von der großen Mehrheit für seinen Vorschlag selbst überrascht
22.05.13Landespolitik
Berliner SPD-Vorstand billigt Bundestagsliste von Jan Stöß

Erfolg für den SPD-Landesvorsitzenden Jan Stöß: Der Landesvorstand hat am Mittwochabend seinem Vorschlag für die Bundestagsliste mit großer Mehrheit zugestimmt. Spitzenkandidatin soll Eva Högl werden. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Oklahoma Wiedersehen nach dem schweren Tornado
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
US-Kongress Apple verteidigt Steuersparmodell
Xbox One Microsoft stellt neue Spielkonsole vor
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote