07.12.12

Tod des Aldi-Erben

Berthold Albrecht - Impulsgeber im Hintergrund

Er hatte sich wegen langer Krankheit schon vor einem halben Jahr aus dem Verwaltungsrat von Aldi Nord zurückgezogen: Der Sohn des Aldi-Mitbegründers Berthold Albrecht wurde nur 58 Jahre alt.

Foto: dpa

Verschiedene Tageszeitungen veröffentlichen eine Todesanzeige für Berthold Albrecht
Verschiedene Tageszeitungen veröffentlichen eine Todesanzeige für Berthold Albrecht

Nach dem Tod von Aldi-Erbe Berthold Albrecht (58) erwarten Kenner des verschwiegenen Unternehmens keine grundsätzlichen Veränderungen bei Aldi Nord. "Berthold Albrecht war nicht in der operativen Verantwortung. Die liegt schon seit langem bei Managern, die nicht aus der Familie kommen", sagte ein Kenner der Materie der Berliner Morgenpost. "Sein Bruder Theo junior war näher am operative Geschäft", zitiert Bloomberg den Analysten Sebastian Frericks vom Bankhaus Metzler.

Er verweist zudem darauf, dass Berthold Albrecht schon seit längerem krank gewesen sei. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hatte sich der 58-jährige wegen seines körperlichen Zustandes schon seit etwa einem halben Jahr weitgehend aus seiner Tätigkeit im Verwaltungsrat zurück gezogen. In der am Freitag veröffentlichten Todesanzeige der Familie heißt es dazu: "Berthold war eine Kämpfernatur, so dass er bis zuletzt noch hoffnungsvoll war".

Berthold Albrecht war schon vergangene Woche gestorben

Berthold Albrecht, einer der reichsten Deutschen, war bereits in der vergangenen Woche gestorben. Die Familie hatte die Anzeigen aber erst für den Freitag geschaltet, als der Verstorbene bereits beerdigt war. Ähnlich hatten es die Albrechts gehalten, als Bertholds Vater Theo 2010 gestorben war. Berthold Albrecht, der Kunst sammelte, hinterlässt seine Frau, seine Kinder und – so steht es unter der Todesanzeige – den "Familienhund".

Im Text wird der Verstorbene als "lieber, überaus großzügiger Mensch", "sehr intelligent und arbeitsam" beschrieben. Er sei "weder geschwätzig noch nachtragend" gewesen. "Berthold Albrecht war Vorstandsvorsitzender einer unserer Familienstiftungen und Mitglied des Verwaltungsrates. Er hat es verstanden, der Unternehmensgruppe Aldi Nord wichtige Impulse für die Zukunft zu geben", heißt es in der Anzeige der Gesellschafter des Handelsunternehmens.

1962 wurde Aldi gegründet

Theo und sein Bruder Karl Albrecht aus Essen hatten mit "Aldi" 1962 die erfolgreichste Discountermarke der Welt gegründet. Die Erfinder dieser Art des Billigverkaufes auf deutschem Boden teilten den Konzern nach einigen Jahren auf. Einen "Bruderkrieg" gab es jedoch nicht, beide Albrecht-Teile arbeiten weiterhin zusammen. Der Stamm von Karl Albrecht ist seit Jahrzehnten für Aldi Süd zuständig, Theo und seine Nachfahren für Aldi Nord.

Heute gibt es fast 10.000 Aldi-Läden in 17 Ländern, auch in Nordamerika und Australien. Der Umsatz beider Gruppen soll 2011 zusammen bei rund 58 Milliarden Euro gelegen haben.

Die Familie war immer sehr öffentlichkeitsscheu

Die Familie aus einfachen Verhältnissen – die beiden öffentlichkeitsscheuen Gründer galten stets als sehr bescheiden – gehört längst zu den Reichsten des Landes. Theos Söhne Berthold und Theo junior taxierte das Forbes Magazin 2011 auf ein Vermögen von 14,4 Milliarden US-Dollar. Es soll an eine Stiftung gebunden sein. Detaillierte Stellungnahmen hat es zu den Finanz- und Erbangelegenheiten nie gegeben. Nach der deutschen Forbes-Liste 2012 liegen die Aldi-Nord-Erben auf Platz zwei der reichsten Menschen des Landes – hinter Karl Albrecht, dem noch immer über Aldi Süd herrschenden Gründer.

Aldi Nord ist konservativer als Aldi Süd

Aldi Nord galt gegenüber dem Süden immer als der vorsichtigere und weniger innovative Teil des Familienunternehmens. Auch war der Süden operativ stärker von Familienmitgliedern geprägt als der Nord-Teil. Nach dem Rückzug von Theo Albrecht hatte der Manager Hartmuth Wiesemann die Leitung des Nord-Konzerns übernommen. Anfang 2011 folgte ihm Marc Heußinger. Zum Nord-Stamm gehört auch der US-Lebensmittelhändler "Trader Joe's".

Aldi gilt vielen Händlern noch immer als Vorbild für Effizienz und perfekte Abläufe. Die Rendite liegt an der Spitze des deutschen Lebensmittelhandels, auch wenn der Konkurrent Lidl in den vergangenen Jahren aufgeholt hat – allerdings vor allem beim Umsatz und der Zahl der Läden. Aldi reagierte, indem zuletzt die Zahl der verkauften Marken gesteigert wurde – so gibt es jetzt Coca Cola oder Nutella beim Discounter mit dem blauen A im Logo.

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  • Rangliste

    Aldi gehört mit Läden in 17 Ländern auf drei Kontinenten zu den weltweit 20 größten Händler-Gruppen. Unter den deutschen Handelsriesen sind nur Metro und die Schwarz-Gruppe größer.

  • Metro

    Geschätzte Bruttoumsätze 2011: 76,4 Mrd. Euro

    Aktivitäten: Metro-Großhandel, Mediamarkt und Saturn, Real, Kaufhof

  • Schwarz-Gruppe

    Geschätzte Bruttoumsätze 2011: 70,1 Mrd. Euro

    Aktivitäten: Lidl, Kaufland

  • Aldi

    Geschätzte Bruttoumsätze 2011: 57,9 Mrd: Euro

    Aktivitäten: Aldi Nord, Aldi Süd, Hofer

  • Rewe-Gruppe

    Geschätzte Bruttoumsätze 2011: 50,4 Mrd. Euro

    Aktivitäten: Rewe, Penny, Billa, Toom, ProMarkt, ITS, Dertour

  • Edeka

    Geschätzte Bruttoumsätze 2011: 45,8 Mrd Euro

    Aktivitäten: Edeka, Netto Marken-Discount

  • Quelle

    Bei den Umsätzen inklusive Mehrwertsteuer handelt es sich um eine Schätzung des Handelsinformationsdienstes Planet Retail. Manche Unternehmen veröffentlichen Nettoumsätze. So bezifferte die Metro ihren Umsatz 2011 auf 66,7 Milliarden Euro. Die selbstständigen Firmen Aldi Nord und Aldi Süd geben keine Eckdaten zu ihrer Größe bekannt.

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