05.12.12

Stahlkonzern

ThyssenKrupp trennt sich von drei Vorständen

Angesichts hoher Verluste in Amerika und mehreren Korruptionsskandalen und Kartellfällen setzt der Stahlkonzern ThyssenKrupp drei Vorstandsmitglieder noch zum Jahresende vor die Tür.

Von Carsten Dierig
Foto: dpa

Die Firmenzentrale des Stahlkonzern ThyssenKrupp in Essen
Die Firmenzentrale des Stahlkonzern ThyssenKrupp in Essen

Der Industriekonzern ThyssenKrupp setzt drei Vorstände vor die Tür. Olaf Berlien, Edwin Eichler und Jürgen Claassen sollen das Unternehmen zum Jahresende verlassen. Diese Empfehlung gibt der Personalausschuss des Aufsichtsrats nach enger Abstimmung mit Konzernchef Heinrich Hiesinger.

Schon in der anstehenden Aufsichtsratssitzung am 10.Dezember soll die Trennung beschlossen werden. "Mit dieser Empfehlung an den Aufsichtsrat trägt der Personalausschuss der Gesamtverantwortung des Vorstands für die Führung der Geschäfte und die Führungskultur des Unternehmens Rechnung", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens, die am Abend veröffentlicht wurde.

ThyssenKrupp steht schon seit Wochen in den Schlagzeilen. Die Liste der Probleme und Skandale reicht dabei von umstrittenen Luxusreisen für Journalisten über die Beteiligung an einem Schienenkartell und Bestechungsvorwürfen bei einer Bautechnik-Tochter bis hin zu Milliardenverlusten beim Bau von zwei Stahlwerken in Brasilien und den USA.

Führungskultur wird infrage gestellt

"In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der bisherigen Führungskultur im Konzern", heißt es in der Erklärung von ThyssenKrupp. Im Zusammenhang mit den Stahlwerken in Amerika wird zudem auf eine Effizienzprüfung hingewiesen. Sie habe ergeben, dass sich eine Reihe der vom damaligen Vorstand zugrunde gelegten Annahmen und Kennzahlen als deutlich zu optimistisch oder im Nachhinein als falsch erwiesen haben.

Die hohen Verluste durch Steel Americas behindern den von Vorstandschef Heinrich Hiesinger angestoßenen Umbauprozess bei ThyssenKrupp. Der frühere Siemens-Manager will den Dax-Konzern vom Stahlhersteller zu einem diversifizierten Industriekonzern umbauen.

Mit Berlin und Eichler werden die beiden letzten verbliebenen Vorstände gefeuert, die an den Entscheidungen pro Steel Amerikas mitgearbeitet hatten. Der damalige Konzernchef Ekkehard Schulz ist bereits pensioniert, Ralph Labonte verlässt das Unternehmen ohnehin in Kürze und auch im Finanzressort gab es bereits einen Wechsel.

Der Fall Claassen dagegen ist anders gelagert. Der 54-Jährige hatte vor wenigen Tagen selbst um seine Freistellung gebeten, nachdem die Staatsanwaltschaft Essen auf Bitten des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue aufgenommen hat. Claassen, im Vorstand unter anderem zuständig für Compliance, also die Einhaltung von Rechtregeln, hatte die Luxusreisen für Journalisten organisiert.

Widerstand von Seiten der ausgebooteten Vorstände droht offenbar nicht. "Die Vorstandsmitglieder Berlien, Claassen und Eichler sind mit einer einvernehmlichen Aufhebung ihrer Bestellung einverstanden und unterstützen damit die notwendigen Veränderungen des Führungssystems und der Führungskultur im Konzern", heißt es vom Unternehmen weiter. Über mögliche Nachfolger hat der Dax-Konzern bislang noch nichts mitgeteilt.

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