03.12.12

Nach zwei Jahren

Murdoch stellt Tablet-Zeitung "The Daily" ein

Mit der Tablet-Zeitung "The Daily" wollte Medien-Mogul Rupert Murdoch in die digitale Zukunft marschieren. Doch 100.000 Abonnenten nach 22 Monaten reichten nicht aus, um das Projekt am Leben zu halten.

Foto: Getty Images

Stellt seine Tablett-Zeitung „The Daily“ ein: Medienmogul Rupert Murdoch
Stellt seine Tablett-Zeitung "The Daily" ein: Medienmogul Rupert Murdoch

Die digitale Tablet-Zeitung "The Daily" wird von Medien-Mogul Rupert Murdoch nach knapp zwei Jahren eingestellt. Es sei nicht gelungen, ausreichend Leser zu gewinnen, um sie auf Dauer zu betreiben, erklärte Murdoch am Montag zur Begründung. Die letzte Ausgabe erscheint am 15. Dezember.

Murdoch hatte die "Daily" im Februar 2011 als "Zeitung der Zukunft" vorgestellt, ein digitales Medium, das extra für Tablet-Computer produziert wurde.

Nach einer Ausgabe für das iPad von Apple brachte Murdochs News Corp. im Januar 2012 auch eine Version für Tablets mit dem Google-System Android auf den Markt. Allerdings erreichte die "Daily" nie die angepeilten Abonnentenzahlen und Werbeeinnahmen, mit denen sie ihre Kosten decken könnte.

Bereits eine Sparrunde

In einer Mail an seine Mitarbeiter sprach "Daily"-Chefredakteur Jesse Angelo im Juli 2013 von "über 100.000" zahlenden Abonnenten, die ihre Abos zu 98 Prozent erneuern. Einen Monat später gab es aber bereits eine Sparrunde, bei der 50 der zuvor 170 Arbeitsplätze wegfielen.

Von der Erfahrung mit "The Daily" sollen nun die anderen Titel des Verlags profitieren, hieß es. Ihr Herausgeber Greg Clayman soll künftig die weltweite Digital-Strategie beaufsichtigen und Chefredakteur Angelo wird Herausgeber der "New York Post".

Aufspaltung in getrennte Unternehmen

Voraussichtlich ab Sommer 2013 soll es zwei voneinander getrennte Unternehmen in Murdochs Imperium geben: Das Verlagsgeschäft mit Zeitungen wie "The Times" auf der einen Seite, die gewinnträchtigere Unterhaltungssparte rund um Hollywood-Studios und Fernsehsender wie dem deutschen Bezahlsender Sky auf der anderen. Das geht aus einem Schreiben Murdochs an seine Mitarbeiter hervor, das am Montag vorlag.

Das Verlagsgeschäft soll weiter unter dem Namen News Corp firmieren, die Unterhaltungssparte soll Fox Group heißen. Zudem stellt der Konzern die Digital-Zeitung "The Daily" zum 15. Dezember ein. Die Tageszeitung erscheint auf rein elektronischem Weg über das iPad von Apple. Sie war damit die erste Zeitung, die speziell für das iPad entwickelt wurde und ausschließlich über Tablet-Computer in Umlauf kommt.

Für Murdoch ist die Aufspaltung des Konzerns eine strategische Kehrtwende: Der 81-Jährige hatte sein Geschäft einst mit Zeitungen begonnen. Nun gab er dem Drängen der Anlegern auf einer Neuorientierung nach. Der Druck, sich von dem Verlagsgeschäft zu trennen, war zuletzt durch den Abhörskandal bei dem inzwischen eingestellten britischen Boulevardblatt "News of the World" gewachsen.

Murdoch sitzt Verwaltungsräten vor

Murdoch hält die Fäden aber auch in Zukunft weitgehend selbst in der Hand: Er wird den Verwaltungsräten beider Firmen vorsitzen. Auch will er den Chefposten bei der Entertainment-Firma übernehmen. Die Verlagsgeschäfte sollen künftig von Robert Thomson, dem Geschäftsführer der Zeitung "Wall Street Journal", geleitet werden.

Schon seit längerem war einigen Großinvestoren das traditionelle Verlagsgeschäft ein Dorn im Auge, da es deutlich langsamer wächst und die Bilanz des Gesamtkonzerns mitunter auch durch Verluste belastet.

Ohnehin hat die Unterhaltungsindustrie den Verkauf von Zeitungen und Büchern im Murdoch-Imperium längst in den Schatten gestellt: Das Film- und Fernsehgeschäft brachte dem Konzern in dem Jahr bis Juni 2011 Einnahmen von mehr als 23 Milliarden Dollar, die Verlage nur knapp neun Milliarden.

Quelle: dpa/rtr/fp
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