07.12.12

AOK-Report

Krankenkasse hält viele OPs in Kliniken für unnötig

Eine Studie wirft deutschen Kliniken vor, zu viele Patienten zu operieren: Den Krankenhäusern gehe es oft nur um wirtschaftlichen Gewinn.

Foto: dapd

Operation in einer Fachklinik in Münster: Laut AOK-Report sind viele Operationen an deutschen Krankenhäusern unnötig
Operation in einer Fachklinik in Münster: Laut AOK-Report sind viele Operationen an deutschen Krankenhäusern unnötig

In deutschen Kliniken werden immer mehr Patienten operiert, viele davon nach Ansicht der AOK unnötigerweise.

Die Behandlungszahlen seien vor allem in jenen Bereichen gestiegen, "die wirtschaftlichen Gewinn versprechen", erklärte Jürgen Klauber vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) am Freitag bei der Vorstellung des "Krankenhaus-Reports" in Berlin. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) wies die Vorwürfe zurück.

Der Studie zufolge stieg die Zahl der stationären Behandlungen seit 2005 insgesamt um 11,8 Prozent je Einwohner. Im vergangenen Jahr habe es in den Kliniken rund 18,3 Millionen Behandlungen gegeben, das waren 310.000 mehr als im Vorjahr.

Zahl der Wirbelsäulen-OPs verdoppelt

Allein die Zahl der Wirbelsäulenoperationen hat sich demnach bei den AOK-Versicherten zwischen 2005 und 2010 mehr als verdoppelt. Auch Herzschrittmacher wurden zwischen 2008 und 2010 um 25 Prozent häufiger implantiert oder ausgewechselt. Nur zehn Prozent des Anstiegs, also nicht einmal die Hälfte, sind laut Report auf die zunehmende Zahl älterer Menschen zurückzuführen. Auch bei künstlichen Knie- und Hüftgelenksprothesen liege Deutschland im internationalen Vergleich an den Spitze.

"Um den wirtschaftlichen Erfolg zu sichern, steigern Krankenhäuser die Menge ihrer erbrachten Leistungen", kritisierte AOK-Vorstand Uwe Deh. Mehr Menge bedeute nicht zwangsläufig aber auch mehr Nutzen für die Patienten. Niemand dürfe "unnötig operiert werden". Gerade bei lukrativen und planbaren Eingriffen wie Wirbelsäulen-OPs oder Untersuchungen mit Herzkathetern könnten die steigenden Zahlen "nachweislich nicht damit erklärt werden, dass sich der medizinische Bedarf entsprechend entwickelt hat", erklärte Deh.

Qualität der Kliniken bemängelt

Der Report bemängelt auch die unterschiedliche Qualität der Kliniken. Während es in 74 der 614 untersuchten Kliniken bei weniger als fünf Prozent der Katheterpatienten zu Komplikationen kam, lag die Rate in 37 Häusern bei mehr als 15 Prozent.

In Zukunft sollten die Kassen daher die Möglichkeit bekommen, "nachweislich schlechte Qualität nicht zu bezahlen" und nur noch mit bestimmten Kassen Vergütungsverträge abzuschließen, forderte Deh. Dies würde "die Spreu vom Weizen trennen".

Krankenhäuser weisen Kritik zurück

Die Krankenhausgesellschaft warf den Kassen vor, die Leistungen der Krankenhäuser zu verunglimpfen. "Behauptungen, Krankenhäuser würden aus ökonomischen Gründen und unnötig Patienten operieren, haben keine Grundlage", erklärte Verbandspräsident Alfred Dänzer.

Der Anstieg bei Behandlungen und Operationen sei vielmehr mit der steigenden Zahl älterer und kranker Menschen sowie mit dem medizinischen Fortschritt zu begründen.

So seien Herzklappenoperationen mit einem Ballon-Kathedersystem zwar teuerer als eine OP am offenen Herzen, aber zugleich schonender für die Patienten, weshalb sie auch häufiger vorgenommen werde. Beim Hüft- und Knieersatz stagnieren die Zahlen laut DKG sogar seit einigen Jahren.

"Keine finanzielle Anreize für Kliniken"

Das bestehende Abrechnungssystem biete keinerlei finanziellen Anreize für die Kliniken, mehr Leistungen als nötig zu erbringen, erklärte Dänzer. Er warf den Kassen vor, sie wollten mit ihrer "absolut überzogenen Kritik" die älteren Menschen offenbar von der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen abhalten.

Der Marburger Bund kritisierte, die Klinikleitungen würden den ökonomischen Druck an die Ärzte weitergeben. Es dürfe aber keine finanziellen Anreize für Operationen, etwa als Bonuszahlungen, geben.

Quelle: afp/bee
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