06.12.2012, 13:26

Luftfahrt Germanwings umgarnt jetzt die Business-Kunden


Eine Stewardess (v.l.) Thomas Winkelmann, Sprecher der Germanwings-Geschäftsführung, Christoph Franz, Lufthansa-Chef und Carsten Spohr, Lufthansa-Vorstandsmitglied präsentieren die „neue Germanwings“

Foto: Hermann J. Knippertz / dapd

Eine Stewardess (v.l.) Thomas Winkelmann, Sprecher der Germanwings-Geschäftsführung, Christoph Franz, Lufthansa-Chef und Carsten Spohr, Lufthansa-Vorstandsmitglied präsentieren die „neue Germanwings“ Foto: Hermann J. Knippertz / dapd

Die Lufthansa versucht bei ihrer Tochtergesellschaft Germanwings den Spagat zwischen Billigflieger und Businessprogramm. Ab Juli 2013 gibt es in den 90 Flugzeugen drei Tarife und Extras gegen Geld.

Die Lufthansa baut ihr Europageschäft radikal um bietet künftig auf ihren dezentralen Strecken in Deutschland und Europa drei Buchungsklassen an. Ab Juli 2013 können Kunden in den dann rund 90 Flugzeugen der Billigtochter Germanwings zwischen drei verschiedenen Tarifen wählen: Best, Smart und Basic. Das neue Angebot zielt vor allem auf Geschäftsreisende.

Viele Manager und Selbstständige hatten sehr skeptisch auf die Ankündigung der Lufthansa regiert, den seit langem defizitären Europaverkehr künftig von der Billigtochter Germanwings fliegen zu lassen.

Wer ein Best-Ticket bei Germanwings kauft, bekommt dafür einen Platz in den ersten drei Reihen, der Mittelsitz bleibt frei wie bisher. Der Passagier wird kostenlos verpflegt, kann bevorzugt einchecken, zweimal 23 Kilogramm aufgeben und die Lounges nutzen.

Billigtarif Basic

Wer dagegen billig fliegen will, also den Basic-Tarif wählt, zahlt mindestens 33 Euro für einen Weg, reist nur mit Handgepäck und muss seinen Kaffee selber zahlen. Smart-Kunden können in den ersten zehn Reihen Platz nehmen, eine Koffer mit maximal 23 Kilogramm aufgeben und bekommen einen kostenlosen Snack.

Die Lufthansa ist damit die erste Netz-Airline, die solch ein Misch-Konzept anbietet und es mit dem Slogan "Fliegen à la carte" vermarkten will. "Damit wird es uns gelingen, abseits unserer großen Drehkreuze wieder profitabel zu fliegen", sagte Lufthansa-Chef Christoph Franz. Germanwings fliegt derzeit mit erheblich niedrigeren Personalkosten als Lufthansa.

Ob dies allerdings lange so bleibt, ist fraglich. Denn ein Grund für die Übertragung der dezentralen Strecken auf Germanwings waren die harten Tarifauseinandersetrzungen mit den Kabinenmitarbeitern, die in der Schlichtung höhere Gehälter durchgesetzt haben.

UFO will auch bei Germanwings hart verhandeln

Der Chef der Kabinengewerkschaft UFO, Nicoley Baublies, kündigte für kommenden Januar eine harte Tarifrunde bei der Tochter Germanwings an. Das bislang sehr kostengünstige Unternehmen soll nach den Lufthansa-Sparplänen die bislang defizitären Direktverkehre abseits der Drehkreuze München und Frankfurt komplett übernehmen.

Dafür werden 30 Lufthansa-Jets an die Tochter abgegeben, während das Personal bei der Muttergesellschaft bleiben kann. Falls Germanwings bis zum Sommer nicht genug Personal hat, um die größere Flotte zu betreiben, will Lufthansa Personal an Germanwings ausleihen. Rechtlich gezwungen werden, zur schlechter zahlenden Germanwings zu wechseln, kein aber kann Lufthansa-Mitarbeiter.

"Das nahe Heranrücken an die Lufthansa hat bei den Kollegen Begehrlichkeiten geweckt", sagte . Er rechne daher im Januar mit harten Verhandlungen. Lufthansa hatte bei der Auslagerung an die Tochter stets mit bis zu 40 Prozent niedrigeren Kosten argumentiert, die wesentlich auf den niedrigeren Gehältern der Flugbegleiter begründet sind.

Unklar ist laut Baublies bislang die Zahl der Beschäftigten, die künftig von der Lufthansa an die Tochter ausgeliehen werden, aber ihre alten Bezüge behalten. Allein diese Regelung werde die Germanwings viel Geld kosten.

(eag./dpa)
Mi, 31.10.2012, 17.31 Uhr

Die Lufthansa hat mit unerwartet guten Drittquartalszahlen überrascht. Der unerwartet hohe Gewinn kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im Kerngeschäft der Fluggesellschaft weiter hakt.

Video: dapd
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