03.12.12

Mineralöl

Verbraucherschützer alarmiert wegen belasteter Lebensmittel

Stiftung Warentest hatte Mineralöl-Rückstände in Schoko-Adventskalendern nachgewiesen. Das Problem ist laut Foodwatch weitaus massiver.

Foto: dpa

Mineralöl-Rückstände in Schoko-Adventskalender verunsichern Verbraucher. Jetzt kritisieren die Verbraucherschützer von Foodwatch: Belastungen wurden auch in anderen Lebensmitteln nachgewiesen
Mineralöl-Rückstände in Schoko-Adventskalender verunsichern Verbraucher. Jetzt kritisieren die Verbraucherschützer von Foodwatch: Belastungen wurden auch in anderen Lebensmitteln nachgewiesen

Einer Studie des Bundesverbraucherministeriums zufolge sind die Gesundheitsgefahren durch Lebensmittelverpackungen aus Altpapier weitaus größer als bisher bekannt. Darauf verweist die Verbraucherorganisation Foodwatch am Montag in Berlin.

Die Verbraucherschützer kritisierten zudem, Ministerin Ilse Aigner habe die Ergebnisse des von ihr selbst initiierten Forschungsprojekts über Schadstoffe in Recyclingkartons verschwiegen.

Rückstände von Mineralöl in Schokolade Adventskalender

Laut Foodwatch kommt dieStudie zu dem Ergebnis, dass Lebensmittel wie Reis, Gries, Backmischungen oder Frühstückscerealien mit hohen Mengen krebsverdächtigen Mineralölbestandteile belastet sind. Erst in der vergangenen Woche hatte die Stiftung Warentest aufMineralöl-Rückstände in der Schokolade von Adventskalender hingewiesen.

Laut Foodwatch zeigt die Studie, dass potenziell gefährliche Stoffe aus Recyclingpapier auf die Produkte übergehen können. Demnach identifizierten Forscher mehr als 250 Substanzen, die aus den Kartons in die Lebensmittel übergehen können, darunter krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Klebstoffe, Weichmacher und Photoinitiatoren.

Der 204 Seiten umfassende Abschlussbericht der Studie sei nur auf einer versteckten Internetseite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung publiziert, kritisiert Foodwatch.

Die Studie belege auch, dass der von der Bundesverbraucherministerin erwogene Grenzwert für Mineralöl in Verpackungen für den Gesundheitsschutz der Verbraucher nicht ausreiche.

Scharfe Kritik der Verbraucherschützer

"Die Ministerin doktert an einer Höchstgrenze für Mineralölbestandteile herum und hält gleichzeitig eine Studie unter Verschluss, die zu einem eindeutigen Ergebnis kommt: In der derzeitigen Form sind Recyclingkartons für Lebensmittel wegen einer Belastung mit einer dreistelligen Zahl von Substanzen schlicht ungeeignet", kritisierte der stellvertretende foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. "Die Lehre aus der Aigner-Studie lautet: Altpapier darf nur dann für Lebensmittelverpackungen verwendet werden, wenn die Produkte durch eine Trennschicht vor gesundheitsgefährdenden Substanzen aus der Verpackung geschützt werden. Das muss die Ministerin jetzt per Gesetz vorschreiben."

Zu diesem Fazit kommen laut Foodwatch auch die vom Bundesverbraucherministerium beauftragten Wissenschaftler. In der Zusammenfassung der Studie heiße es: "Die Ergebnisse des Projektes zeigen, dass die Konzentrationen bekannter Kontaminanten im Recyclingkarton kaum ausreichend gesenkt werden können. Die enorme Vielfalt potentiell migrierender Stoffe lässt zudem keine verlässliche Bestätigung der lebensmittelrechtlichen Konformität und Unbedenklichkeit zu. Die Einführung einer Barriereschicht für Verpackungen mit Recyclingkarton erscheint daher unverzichtbar."

Bei der Studie handele es sich um den auf den 30. Mai 2012 datierten Abschlussbericht eines mehr als zweijährigen Forschungsprojektes zum "Ausmaß der Migration unerwünschter Stoffe aus Verpackungsmaterialien aus Altpapier in Lebensmitteln", vorgelegt vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart, der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen des Freistaats Sachsen, der Technischen Universität Dresden sowie dem Kantonalen Labor Zürich.

Quelle: BMO
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