07.12.12

"Final times"

"Endlich schwarz" – die letzte Ausgabe der "FTD"

Seit 2000 hat die "FTD" die Wirtschaftsberichterstattung mitgestaltet – und nur Verluste angehäuft. In der letzten Ausgabe schreibt ihr erster Chefredakteur: Guter Journalismus ist kein Erfolgsgarant.

Foto: dpa

Die letzte Ausgabe der Financial Times Deutschland (FTD)
Die letzte Ausgabe der Financial Times Deutschland (FTD)

In Hamburg ist am Freitag die letzte Ausgabe der "Financial Times Deutschland" erschienen. Die Titelseite der Freitagsausgabe ist schwarz, darauf stehen in lachsrosa die Buchstaben "Endlich schwarz".

Im Schriftzug des Zeitungstitels fehlen die Buchstaben "NA" und "CI" und machen so die letzte FTD zur "Final Times". Die Belegschaft der Wirtschaftsmedien von Gruner + Jahr (G+J) hat für den Nachmittag Demonstrationen vor dem Verlagshaus angekündigt.

Der Verlag G+J hatte am 23. November mitgeteilt, dass die "FTD" am 7. Dezember zum letzten Mal erscheinen werde. Die Zeitung habe seit ihrer Gründung im Jahr 2000 Verluste geschrieben, hieß es. Die Rede ist von 250 Millionen Euro, die sich in den 13 Jahren angehäuft haben.

Nur "Capital" bleibt erhalten

Auch die Wirtschaftszeitschriften "Börse Online" und "Impulse" sollen eingestellt werden. Nach Medienberichten wird für diese beiden Magazine darüber verhandelt, ob die Chefredakteure sie übernehmen (Management Buy-out). Nur das Wirtschaftsmagazin "Capital" soll erhalten bleiben.

G+J hatte die Wirtschaftsmedien vor knapp vier Jahren neu geordnet und in Hamburg in einer eigenen Gesellschaft zusammengefasst. Insgesamt sind durch die Einstellung 364 Arbeitsplätze gefährdet.

Im Editorial der letzten Ausgabe schreiben die drei Chefredakteure Steffen Klusmann, Stefan Weigel und Sven Clausen: "Selbst einige unserer ärgsten Kritiker sind traurig, dass es uns nicht mehr gibt."

"Entschuldigung, dass wir Millionen verbrannt haben"

Andrew Gowers, Initiator und erster Chefredakteur der "FTD", schreibt, die wichtigste Lektion, die er aus der Geschichte der Zeitung gelernt habe, sei, dass guter Journalismus in den sich schnell verändernden Medienmärkten zwar wichtig sei, aber kein Garant für den Erfolg. Wichtiger sei es, eine passende kommerzielle Strategie zu entwickeln, um den Übergang von den analogen zu den digitalen Medien zu bewältigen.

Im Internet veröffentlichte die "FTD" ein Foto der gesamten Reaktion, die sich vor den Lesern und Gesellschaftern verbeugt. Darunter steht in der Unterzeile: "Entschuldigung liebe Gesellschafter, dass wir so viele Millionen verbrannt haben. Entschuldigung, liebe Anzeigenkunden, dass wir so kritisch über Eure Unternehmen berichtet haben. Entschuldigung, liebe Pressesprecher, dass wir so oft Euren Formulierungsvorschlägen nicht gefolgt sind. Entschuldigung, liebe Politiker, dass wir Euch so wenig geglaubt haben."

Die "FTD" wurde im Jahr 2000 gemeinsam von Gruner + Jahr und dem britischen Pearson Konzern, der die "Financial Times" herausgibt, gegründet. Seit 2008 ist G+J Alleineigentümer der Wirtschaftszeitung. Die von Montag bis Freitag erscheinende Zeitung verkaufte zuletzt täglich 102.000 Exemplare.

Quelle: epd/cat
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