07.12.12

Produktionsrückgang

Deutsche Firmen so schwach wie im Krisenjahr 2009

Die Industrieproduktion in Deutschland ist im Oktober so stark gesunken wie in der Finanzkrise 2009. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft erstmals seit einem Jahr schrumpft.

Quelle: Reuters
29.11.12 2:06 min.
Die Konjunkturflaute wirkt sich negativ auf den deutschen Arbeitsmarkt aus. Wie die Bundesagentur für Arbeit bestätigte, gibt es im Vergleich zum November 2012 in diesem Jahr 38.000 Arbeitslose mehr.

Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Oktober so stark gedrosselt wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr. Sie stellten 2,6 Prozent weniger her als im Vormonat, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit.

Das war nicht nur der dritte Rückgang in Folge, sondern zugleich der größte seit April 2009. Damals hatte die weltweite Finanzkrise Einbrüche ausgelöst. Ökonomen hatten für Oktober nur mit einem Minus von 0,5 Prozent gerechnet.

"Das produzierende Gewerbe ist schwach ins Jahresschlussquartal gestartet", schrieb das Ministerium. Die Produktion in Industrie und Bauhauptgewerbe dürfte "vorerst verhalten bleiben".

Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal erstmals seit einem Jahr schrumpfen wird. "Für das Schlussquartal 2012 ist mit einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung zu rechnen", befürchtet die Bundesbank.

Auslandsaufträge ziehen wieder an

In den kommenden Monaten könnte der Abwärtstrend aber gestoppt werden. Denn die Auslandsaufträge der exportabhängigen Industrie stiegen im Oktober um 6,7 Prozent, wobei die Nachfrage aus der Euro-Zone um 3,5 und die aus dem Rest der Welt sogar um 8,5 Prozent zulegte. Die Bestellungen aus dem Inland erhöhten sich dagegen nur um 0,4 Prozent.

Ökonomen sehen die deutsche Wirtschaft deshalb aber trotzdem noch nicht über dem Berg. So geht die Commerzbank nach wie vor davon aus, dass das BIP im vierten Quartal schrumpfen wird – zum ersten Mal seit einem Jahr. "Allerdings machen die Zahlen Hoffnung, dass sich die Wirtschaft zu Jahresbeginn tatsächlich stabilisieren wird", sagte Commerzbank-Konjunkturexperte Ralph Solveen.

Ifo-Geschäftsklima deutlich aufgehellt

Damit wird auch in den Chefetagen der Unternehmen gerechnet: Das Ifo-Geschäftsklima hellte sich im November erstmals nach zuvor sechs Rückgängen in Folge wieder auf. Die 7000 befragten Manager schätzten vor allem die Aussichten für die kommenden sechs Monate besser ein, da sie in Übersee mit guten Geschäften rechnen.

Der Autobauer BMW etwa will sich 2013 von der tiefen Absatzkrise in Europa nicht bremsen lassen. Der Konzern werde weiter wachsen, sagte Vertriebschef Ian Robertson. In China und den USA – den beiden weltgrößten Automärkten – liefen die Geschäfte weiter gut.

Die Hersteller von Maschinen, Fahrzeugen und anderen Investitionsgütern meldeten mit 4,5 Prozent den größten Zuwachs. Die Bestellungen von Vorleistungsgütern wie Chemikalien erhöhten sich um 3,4 Prozent, die von Konsumgütern um 2,1 Prozent.

Quelle: Reuters/cat
Quelle: dapd
29.11.12 1:31 min.
Trotz Konjunkturschwäche trübte sich die Lage am deutschen Arbeitsmarkt kaum. Die Arbeitslosenzahl sank zwar, wie in einem November üblich, doch der Rückgang fiel so schwach wie zuletzt 2004 aus.
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OECD-BIP-Prognose
  • Euro-Zone

    2012: – 0,4 Prozent

    2013: – 0,1 Prozent

    2014: 1,3 Prozent

  • OECD insgesamt

    2012: 1,4 Prozent

    2013: 1,4 Prozent

    2014: 2,3 Prozent

  • USA

    2012: 2,2 Prozent

    2013: 2,0 Prozent

    2014: 2,8 Prozent

  • Japan

    2012: 1,6 Prozent

    2013: 0,7 Prozent

    2014: 0,8 Prozent

    Bruttoinlandsprodukt real, arbeitstäglich bereinigt, Quelle: dpa

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