07.12.12

South Stream

Russland baut Pipeline 2000 Meter unter dem Meer

Die Energie-Großmacht feiert den Baustart der South-Stream-Pipeline, die russisches Gas durchs Schwarze Meer nach Europa strömen lässt. Verglichen dazu war die Ostsee-Pipeline ein Kinderspiel.

Von Ulf Mauder
Foto: dapd

Ein Arbeiter bereitet die erste Schweißnaht für South Stream im russischen Anapa vor
Ein Arbeiter bereitet die erste Schweißnaht für South Stream im russischen Anapa vor

Russland triumphiert abermals im weltweiten Gaspoker. Nach dem Coup mit der Ostsee-Pipeline Nord Stream startete am Freitag der Bau der Schwesterleitung South Stream, die Gas durch das Schwarze Meer nach Europa bringen soll. Von ihrem EU-Anlandepunkt in der bulgarischen Hafenstadt Warna führt die Leitung durch Serbien, Ungarn und Slowenien bis nach Tarvisio in Norditalien.

Auch die BASF-Tochter Wintershall beteiligt sich an dem Projekt, dessen Kosten auf 16 Milliarden Euro geschätzt werden. Das deutsche Unternehmen gehört damit zu den Partnern aus insgesamt rund zehn Ländern.

Mit der 2380 Kilometer langen Röhre stößt der vom Kreml kontrollierte Gasmonopolist Gazprom nicht nur weiter nach Europa vor. Die Russen preisen das Projekt als Beitrag zur Energiesicherheit im Westen an. Vor allem aber setzt das von den Energieverkäufen abhängige russische Staatsbudget auf satten Profit.

Schlag für Konkurrenz-Projekt Nabucco

Bedenken des Westens wegen einer immer größeren Abhängigkeit von Gas aus dem Riesenreich weist die Kremlführung freilich zurück. Offiziell heißt es bei Gazprom, South Stream stille wie die bisher nicht ausgelastete Ostseepipeline Nord Stream den wachsenden Energiehunger in der EU.

Das Nachsehen haben nun vorerst diejenigen in der EU, die Russlands immer stärkere Marktmacht etwa mit der Nabucco-Pipeline vom Kaspischen Meer umgehen wollten. Aus Sicht von Experten festigt Russland seine Dominanz und verhindert, dass Gas aus Zentralasien nach Europa fließt.

2015 soll das erste Gas durch South Stream strömen. Bis 2019 sollen die insgesamt vier Leitungsstränge verlegt sein mit einer Gesamtkapazität von 63 Milliarden Kubikmetern Gas im Jahr. Das entspricht dem Bedarf von 38 Millionen Haushalten und etwa zehn Prozent des für 2020 anvisierten Verbrauchs in der EU.

"Das Projekt ist mit Blick auf die vielen beteiligten Länder tatsächlich einmalig im internationalen Maßstab", sagt South-Stream-Sprecher Sebastian Sass. Verglichen mit der zuletzt als Sensation gefeierten Ostseepipeline – die offiziell Nord Stream heißt – sei auch South Stream außergewöhnlich.

Rohre sollen ab 2014 ins Meer gelegt werden

Bis zu 2250 Meter tief würden die Rohre auf dem Meeresgrund verlegt, das sei etwa zehnmal mehr als in der Ostsee. Die heiße Phase, wenn die Rohre verschweißt und unter starkem Druck von Wassermassen im Meer verlegt werden, beginnt 2014.

Die 925 Kilometer aus Stahl führen durch russische, türkische und bulgarische Hoheitsgewässer im Schwarzen Meer. Damit will Russland sich auch weiter von seinem bislang wichtigsten, aber unberechenbaren Transitland Ukraine für den Gasverkauf in der EU lösen.

Ost- und Mitteleuropa sollen ihre Energie trotz aller Ängste vor zu großer Abhängigkeit von den Russen nun direkt von deren größten Gasvorkommen der Welt beziehen. Die Direktorin der Internationalen Energie Agentur (IEA), Maria van der Hoeven, betonte beim Festakt an der Küste, dass auch norwegisches und algerisches Gas weiter für eine Konkurrenzsituation auf dem EU-Markt sorgt. "Es geht nicht darum, dem einen den Vorzug vor dem anderen zu geben", sagt sie.

Der globale Gasmarkt entwickelt sich für Europa günstig

Russland sei ein verlässlicher Partner für die EU, meint die Gasexpertin. Es gebe für alle die gleichen Regeln im europäischen Gasgeschäft. "Die Unternehmen müssen flexibel sein bei Preisen und Zugang", betont van der Hoeven bei milden Temperaturen in Anapa.

Die Russen sehen sich aber immer wieder in der Kritik. Die EU-Kommission untersucht in einem Kartellverfahren zum Ärger von Putin und Gazprom aktuell Vorwürfe wegen Preistreiberei und unfairen Geschäftspraktiken.

Zwar verlangen die Russen einen Sonderstatus für South Stream als Transeuropäisches Netzwerk (TEN). So will Gazprom die Antimonopolrichtlinien der EU umgehen. Experten sehen Europa hier aber in einer guten Lage, sich dem Druck der Russen nicht zu beugen: Zum einen, weil der Gasverbrauch gegenwärtig eher sinkt; zum anderen, weil das Angebot groß ist.

Quelle: dpa
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  • Aufkommen

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    Nachdem das Gestein durch die Hilfsstoffe aufgebrochen wurde, wird das Gemisch zwar zurückgepumpt. Dies gelingt jedoch nicht komplett, ein Teil verbleibt in der Lagerstätte. Dadurch ergeben sich nach Aussagen des Umweltbundesamtes Risiken, insbesondere für Grund- und Trinkwasser. Zusätzliche Gefahren ergeben sich durch die Entsorgung der Stoffe. Und schließlich führt das Verfeuern des Öls oder Gases letztlich zu einer Erhöhung des CO2-Ausstoßes und damit möglicherweise zu einer Beschleunigung des Klimawandels.

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