09.12.12

Nach Test

Hersteller von Schoko-Adventskalendern prüfen Klage

Stiftung Warentest hatte gefährliche Öl-Rückstände in Adventskalendern bemängelt. Die Hersteller wollen sich mit einer Klage wehren.

Foto: dpa

Einige Hersteller von Schoko-Adeventskalender prüfen eine Klage gegen die Stiftung Warentest
Einige Hersteller von Schoko-Adeventskalender prüfen eine Klage gegen die Stiftung Warentest

Im Skandal um schädliche Ölrückstände in Adventskalendern deutet sich eine Wende an: Nach Informationen der Morgenpost prüfen einige der betroffenen Hersteller eine Klage gegen die Stiftung Warentest.

Sie hatte Ende November den Test veröffentlicht, demzufolge die Schokolade in einigen der untersuchten Adventskalender mit Ölrückständen verunreinigt war, und vor dem Kauf gewarnt. Das Verbraucherschutzministerium kündigte umgehend Maßnahmen gegen die Verwendung schädlicher Materialien an.

Daraufhin brach der Absatz an Adventskalendern dramatisch ein. In der Branche ist von einem "Millionenschaden" die Rede.

Jetzt wollen die Hersteller von den Testern den Schaden ersetzt bekommen. Ihr Argument: Es sei keine Gefahr nachweisbar, die Warnung der Stiftung Warentest somit überzogen gewesen.

Hersteller zögern noch

Derzeit laufen Gespräche darüber, welches Unternehmen die Klage führen und sich mit den mächtigen Verbraucherschützern anlegen könnte. "Wir würden das Unternehmen dabei begleiten", heißt es auf Anfrage der Morgenpost beim Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Noch allerdings hat sich kein Hersteller gefunden, der sich auf den risikoreichen Klageweg traut, wenn auch in der Branche von "mindestens zwei heißen Kandidaten" die Rede ist.

Der Fall kurz vor dem Fest der Liebe führte zu öffentlicher Empörung bei fast allen irgendwie Beteiligten. Zunächst schien es ein Triumph für die Stiftung Warentest zu sein. Ende November informierte die Organisation über Mineralölrückstände in Schokoladen-Adventskalendern und warnte vor dem Genuss der Testverlierer. Medien berichteten, das Bundesverbraucherschutzministerium kündigte die baldige Festschreibung von Höchstmengen der gefährlichen Stoffe an, die aus der Druckfarbe oder dem Recyclingpapier der Kalender stammen.

Einige Hersteller nahmen ihre Produkte vom Markt, andere wurden von den Handelsketten vorsichtshalber – zumindest vorübergehend – aus den Regalen genommen. Der vorweihnachtliche Schaden soll in die Millionen gehen und pro Hersteller zwischen wenigen Zehntausend und einigen Hunderttausend Euro liegen.

Markt für Naschkalender brach weitgehend zusammen

Die Stiftung Warentest, so schien es zunächst, spielte die Rolle des Guten, die Hersteller waren die Bösen. Allerdings hatte die Stiftung mit der Warnung vor wenigen der 24 untersuchten Adventskalender eine Lawine ausgelöst: Der Markt für Naschkalender brach weitgehend zusammen. Die Strafe der Verbraucher durch Kaufverweigerung oder Umtausch traf nahezu alle Hersteller – selbst jene, deren Produkte überhaupt nicht getestet worden waren.

Auch die Stiftung Warentest bestreitet nicht, dass es gar keinen Grenzwert für diese Ölrückstände gibt und wissenschaftlich unstrittige Ermittlungsmethoden für den mutmaßlich krebserregenden Stoff ebenfalls nicht. "Die Stiftung Warentest nimmt einfach einen Wert und behauptet: Alles, was drüber liegt, ist gefährlich", schimpft daher auch ein Hersteller. Es gebe allerdings keinerlei Beweis dafür, dass irgendeinem Verbraucher ein Schaden entstanden sei, "die verbreiten nur Verunsicherung!", so der Fabrikant. Einige Hersteller ließen inzwischen eigene Analysen anfertigen, die keinen Grund zur Beunruhigung ergeben hätten, heißt es in deren Erklärungen.

"Kein akutes Gesundheitsrisiko"

Sogar die Stiftung Warentest musste inzwischen zurückrudern: Es bestehe "kein akutes Gesundheitsrisiko", räumte eine Vertreterin der Verbraucherschützer im Deutschlandradio ein. Das längst eingeschaltete Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt, dass die seit 2009 als Problem bekannten Ölrückstände "unerwünscht" seien. Selbst wenn man die Testergebnisse mit den höchsten ermittelten Werten zugrunde lege, so das BfR, "ergibt sich unter der Annahme des Verzehrs von einem Schokoladenteil pro Tag nur ein sehr geringer zusätzlicher Anteil zu der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit abgeschätzten täglichen Aufnahme von aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen über die Nahrung". Das klingt zwar nicht nach Freispruch, aber auch nicht wie eine Verzehrwarnung.

Die Pressestelle der Stiftung Warentest verteidigt das Vorgehen: "Was den Test anbelangt, würden wir alles genauso noch einmal machen", hieß es. "Möglichen rechtlichen Auseinandersetzungen sehen wir sehr gelassen entgegen." Auch die Kritik am Termin ihrer Veröffentlichung weisen die Warentester zurück. Dass es nach den Tests der Kalender ausgerechnet bis zum Beginn der Verkaufsphase Ende November gedauert habe, die Proben auszuwerten, will die Industrie nicht recht glauben. "Dass es Probleme mit Mineralöl in Verpackungen gibt, ist zwar seit Längerem bekannt", teilt die Stiftung mit. "Dass es aber ein besonderes Problem mit Adventskalendern gibt, haben wir erst im Herbst gehört und diese dann, sobald sie im Handel waren, eingekauft."

Die Schokoladenhersteller – und das erklärt wohl auch ihre Wut – fühlen sich zu Unrecht alleine an den Pranger gestellt. Denn es gibt ähnliche Probleme mit Öl auch bei Lebensmitteln, die nicht nur an einigen Tagen, sondern das ganze Jahr über gegessen werden, beispielsweise Reis, Gries oder Cornflakes. Auch hier können Ölrückstände aus Recyclingpapier oder aus Druckfarben auf Dauer in die Nahrungsmittel wandern, von denen ja viel mehr gegessen würden als von Schoko-Stückchen aus Adventskalendern.

Quelle: dpa/bee
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