06.12.12

Demografischer Wandel

Kosten der Pflege könnten sich künftig verdoppeln

Weite Wege zu Ärzten, Groß-Krankenhäuser, Wegfall kostenloser Leistungen: Laut einer Studie wird sich das Gesundheitssystem radikal ändern – wegen hoher Pflegekosten.

Von Stefan von Borstel
Foto: DAPD
Immer mehr Menschen arbeiten in der Pflege
Pflege im Alter: Der Bedarf wird laut Studie enorm wachsen

Das deutsche Gesundheitssystem ist nach Ansicht des Gesundheitsökonomen Fritz Beske nicht auf den demografischen Wandel und eine älter werdende Bevölkerung vorbereitet.

Bereits ab 2020 würden die Anforderungen an die Gesundheitsversorgung steigen, bevor sie 2040 ihren Höhepunkt erreichten, erklärte Beske bei der Vorstellung einer neuen Studie des nach ihm benannten Instituts für Gesundheits-System-Forschung.

Für die "Versorgungsprognose 2060" hat das Institut auf Basis von Bevölkerungshochrechnungen und aktueller Daten der Gesundheitsversorgung eine Vorhersage erstellt, die laut Beske "alarmiert".

Trotz einer bis 2060 um 17 Millionen auf 65 Millionen sinkenden Bevölkerungszahl werden demnach die Leistungsanforderungen in der Krankenhausversorgung, ambulanten Versorgung und Arzneimittelversorgung zunehmen. Es seien "immer mehr komplexe, anspruchsvolle, personalintensive und daher teure Leistungen erforderlich", wie zum Beispiel in der Intensivmedizin oder in der Schlaganfallbehandlung.

Einzig die Leistungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene werden laut der Studie in den kommenden Jahrzehnten wegen des Bevölkerungsschwundes sinken.

Kleine Krankenhäuser haben keine Zukunft mehr

Beske sagte voraus, dass Krankenhäuser mit weniger als 200 Betten keine Zukunft hätten. Der Trend gehe zu größeren Einheiten, in denen "multimorbide", an mehreren Krankheiten zugleich leidende Patienten behandelt werden könnten.

Die Patienten müssten sich auf längere Wege einstellen. Auch der umfangreiche, "weltweit einzigartige" Leistungskatalog der deutschen Krankenversicherung werde so nicht bestehen bleiben können. "Das Wort Kur gibt es in anderen Sprachen gar nicht", sagte Beske.

Den größten Handlungsbedarf sieht die Studie in der Versorgung Pflegebedürftiger. Schon heute fehlen Pflegekräfte. Bis 2060 sind laut der Prognose 783.000 zusätzliche Pflegekräfte erforderlich. Weil besonders die Schwer- und Schwerstpflegebedürftigkeit zunehme, würden vor allem höher qualifizierte Pflegekräfte benötigt.

Bedarf wird sich verdoppeln

Weiterhin werde sich der Bedarf an Pflegeheimplätzen bis 2060 von derzeit 845.000 Plätze auf rund 1,95 Millionen mehr als verdoppeln. Die Ausgaben der Pflegeversicherung werden demnach zwischen 2009 und 2060 allein aufgrund der Bevölkerungsentwicklung von 19,7 auf 41,6 Milliarden Euro steigen.

"Das, was auf uns zukommt, ist weder finanzierbar, noch mit Fachkräften abzudecken", warnte der 89-jährige Gesundheitsökonom. "Unser Gesundheits- und Sozialwesen ist auf den Sturm des demografischen Wandels noch nicht vorbereitet", mahnte Beske.

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