11.12.12

Banken

Geldwäsche kostet HSBC Milliarden-Strafe

Großbritanniens größtes Kreditinstitut hatte jahrelang Geld für "Drogenbarone und Schurkenstaaten" geschleust. US-Behörden verhängen nach jahrelangen Ermittlungen eine Rekordstrafe.

Von Tina Kaiser
Foto: REUTERS

Eine Filiale der HSBC-Bank auf der Kanalinsel Jersey
Eine Filiale der HSBC-Bank auf der Kanalinsel Jersey

Es ist ein Rekord in jeder Hinsicht. Nicht nur, dass Großbritanniens größte Bank HSBC mit 1,5 Milliarden Euro die höchste Strafe zahlen muss, die je gegen ein Kreditinstitut auf der Welt verhängt wurde. Die Bank schaffte es auch, innerhalb kürzester Zeit vom absoluten Saubermann der Branche zum Problemfall mit schwieriger Vergangenheit zu mutieren.

Der Skandal kam im Juli ins Rollen, als der US-Senat einen 340 Seiten starken Bericht über HSBC vorlegte. Ausgerechnet die als vorbildlich geltende Bank habe sich jahrelang als Geldwäsche-Schleuser für "Drogenbarone und Schurkenstaaten" verdingt.

HSBC unterstützte Drogenbarone

Unter anderem soll das Institut kubanischen, nordkoreanischen und iranischen Unternehmen geholfen haben, Geld in die USA zu schleusen. Auch für mexikanische Drogenbarone transferierte HSBC ungeprüft Milliarden über die US-Grenze.

Die Einigung kommt einen Tag, nachdem der kleine britische Konkurrent Standard Chartered (StanChart) ebenfalls eine Strafe an die amerikanischen Behörden akzeptiert hatte. Die Bank zahlt wegen umstrittener Geschäfte mit Firmen im Iran, Sudan, Myanmar und Libyen insgesamt 510 Millionen Euro.

Die jüngsten Einigungen sind das Resultat jahrelanger Ermittlungen der amerikanischen Behörden. Zahlreiche internationale Großbanken werden von den USA verdächtigt, US-Handelssanktionen bewusst oder durch Schlampigkeit gebrochen zu haben. Auch hiesige Banken wie Commerzbank, Hypovereinsbank und Deutsche Bank stehen unter Verdacht.

Bislang endeten alle Fälle mit juristischen Vergleichen. Die Kreditinstitute wollen Gerichtsprozesse vermeiden, um den Imageverlust so gering wie möglich zu halten. In den vergangenen fünf Jahren nahmen amerikanische Behörden so fast vier Milliarden Euro ein.

Bank hat sich entschuldigt

Auch HSBC war an einer schnellen Einigung gelegen. Das Institut leugnete die Vorwürfe nicht. Sofort nachdem der Senat den Bericht veröffentlicht hatte, entschuldigte sich die Bank. Die nun vereinbarte Rekordstrafe ist das Ergebnis monatelanger Verhandlungen mit dem US-Justizministerium.

"Wir akzeptieren unsere Verantwortung für unsere Fehler aus der Vergangenheit", sagte HSBC-Chef Stuart Gulliver am Dienstag. Die Bank habe zwischen 2004 und 2010 zu schwache Geldwäsche-Kontrollen gehabt und dabei versagt, unakzeptables Verhalten zu erkennen. Gulliver versprach, HSBC sei jedoch heute "eine vollkommen andere Organisation als diejenige, die die Fehler begangen hat."

In den vergangenen zwei Jahren habe die Bank 220 Millionen Euro investiert, um etwaige Geldwäschegeschäfte sofort aufzuspüren und zu stoppen. Die Bank habe aktiv mit den Behörden zusammengearbeitet und versucht, den US-Senat bei seinen Untersuchungen zu unterstützen.

Gulliver übernahm den Chefsessel im Jahr 2010, etwa zu der Zeit, als die Ermittlungen des US-Senats begannen. Gleichzeitig verließ Verwaltungsratschef Stephen Green den Konzern, der damals maßgeblich für das gute Image der Bank verantwortlich war. Der Manager galt als das Gewissen der Branche.

Sonntags stieg er sogar als Laienprediger in die Kanzel. Vor zweieinhalb Jahren veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel: "Wahre Werte. Über Moral, Geld und die Zukunft". Darin ging er mit der Finanzbranche und seinen bonuslechzenden Kollegen hart ins Gericht.

Ein unabhängiges Gremium überwacht die Geschäfte

Dass nun ausgerechnet unter Greens Aufsicht Milliarden von Drogen- und Terrorgeldern durch HSBC gewaschen wurden, war ein großer Schock für die Finanzwelt. Wenn man selbst dem Branchenprimus nicht vertrauen kann, wie schlimm steht es denn um die Bankenindustrie wirklich?

Umso mehr ist HSBC daran gelegen, den Skandal schnell hinter sich zu bringen. Das Unternehmen erklärte sich bereit, sich über fünf Jahre von einem unabhängigen Gremium überwachen zu lassen. Die Kommission soll prüfen, ob und wie gut die internen Alarmsysteme der Bank funktionieren.

Analysten werteten den schnellen Vergleich mit den US-Behörden trotz der Rekordstrafe als positiv. Der Kurs der Aktie stieg am Dienstagvormittag sogar leicht an. Zwar müsste sich HSBC noch mit der britischen Börsenaufsicht einigen, schriebt beispielsweise das Londoner Investmenthaus Investec.

Anders als beim Libor-Skandal bei der Londoner Bank Barclays, "glauben wir nicht, dass die britischen Behörden eine Vendetta gegen Mitglieder des HSBC-Vorstands planen." Der Fall sei mit der Strafzahlung de facto abgeschlossen.

Rückstellungen waren schon gebildet

Die vereinbarte Summe ist zwar happig, wird für HSBC jedoch leicht zu verdauen sein. Das Institut hatte erst vergangene Woche für 7,3 Milliarden Euro eine Beteiligung an dem chinesischen Versicherungskonzern Ping An verkauft. Anfang November hatte die Bank darüber hinaus bereits 1,2 Milliarden Euro Rückstellungen für die Strafe gebildet.

In der Vergangenheit kamen Banken deutlich billiger bei ähnlichen Verdachtsfällen weg. Die niederländische ING zahlte 480 Millionen Euro, die Schweizer Credit Suisse 410 Millionen Euro und die britische Banken Lloyds und Barclays 270 beziehungsweise 230 Millionen Euro.

Harte Strafe auch gegen StanChart

Finanziell hart trifft die Strafe dagegen die britische Bank StanChart. Die US-Finanzaufsicht hatte der Bank im August vorgeworfen, über zehn Jahre insgesamt 190 Milliarden Euro illegal für den Iran in die USA transferiert und verschleiert zu haben. Seit den 70er-Jahren hatten die USA Sanktionen auf Geschäfte mit dem Regime verhängt.

Nach dem Urteil der New Yorker Finanzaufsicht DFS aus dem August, habe die Bank millionenschwere Gebühren eingestrichen und den US-Finanzmarkt für Terroristen, Drogenhändler und korrupte Regime geöffnet. Nachweisen ließen sich diese Vorwürfe jedoch nur in Teilen. StanChart sagte am Montag, letztlich habe die Finanzaufsicht nur Transaktionen im Wert von 19 Millionen Euro an den Iran sowie 84 Millionen Euro an Myanmar, Sudan und Libyen finden können. Alle diese Länder waren im fraglichen Zeitraum von den USA mit Handelsembargos belegt.

Am Montag einigte sich StanChart auf eine Strafe von 250 Millionen Euro. Das Bußgeld summiert sich zu den 260 Millionen Euro, die die Bank bereits im Sommer an die US-Finanzaufsicht gezahlt hatte. Zusammengerechnet könnten die Strafen den Jahresgewinn des bislang als grundsolide geltenden Finanzinstituts auffressen.

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Banken und ihre Strafen
  • Die HSBC

    zahlt im Rahmen einer Einigung mit US-Behörden 1,9 Milliarden Dollar (1,47 Milliarden Euro). Der größten europäischen Bank wurde vorgeworfen, für Nationen wie den Iran Milliarden verschoben und auch Geld mexikanischer Drogenkartelle durch das US-Finanzsystem geschleust zu haben.

  • Credit Suisse

    zahlte 536 Millionen Dollar (414 Millionen Euro), nachdem die US-Behörden der zweitgrößten Schweizer Bank vorgeworfen hatten, ihr boomendes Geschäft mit iranischen Banken verheimlicht und damit wirtschaftliche Sanktionen der USA verletzt zu haben.

  • Barclays

    zahlte nach einer Einigung 298 Millionen Dollar (230 Millionen Euro). Die britische Bank soll illegale Transaktionen mit Banken in Kuba, dem Iran, Libyen, dem Sudan und Birma im Umfang von 500 Millionen Dollar durchgeführt haben.

  • Lloyds,

    eine weitere britische Bank, stimmte der Zahlung von 350 Millionen Dollar (270 Millionen Euro) zu, nachdem sie Kunden angeblich geholfen hatte, Sanktionen der USA gegen den Sudan, Iran und Libyen zu umgehen.

  • Die ING

    zahlte 619 Millionen Dollar (478 Millionen Euro), um Vorwürfe beizulegen, wonach die niederländische Bank für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust hat.

  • Die Royal Bank of Scotland

    zahlte 500 Millionen Dollar (386 Millionen Euro). Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben.

  • Die UBS

    zahlte insgesamt an amerikanische, britische und Schweizer Behörden 1,4 Milliarden Franken (1,16 Milliarden Euro) als Geldstrafen und eingezogene Gewinne. Das dürfte im vierten Quartal 2012 zu einem Verlust von zwei bis 2,5 Milliarden Franken führen. dapd

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