08.12.12

Rückkaufaktion

Griechenland offenbar von Milliardenschulden befreit

Die Schulden-Rückkaufaktion scheint geglückt. Griechenland könnte so seine Schuldenlast um bis zu 20 Milliarden Euro reduziert haben.

Foto: dpa

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erwartet weitere Belastungen durch die Griechenland-Hilfen
Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erwartet weitere Belastungen durch die Griechenland-Hilfen

Griechenland steht vor einem Erfolg beim Schuldenrückkauf und damit vor der Auszahlung dringend benötigter Milliardenhilfen. Zu den offerierten Preisen von 30 bis 40 Cent je ein Euro Anleihen-Nennwert wurden der Regierung Schuldpapiere im Umfang von rund 30 Milliarden Euro angeboten, sagte am Samstag ein Regierungsvertreter. Er signalisierte damit, dass die Rückkaufaktion ihr gestecktes Ziel erreicht haben dürfte. Das ist umso wichtiger, als von deren Erfolg weitere Entlastungen und auch die Freigabe von insgesamt 43,7 Milliarden Euro an bereits früher zugesagten Kredithilfen für das Land abhängen.

Das Rückkaufangebot traf offenbar sowohl bei griechischen, wie bei ausländischen Haltern griechischer Staatsanleihen – darunter befinden sich viele Hedgefonds – auf Interesse. "Im Großen und Ganzen lief das Rückkaufprogramm gut", sagte ein griechischer Regierungsvertreter. Das, was die Anleger uns angedient haben, bewegt sich in der erwarteten Größenordnung von etwa 30 Milliarden Euro." Die griechischen Banken, die rund 17 Milliarden Euro an Staatspapieren von insgesamt gut 60 Milliarden Euro halten, die sich noch im privaten Besitz befinden, hatten bereits ihre Teilnahme an dem Programm angekündigt. Und auch ausländische Investoren haben sich nach Zeitungsberichten bereiterklärt, 15 bis 16 Milliarden Euro an Anleihen an die Regierung zu verkaufen.

Mit einem ersten Ergebnis aus offiziellen Quellen ist offenbar am Samstagnachmittag zu rechnen. Wie es weiter hieß, sollen am Sonntag in einer Videokonferenz die Mitglieder der Eurogruppe (Working Group der Eurogruppe) über den Verlauf des Rückkaufs informiert werden. Die Frist für den Schuldenrückkauf war am Freitagabend abgelaufen.

Schäuble verteidigte die Griechenland-Hilfen

Mit dem Rückkaufprogramm könnte die griechische Regierung auf Basis der gebotenen Preise und des Kaufumfangs ihre Schuldenlast um fast 20 Milliarden Euro verringern. Das hilft langfristig beim Abbau des Schuldenberges, der für das Land zumindest wieder einigermaßen tragbar sein muss – eine für den Internationalen Währungsfonds (IWF) ganz wichtige Anforderung. Griechenland wird außerdem kurzfristig von Zins- und Tilgungszahlungen entlastet.

Mit dem Schuldenrückkauf ist eine wesentliche Bedingung erreicht, um dem Land weitere Entlastungen im Bereich von Zinsen, Kreditlaufzeiten und Stundungen zu sichern, auf die sich die Euro-Länder und der IWF kürzlich verständigt hatten. Insgesamt haben all die Hilfen einen Umfang von etwa 40 Milliarden Euro. Formal darüber entscheiden wollen die Euro-Finanzminister am 13. Dezember. Dann wollen sie auch die früher schon zugesagten Kredithilfen von 43,7 Milliarden Euro freigeben. Gut 34 Milliarden Euro davon sollen schon im Dezember fließen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verteidigte die Griechenland-Hilfen in der "Bild am Sonntag" noch einmal, auch wenn sie erstmals den deutschen Bundeshaushalt belasten werden. "Wie viel das insgesamt kostet, kann ich noch nicht abschließend sagen", sagte der CDU-Politiker der "Bild am Sonntag". Der Verzicht auf Zinseinnahmen belaufe sich für Deutschland auf rund 130 Millionen Euro im Jahr. Die Ausschüttung von Geldern, die den EZB-Gewinnen aus dem Anleihen-Ankaufprogramm von zehn Milliarden Euro bis 2035 entsprächen, bedeuteten insgesamt 2,7 Milliarden Euro weniger für Deutschland.

Athen hatte den Haltern verschiedener Staatspapiere mit langen Laufzeiten Angebote von 30,2 bis 40,1 Prozent des ursprünglichen Werts gemacht. Wegen der dramatischen Schuldenkrise Griechenlands waren die Staatsanleihen rasant im Wert gefallen. Nehmen die Gläubiger das Angebot an, sind sie die problematischen Papiere los.

Quelle: Reuters/nbo
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Die Instrumente der Euro-Retter
  • Rückkaufprogramm

    Ein 40 Milliarden Euro umfassendes Programm zum Rückkauf griechischer Staatsanleihen wird seit 2011 diskutiert. Athen könnte dafür Geld des Euro-Rettungsschirms nutzen. Die Kurse liegen weit dem Nennwert. Nominal könnte Athen fast das Dreifache des eingesetzten Betrages an Schulden aus dem Markt nehmen. Die Rest-Schulden würden dann aber fast komplett bei öffentlichen Geldgebern liegen.

  • Zinserlass

    Die Geberländer könnten die Zinsen auf ihre bilateralen Kredite von etwa 53 Milliarden Euro reduzieren, was zu jährlichen Erleichterungen von 500 Millionen Euro für Athen führen könnte. Italien und Spanien würde dies viel kosten, da sie sich zu höheren Zinsen Geld leihen müssen. Deutschland hat bisher rund 300 Millionen Euro mit den bilateralen Krediten verdient. Neue Darlehen aus dem ESM könnten zu sehr günstigen Konditionen vergeben werden. Die Euro-Länder müssten Ausfälle kompensieren.

  • Buchgewinne

    Die Euro-Länder könnten die Gewinne ihrer Notenbanken aus dem Tausch der Griechenland-Anleihen während der Umschuldung an Athen überweisen. Die nationalen Notenbanken hatten Anleihen zum Nennwert an die EZB verkauft, damit diese die Papiere in neue Anleihen tauscht. Der Buchgewinn wurde an die Länder überwiesen.

  • Bankenhilfen

    Griechische Banken könnten direkt vom Rettungsfonds ESM gestützt werden. Dann würde der griechische Staat entlastet. Aber: ESM-Hilfen sollen nicht für Altlasten fließen und die direkte Banken-Rekapitalisierung ist noch nicht beschlossen.

  • Schuldenerlass

    Rund zwei Drittel der griechischen Schulden von etwa 340 Milliarden Euro liegen bei öffentlichen Geldgebern. Würden die Euro-Länder auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten, würde dies Deutschland knapp acht Milliarden Euro kosten. Finanzminister Schäuble lehnt den Schuldenschnitt ab.

  • Neue Hilfskredite

    Über ein drittes Rettungsprogramm – vor Monaten war von 50 Milliarden Euro die Rede – wird immer wieder spekuliert. Doch zusätzliche Kredite würden die Schuldenquote Athens noch weiter nach oben treiben.

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