04.12.12

Spanair-Gründer

Seine Gläubiger warten, er fährt Rolls-Royce

In Spanien galt er einst als der Vorzeigeunternehmer: Gerardo Díaz Ferrán. Dann ging sein Firmenimperium zu Grunde. Die Polizei ermittelt nun gegen ihn und findet Luxusautos, Bargeld und Goldbarren.

Von Ute Müller
Foto: REUTERS

Gerardo Díaz Ferrán gründete einst die Fluggesellschaft Spanair
Gerardo Díaz Ferrán gründete einst die Fluggesellschaft Spanair

Als er noch Spaniens Arbeitgeberpräsident war, konnte es Gerardo Díaz Ferrán nicht lassen, seinen Landsleuten gute Ratschläge zu erteilen. Die Spanier müssten bereit sein, mehr zu arbeiten und weniger zu kassieren, verkündete er zu Beginn der Krise 2007.

Damals war er gerade ins Amt gewählt worden. Doch wie die Staatsanwaltschaft bei einer Durchsuchung seines luxuriösen Anwesens in der Madrider Calle Juan de Belmonte feststellte, galten diese moralischen Prinzipien für alle anderen, für ihn jedoch nicht.

Offenbar Strohmann eingesetzt

Der 70-jährige Spanier steht unter dringendem Verdacht, mindestens 50 Millionen Euro veruntreut und über Scheinfirmen in Steuerparadiese geschafft zu haben. 2011 war sein Reisekonzern Viajes Marsans zusammengebrochen.

Doch anstatt die Gläubiger aus der Konkursmasse zu zahlen, benutzte Díaz Ferrán einen Strohmann, um das nicht unbeträchtliche Restvermögen für sich selbst auf die Seite zu schaffen. Wie sich herausstellte, hat er die letzten Jahre sehr gut davon gelebt.

So staunte die Polizei nicht schlecht, als sie in Ferrans Haus 150.000 Euro in bar, einen Goldbarren im Wert von 60.000 Euro und eine ganze Reihe von Luxuskarossen, darunter einen Rolls-Royce Phantom fand. Weitere 1,4 Millionen Euro wurden bei einem Geschäftspartner und dessen Sekretärin entdeckt. Bei Ferran gab es noch eine gruselige Sammlung sezierter und ausgestopfter Tiere, mit denen der Hobbyjäger sein Heim dekorierte. Die Polizei hat ihn am Montag festgenommen.

Prototyp des erfolgreichen spanischen Unternehmers

Díaz Ferrán galt jahrelang als Prototyp des erfolgreichen spanischen Unternehmers. In den sechziger Jahren gründete er zusammen mit seinem Geschäftsfreund Gonzalo Pascual ein Reiseunternehmen namens Trapsa und beförderte spanische Gastarbeiter in Charterbussen nach Deutschland. Bald erhielt er vom spanischen Staat weitere Lizenzen für Busse und Flugzeuge, als Gegenleistung musste er das seinerzeit überschuldete Reiseunternehmen Marsans sanieren.

Er erfand sein eigenes Geschäftsmodell, basierend auf persönlichen Gefälligkeiten und Bestechungen von Amtsträgern, und erhielt im Gegenzug lukrative öffentliche Aufträge, wie die Tageszeitung "El Mundo" enthüllte. "Amigo-Kapitalismus", heißt das hierzulande und Díaz Ferran hat bestens davon gelebt, viele tun es bis heute. 1986 startet er seine eigene Fluglinie, Spanair.

Zehn Jahre später dehnte er mit "Air Comet" das Fluggeschäft nach Lateinamerika aus und vom spanischen Staat erhielt er einst zum Schnäppchenpreis die Mehrheit an der früheren argentinischen Airline Aerolíneas Argentinas.

Zehntausende Passagiere strandeten vor drei Jahren

Der Anfang vom Ende zeichnete sich bereits 2009 ab. Auf Antrag der deutschen Nordbank, bei der er mit 17 Millionen Euro in der Kreide stand, wurden mehrere Flugzeuge der Air Comet-Flotte in London beschlagnahmt, bald darauf blieben auch die Flieger in Madrid stehen, Zehntausende strandeten vor drei Jahren mitten in der Weihnachtszeit.

Auch Spanair gibt es längst nicht mehr, noch immer warten die Beschäftigten auf ihre Abfindungen. Doch bislang wurde Díaz Ferran nie zur Rechenschaft gezogen. Sogar seine Yacht mit 27 Metern Kiellänge (geschätzter Wert: fünf Millionen Euro) und zwei teuere Appartements im Hotel Plaza in New York konnte er auf wunderbare Weise aus der Konkursmasse in sein Leben als Privatier hinüber retten.

Der Aufstieg und Fall von Díaz Ferran stehen symptomatisch dafür, wie wenig Vorschriften und Regeln in Spanien gelten" moniert "El Mundo". Im Ausland fragt man sich, wie es eine Person wie Ferran gar zum Arbeitgeberpräsidenten bringen konnte. Die Spanier wundert da gar nichts, sie selbst haben längst den Glauben an ihre Unternehmer verloren.

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