09.12.12

Marsmission

Wann findet "Curiosity" endlich Leben?

Immer noch kein außerirdisches Leben – für einige Fans eine Enttäuschung. Weder Methan noch andere organische Verbindungen konnte er nachweisen. Doch bei seiner Suche bekommt er bald Verstärkung.

Von Pia Heinemann
Foto: NASA/JPL-Caltech

Der fast eine Tonne schwere Rover „Curiosity“ ist mit zahlreichen Analysegeräten ausgestattet. Etwa zwei Meter über dem Marsboden trägt der Rover zwei Kameras an einem Mast (MastCam).

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Der Marsrover "Curiosity" mausert sich zu einem wahren Erfolgsroboter. Jedes noch so sandige Bild, das die Nasa von ihm sendet, wird im Internet verbreitet, kommentiert und weiterversendet. "Curiosity" klickt. Jede noch so kleine Erkenntnis über das Gestein auf dem fernen Planeten kündigt die amerikanische Weltraumbehörde mit großer Geste an. So sorgte in den vergangenen Wochen das Gerücht, der Mars-Rover haben einen Beweis für Leben auf dem Mars gefunden, für große Aufregung.

"Curiosity" war unter anderem auf seine Erkundungstour durch Sand und Geröll des Mars geschickt worden, um dort nicht nur die Zusammensetzung des Gesteins zu untersuchen, und so die geologische Geschichte des Planeten zu entschlüsseln. Mit seinen ausgeklügelten Analysewerkzeugen sollte er dabei auch vor allem solche chemischen Verbindungen aufspüren, die einen Hinweis auf vergangenes (oder noch besser: derzeit existierendes) Leben liefern.

Enttäuschung wegen angeblich spektakulärer Funde

Anfang vergangener Woche schien es nun so weit: Die Nasa-Presseabteilung setzte eine Konferenz an, auf der man über spektakuläre neue Funde des Rovers berichten wollte. John Grotzinger, der wissenschaftliche Leiter der Mission, sagte gegenüber dem National Public Radio, es gebe spannende neue Daten vom Proben-Analyse-Gerät (Sample Analysis at Mars, "Sam"). "Während wir hier sitzen und reden, bekommen wir Daten von Sam, und die Daten sehen sehr interessant aus. Sie werden in die Geschichtsbücher eingehen", sagte der Geologe.

Der Professor vom California Institute of Technology ist spezialisiert auf die chemischen und physikalischen Wechselwirkungen, die zwischen lebenden Organismen und Gesteinen vor sich gehen. Im Netz war vom Fund organischer Stoffe die Rede. Und wo das Wort "organisch" drauf steht, wo also Wasserstoff und Sauerstoff drin sind, da ist nach irdischen Maßstäben Leben nicht so fern. Kein Wunder also, dass sich viele auf die endgültige Bestätigung freuten, dass der Mars in irgendeiner Form Leben beherbergen könnte.

Doch dann kam die Enttäuschung: "Entspannt euch. Die sorgfältige Analyse hat ergeben, dass es keine organischen Stoffe in den jüngsten Proben vom Mars gibt", teilte die Nasa über Twitter mit. Die Sensationsnachricht war nur, dass die Geräte von "Curiosity" gut funktionieren. Dass man also mit "Sam" tatsächlich Bodenproben analysieren kann, dass es die Daten offensichtlich bis ins Jet Propulsion Laboratory der Nasa schickt – und die Wissenschaftler damit sogar etwas anfangen können.

"Curiosity" übertrifft alle Erwartungen

"Curiosity" übertrifft alle Erwartungen an eine neue Mission, alle Instrumente und Messsysteme arbeiten gut. Das ist eindrucksvoll bei einem so komplexen System, und noch dazu einem, das weit weg auf dem Mars ist und von Menschen hier auf der Erde bedient wird", hieß es von der Nasa.

Schon Anfang November enttäuschten "Curiosity"-Daten: Hatten doch andere Sonden bereits Methan in der Atmosphäre nachgewiesen, konnte der Rover davon keine Spur finden. Seine Messungen gelten als genauer als die von Vorgänger-Geräten. Methan ist auf der Erde ein Stoffwechselprodukt vieler Organismen. Doch "Curiosity" fand bisher kein Methan.

Die Enttäuschung darüber, dass noch immer kein Hinweis auf Leben auf dem Mars gefunden wurde, und darüber, dass Forscher offensichtlich andere Dinge als der Geschichtsbücher würdig betrachten als die breite Mehrheit, kümmert die Nasa kaum. "Lasst den Kopf nicht hängen. Wir haben noch nicht mal vier Monate einer mehrjährigen Mission hinter uns. Wir sind noch ganz am Anfang", tröstete sie per Twitter. "Curiosity" habe schon einige spannende Erkenntnisse geliefert: etwa neue Hinweise darauf, dass es auf dem Mars einst Wasser gab. Am Boden des ausgetrockneten Flussbetts, durch das der Rover fährt, fotografierte er Kiesel, die möglicherweise in einem Wasserlauf glatt geschliffen wurden.

Nasa will Führungsposition sichern

Und für die Nasa läuft es derzeit wirklich sehr gut. Nachdem wichtige Programme wie die Space Shuttles gestrichen worden waren, setzt sie voll auf die Erkundung des Mars. Im Jahr 2020 werde sie einen Nachfolger von "Curiosity" auf den Roten Planeten schicken.

Charles Bolden, ehemaliger US-Astronaut und Administrator bei der Weltraumbehörde Nasa, sagte, dass damit die Führungsposition der USA bei der Erforschung des Mars gesichert werden soll. Die Regierung von Präsident Barack Obama sei ernsthaft an der Erforschung des Mars interessiert, erklärte er.

Obama hatte als Ziel für die amerikanische Raumfahrt ausgegeben, in den 2030er-Jahren eine bemannte Mission zum Mars zu schicken. Charles Bolden betonte deshalb: Mit der "Curiosity"-Mission "stellen wir sicher, dass Amerika die weltweit führende Nation bei der Erforschung des Roten Planeten Mars bleibt".

Foto: dpa

Seit August 2012 liefert "Curiosity" Bodenproben und spektakuläre Fotos - zuletzt diese Panoramaaufnahme von der Marsoberfläche, die aus mehreren Bildern zusammengesetzt ist.

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