10.12.12

Konzern

ThyssenKrupp fährt Milliardenverlust ein

Deutschlands größter Stahlproduzent muss einen herben Verlust melden. Schuld sind unter anderem Wertberichtigungen für neue US-Stahlwerke.

Foto: dpa

Die Firmenzentrale des Stahlkonzern ThyssenKrupp in Essen.
Die Firmenzentrale des Stahlkonzern ThyssenKrupp in Essen.

Rekordverlust bei ThyssenKrupp: Wegen der Probleme im Amerikageschäft muss Deutschlands größter Stahlproduzenten für das Geschäftsjahr 2011/12 insgesamt fünf Milliarden Euro Verlust ausweisen. Allein Wertberichtigungen für neue Stahlwerke in den USA und Brasilien belasteten die Bilanz mit 3,6 Milliarden Euro, wie der Konzern am Montagabend mitteilte.

Als Konsequenz aus dem Amerika-Debakel und mehreren Korruptions- und Kartellskandalen trennte sich der Konzern von drei seiner sechs Vorstandsmitglieder: Olaf Berlien, Edwin Eichler und Jürgen Claassen. Der Aufsichtsrat habe einen entsprechenden Vorschlag des Personalausschusses angenommen, teilte der Konzern mit.

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger betonte: "Das Projekt Steel Americas und die verschiedenen Compliance-Verstöße haben nicht nur einen immensen finanziellen Schaden verursacht. Wir haben dadurch auch an Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren." Der Aufsichtsrat habe mit den Veränderungen im Vorstand ein klares Zeichen für einen Neuanfang gesetzt.

Der Umsatz der fortgeführten Aktivitäten von ThyssenKrupp – ohne die verkaufte Edelstahlsparte Inoxum und ohne das zum Verkauf gestellte amerikanische Stahlgeschäft – lag mit 40,1 Milliarden Euro um rund sechs Prozent unter dem Vorjahreswert. Auch Rekorderlöse im Industriegütergeschäft konnten die Einbußen im traditionellen Stahlgeschäft nicht wettmachen. Angesichts der hohen Verluste wird der Konzern für das abgelaufene Geschäftsjahr keine Dividende ausschütten.

Nachfolger für Peer Steinbrück im Aufsichtsrat

Die Krupp-Stiftung will ein eigenes Vorstandsmitglied als Nachfolger des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück in den Aufsichtsrat von ThyssenKrupp entsenden. Der 52-jährige Ralf Nentwig solle Anfang Januar in das Kontrollgremium einziehen, teilte die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung am Montagabend mit. Steinbrück hatte nach der Nominierung zum SPD-Kanzlerkandidaten angekündigt, den Posten niederzulegen.

Die Krupp-Stiftung hält rund 25 Prozent an dem größten deutschen Stahlkonzern. Sie gilt als Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme und kann drei Vertreter direkt in den Aufsichtsrat entsenden. Steinbrück war seit Januar 2011 Mitglied des Gremiums.

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