06.12.12

Bonussystem

Verärgerte Kunden kosten Bahnmanager künftig Geld

Die Deutsche Bahn ändert das Bonussystem ihrer 4800 Spitzenmanager. Ab 2013 hängt die Höhe maßgeblich von der Zufriedenheit der Kunden und Mitarbeiter ab. Bei schlechten Noten gibt es Abzüge.

Foto: dpa

Reisende stehen auf dem Hauptbahnhof neben einem Fahrkartenautomaten: Die Deutsche Bahn erhöht ihre Fahrpreise zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember um durchschnittlich 2,8 Prozent
Reisende stehen auf dem Hauptbahnhof neben einem Fahrkartenautomaten: Die Deutsche Bahn erhöht ihre Fahrpreise zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember um durchschnittlich 2,8 Prozent

Ist die Bahn mal wieder zu spät, das Abteil brütend heiß, der Kaffee kalt und das Personal so richtig patzig? Für Fahrgäste ist all das ärgerlich, und auch für mehrere Tausend Manager der Deutschen Bahn (DB) bedeuten frustrierte Kunden in Zukunft Ärger und spürbare Einkommenseinbußen. Denn der DB-Konzern führt für die leitenden Mitarbeiter im Unternehmen ein neues Entlohnungssystem ein – wobei Leistung neu und damit umfangreicher definiert wird.

"Das bedeutet, dass ab nächstem Jahr neben Gewinnzielen auch die Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern sowie ökologische Ergebnisse einen zentralen Rolle bei den Gehaltszahlung leitender Mitarbeiter spielen", kündigte Logistikchef Karl-Friedrich Rausch an, der als Konzernvorstand auch für den Bereich Nachhaltigkeit zuständig ist.

Betroffen davon sind rund 4800 Spitzenmanager, darunter etwa 3000 leitende Angestellte und 1800 außertariflich bezahlte Spitzenkräfte, die weniger in der Lohntüte haben sollen, wenn Fahrgäste und Beschäftigte unzufrieden mit der Bahn sind.

Unmut kann teuer werden

Schon jetzt bekommen leitende Mitarbeiter der Bahn – wie in vielen Unternehmen – ein fixes Grundgehalt und eine variable Vergütung. Letztere orientierte sich bislang vor allem daran, ob der erwartete Gewinn nach Zinsen erreicht wurden. "Aber das als Maßstab allein reicht nicht mehr aus", sagt Rausch.

Die Faktoren, zufriedene Kunden und Mitarbeiter zu haben und darüber hinaus die selbst verordneten Umweltziele zu erreichen, seien für die Deutsche Bahn wichtiger geworden, um dauerhaften Erfolg zu haben, so Rausch. "Natürlich haben wir uns schon vorher um Fahrgäste und Beschäftigte gekümmert, aber nicht so systematisch wie wir das in Zukunft tun werden."

Es kann die DB-Manager also künftig teuer zu stehen kommen, wenn in und außerhalb des Unternehmens der Unmut wächst. Denn das Bonussystem sieht künftig wie folgt aus: Je höher das Gehalt eines Managers ist, desto größer ist auch der Anteil der variablen Vergütung.

Dieser macht 20 bis 50 Prozent des Gesamtgehalts aus und ist daran gekoppelt, dass die übergeordneten Vorgaben des Konzerns sowie die Ziele des jeweiligen Geschäftsfeldes eines Managers und die seines persönlichen Verantwortungsbereichs erreicht werden.

Auch oberes Management betroffen

Für die Bewertung, ob die Konzernvorgaben erreicht wurden, die ein Fünftel der Boni ausmachen, wird es dabei ganz entscheidend sein, dass Mitarbeiter und Kunden gute Noten verteilen. "Diese Faktoren kommen hinzu, an den Gewinnzielen als Bewertungspunkt halten wir weiter fest. Es wird also insgesamt anspruchsvoller", so Rausch.

Für die Mitglieder des Konzernvorstandes gelten ähnliche Bonusregeln bereits seit Anfang des Jahres. Neu ist nun, dass sich neben den Spitzenleuten nun auch das obere Management stärker an den Bedürfnisse der Beschäftigten und Kunden orientieren muss – jene Gruppe von Mitarbeitern also, die entscheidend dazu beiträgt, dass die Ziele der Bahnführung um Konzernchef Rüdiger Grube auch wirklich umgesetzt werden.

Ökologische Faktoren werden wichtiger

Darüber hinaus rücken stärker ökologische Faktoren in den Mittelpunkt als früher. Mitentscheidend für die Höhe der Boni wird auch sein, dass die die Bahn die Planzahlen bei der Verringerung des CO2-Ausstoßes oder den Lärmschutzmaßnahmen erreicht.

Das Vergütungssystem ist Teil der Strategie der Bahn, einer der attraktivsten Arbeitgeber im Land, Umwelt-Vorreiter und profitabelster Marktführer im Personen- und Güterverkehr auf der Schienen zu werden – wobei letzter Punkt ohne zufriedene Kunden kaum zu erreichen ist.

Wie Mitarbeiter und Kunden über das Unternehmen denken, wird bereits in regelmäßigen Abständen ermittelt. Derzeit läuft eine große Mitarbeiterbefragung, erstmals im gesamten DB-Konzern auch in den asiatischen oder amerikanischen Abteilungen. Diese bislang größte Umfrage, an der praktisch die gesamte Belegschaft von rund 300.000 Mitarbeitern beteiligt ist, soll künftig die Basis für alle weiteren Messungen sein.

"Höhere Akzeptanz in der Gesellschaft"

Die bereits bestehenden Kundenbefragungen sollen wie bisher Auskunft über die Stimmung der Fahrgäste geben. Niemand im Unternehmen können dabei ein Interesse daran haben, dass dabei ein falsches, am Ende zu positives Bild entstehe, so Rausch: "Glauben Sie mir: Kundenbefragungen durchführen, das können wir."

Laut Konzernvorstand Rausch geht es dabei um "mehr Nachhaltigkeit" und um "höhere Akzeptanz in der Gesellschaft". Aber vielleicht hat man im Bahnvorstand auch einfach begriffen, dass noch viel zu tun ist, um mehr wirklich zufriedenen Fahrgäste zu bekommen.

Karl-Friedrich Rausch arbeitet bereits wie die anderen Konzernvorstände nach diesen neuen Regeln, und er ist nach eigenen Angaben "sehr optimistisch", dass seine Boni am Jahresende die erwartete volle Höhe haben.

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