08.12.12

Luftfahrt

Mehdorn plant den Kahlschlag bei Air Berlin

Bittere Pille: In einem Brief an die Mitarbeiter stimmt Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn seine Beschäftigten auf einen harten Sparkurs ein, der auch vor Personalabbau nicht haltmacht.

Von Ernst August Ginten
Foto: dapd

Air Berlin muss sich auf noch härtere Konkurrenz einstellen: Kürzlich stellte die Lufthansa ihre neue Strategie für die Billigflugtochter Germanwings vor, die speziell auf zahlungskräftige Geschäftskunden abzielt.
Air Berlin muss sich auf noch härtere Konkurrenz einstellen: Kürzlich stellte die Lufthansa ihre neue Strategie für die Billigflugtochter Germanwings vor, die speziell auf zahlungskräftige Geschäftskunden abzielt.

Air Berlin verschärft seinen Sparkurs und wird dabei auch erstmals Stellen abbauen müssen. Im kommenden Jahr will die Airline dazu die Flotte auf 138 Flugzeuge schrumpfen und die Geschäftsabläufe weiter straffen. Das geht aus einem internen Brief von Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn an die Mitarbeiter hervor, der der "Welt" vorliegt.

Damit sind mindestens 500 Vollzeit-Arbeitsplätze gefährdet. Insgesamt beschäftigt Air Berlin rund 9300 Mitarbeiter. Auch am Boden sollen die Geschäftsprozesse im Rahmen des Turnaround-Programms "Turbine 13" weiter gestrafft werden. "Ziel ist ein Kostenabbau von 15 Prozent über die nächsten zwei Jahre", schreibt Mehdorn in dem Brief.

Ende September war die zweitgrößte deutsche Airline nach eigenen Angaben noch mit 158 Flugzeugen unterwegs. Laut Gesetz muss pro 50 Fluggäste ein Flugbegleiter an Bord sein, plus Pilot und Copilot. Air Berlin fliegt vor allem Boeing 737 und Maschinen der Airbus A320-Familie, die mit 144 bis maximal 210 Sitzen ausgestattet sind. Dazu kommen 14 Flugzeuge vom Typ A330, die mit bis zu 387 Sitzen. Intern rechnen Airlines beim Personalbedarf zum Betrieb eines Flugzeugs die Zahl der gesetzlich vorgeschriebenen Crewmitglieder mal fünf.

Schwarze Zahlen durch hartes Sparen

Bereits bei der Vorstellung des Neun-Monatsergebnisses 2012 hatte Mehdorn gesagt, dass sich das Management der Airline mit "Turbine 2013" voll auf "unsere Kernkompetenzen" konzentrieren wolle. "Nur damit wird es uns aufgrund des negativen Umfelds gelingen, unsere operative Performance weiter zu verbessern und ab dem kommenden Jahr nachhaltig schwarze Zahlen zu erreichen", sagte Hartmut Mehdorn.

In dem Brief an die Mitarbeiter konkretisiert Mehdorn diese Aussagen nun. Air Berlin habe ihren Kernmarkt im Kurz- und Mittelstreckensegment. "Hier befördern wir 95 Prozent unserer Fluggäste und erzielen 85 Prozent unserer Erlöse" schreibt Mehdorn. Und das wird für die Berliner zunehmend zum Problem. Denn auf den Deutschland- und Europastrecken steigt derzeit der Wettbewerbs- und Kostendruck erheblich.

Lufthansa macht Konkurrenz mit Germanwings

So hat die Lufthansa kürzlich erste Details über die Angebote der neuen, größeren Billigflugtochter Germanwings bekannt gegeben, die speziell auf zahlungskräftige Geschäftskunden abzielen. Und Mehdorn rechnet offenbar damit, dass andere dem Vorbild der Lufthansa folgen werden: "Etablierte Carrier gründen Low-Cost-Tochtergesellschaften und entwickeln Produktionsmodelle, mit denen sie ihre Services zu deutlich niedrigeren Kosten anbieten werden."

Es wird also für Air Berlin künftig noch schwerer werden, zahlungskräftige Kundschaft zu halten oder gar neue dazuzugewinnen. Mehdorn kündigte deshalb an, dass Air Berlin – aufbauend an dem Kernattribut der Marke "Value for Money, Charme und Innovation" – künftig ein attraktives Produkt anbieten will, dass sich mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis gegenüber Low-Cost-Angeboten auszeichnen soll. "Hierbei bauen wir auf Lösungen, die zu unserem schlanken Produktionsmodell passen und einen Mehrwert für unsere Kunden darstellen", schreibt er.

Alles auf dem Prüfstand

Konkret hat der Vorstand bereits einen ersten, neuen Netzwerkplan entwickelt, der "die Komplexität der Flotte reduziert". Auf den Strecken in die Drehkreuze soll mehr kleineres Fluggerät eingesetzt werden. Dies wird laut Mehdorn "zu Anpassungen bei der Stationierung unserer Flugzeuge, Crews und Technik-Beschäftigen führen".

Gegenwärtig prüfe das Management "die Zahl der heute bestehenden Stationen" und damit verbundene Kosten. Mehdorn kündigte zudem an, dass die Prozesse vor und nach dem Flug weiter automatisiert werden, "um schneller zu werden und administrativen Aufwand zu verringern". Dies gelte auch für Catering und Logistik.

Schneller hin, schneller zurück

Schneller werden sollen auch die sogenannten "Turnaround-Zeiten" der Flugzeuge. Damit gemeint ist die Zeit, die benötigt wird, um ein Flugzeug nach dem Abflug einer Strecke wieder in die Luft zu bringen. Wenn diese Zeiten kurz sind, können die Fluggesellschaften oftmals mit ihren Flugzeugen pro Tag eine Strecke mehr bedienen und die Crew kann am Abend wieder an ihrem Startpunkt landen. Damit entfallen zum Beispiel Übernachtungskosten.

Neu aufgestellt werden soll 2013 auch der Vertrieb. Die Kundenorientierung und "unser Marktauftritt" sollen laut Mehdorn neu gestaltet werden. Dazu werden Bereiche zusammengelegt und "weitergehende Möglichkeiten" geprüft. Ab 2013 sollen die Standardfunktionen in Verwaltung und Service verschlankt werden und Doppelfunktionen abgebaut werden.

Foto: Condor

Nadine Behr, 37, ist über ein Schülerpraktikum bei der Lufthansa zur Luftfahrt gekommen. Dort konnte sie die angehenden Stewards und Stewardessen beim „Springen, Rutschen, Feuerlöschen“ beobachten und wusste: „Das will ich auch.“ Nach dem Abitur hat sie sich 1995 nur bei der Ferienfluggesellschaft Condor beworben und wurde gleich genommen. Die Condor, findet Nadine Behr, hat für Flugbegleiter unter den deutschen Airlines das „attraktivste Streckennetz“. Die kürzeste Strecke geht nach Palma de Mallorca, ansonsten stehen Barbados, Cancún oder Phuket auf dem Flugplan. Ihr schönstes Erlebnis: „Ich war beim Bordverkauf mal Zeugin eines Heiratsantrages und durfte danach sogar den Ring überreichen.“

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