05.12.12

Nasa-Sonden

Unterirdische Magma-Kanäle im Mond entdeckt

5300 Kilometer lang und schnurgerade: Die "Grail"-Zwillingssonden der Nasa haben unterirdische Magma-Kanäle auf dem Mond enthüllt. Zudem ist die Mondkruste weniger massiv als bislang angenommen.

Foto: dpa/DPA

Die Computergrafik der Nasa zeigt die Zwillingssonden „Grail“: Die beiden waschmaschinengroßen Satelliten sollen das Schwerefeld des Mondes hundert- bis tausendmal genauer bestimmen als es bisher möglich war
Die Computergrafik der Nasa zeigt die Zwillingssonden "Grail": Die beiden waschmaschinengroßen Satelliten sollen das Schwerefeld des Mondes hundert- bis tausendmal genauer bestimmen als es bisher möglich war

Die Mondkruste ist bis zu 43 Kilometer dick und von tiefen unsichtbaren Magma-Kanälen durchzogen. Das zeigen Beobachtungen der Mondmission "Grail" der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Die insgesamt mindestens 5300 Kilometer langen erstarrten Einschlüsse seien vermutlich entstanden, als der junge Mond sich ausgedehnt habe, schreiben Forscher um Jeffrey Andrews-Hanna von Colorados Hochschule für Bergbau in Golden (USA) im Fachblatt "Science".

Hinweis lieferte größere Schwerkraft

Die unterirdischen Kanäle machten sich in den Messdaten durch ihre größere Schwerkraft bemerkbar. "Grail" vermisst seit vergangenem Jahr detailliert die Gravitation des Erdtrabanten.

Die mindestens 22 schnurgeraden Kanäle voll erstarrter Magma haben eine größere Dichte als der umliegende Mondboden und sorgen damit für eine lokal höhere Schwerkraft.

Magma-Einschlüsse über vier Milliarden Jahre alt

Vermutlich seien die Einschlüsse über vier Milliarden Jahre alt und erlaubten erstmals einen Blick in diese frühe Phase der Mondentwicklung, erläutern die Forscher.

Die kilometertiefen Formationen seien der erste Beleg für die Theorie, dass der Radius des jungen Mondes sich zunächst um 0,6 bis 4,9 Kilometer thermisch ausgedehnt habe, bevor er sich später moderat zusammenzog.

Kosmische Einschläge verdecken die Spuren

Die Spuren der Entwicklung des jungen Mondes wurden von ungezählten kosmischen Einschlägen von der Oberfläche gewischt, daher war diese Phase bislang der Beobachtung nicht zugänglich.

Die Mondkruste selbst ist deutlich weniger massiv als gedacht, wie die "Grail"-Daten ebenfalls zeigen. Die obere Mondkruste wiegt demnach rund 2,5 Tonnen pro Kubikmeter, das sind 300 bis 400 Kilogramm weniger als angenommen.

Mondkruste vermutlich poröser als gedacht

Vermutlich ist die Kruste des Erdtrabanten mit insgesamt zwölf Prozent poröser als gedacht, schreiben Forscher um Mark Wieczorek von der Pariser Sorbonne in derselben "Science"-Ausgabe. Den Messungen zufolge ist die Mondkruste 34 bis 43 Kilometer dick. Das entspricht in etwa der Dicke der kontinentalen Erdkruste.

"Grail" (Gravity Recovery and Interior Laboratory) besteht aus zwei Sonden, die seit 2012 den Mond umkreisen. Die Zwillingssonden messen Schwankungen im Abstand zwischen ihnen, die durch die leicht unterschiedliche Schwerkraft der überflogenen Mondregionen ausgelöst werden.

Auf diese Weise lassen sich unterschiedliche Oberflächenmerkmale wie zum Beispiele Krater oder Berge ebenso sichtbar machen wie Masse-Schwankungen unterhalb der Mondoberfläche.

Quelle: dpa/oc
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