01.12.12

Geldanlage

Warum deutsche Aktien so stark sind

Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat die meisten anderen europäischen Märkte hinter sich gelassen. Auch mit auf Deutschland ausgerichteten Fonds können Anleger davon profitieren.

Foto: picture alliance / dpa

Mehrere Personen stehen vor einem Dax-Logo. Der deutsche Leitindex war einer der erfolgreichsten in Europa
Mehrere Personen stehen vor einem Dax-Logo. Der deutsche Leitindex war einer der erfolgreichsten in Europa

Eigentlich warnen Anlageexperten Sparer immer wieder davor, ihr Vermögen nur in einer Region – bevorzugt der eigenen – anzulegen. Doch dieser unter Experten "Home Bias" genannte Effekt hat in den vergangenen Jahren nicht geschadet.

Denn der hiesige Aktienmarkt hat die meisten anderen europäischen Börsen abgehängt. Auch in diesem Jahr liegt der Deutsche Aktienindex (Dax) nach einem fulminanten Jahresbeginn wieder mit gut 20 Prozent vorn. Der EuroStoxx 50 hat dagegen seit Jahresanfang nur um rund acht Prozent zugelegt.

"Deutsche Aktien sind zuletzt per se gut gelaufen", sagt Jan Richter vom Analysehaus Fondsconsult. Ein Grund dafür sei die exportlastige Industrie hierzulande, was gerade auch dem Dax geholfen habe.

Im Dax sind viele zyklische Aktien vertreten

Denn im 30 Werte umfassenden Auswahlindex sind im Vergleich zu anderen europäischen Indizes viele zyklische Aktien vertreten. Finanzwerte, die ja bekanntlich sehr unter der Finanzkrise gelitten haben, sind dagegen Mangelware.

"Heute ist Deutschland der unbestrittene wirtschaftliche Motor der Euro-Zone", sagt Stefan Rondorf, Kapitalmarktstratege bei Allianz Global Investors. Im Zuge dessen seien politischer Einfluss und Verantwortung gewachsen. "Durch jahrelange Zurückhaltung bei Lohnsteigerungen hat sich Deutschland eine starke Position verschafft, sowohl im Vergleich mit der Euro-Zone als auch global", sagt Rondorf.

Davon profitieren die hier ansässigen Firmen. "Innerhalb des Krisengebiets Euro-Zone wird die Bundesrepublik als Stabilitätsanker wahrgenommen. Dadurch fließt derzeit viel Anlagekapital aus den europäischen Krisenstaaten nach Deutschland", sagt Rondorf.

Billiges Zentralbankgeld treibt die Kurse zusätzlich an

"Das Gütesiegel ,Made in Germany' steht für Qualität und wird aufgrund der Tatsache, dass diese Qualität auch noch zu attraktiven Preisen angeboten werden kann, besonders nachgefragt", sagt auch Markus Zschaber von der V.M.Z. Vermögensverwaltung aus Köln. "Deutschland steht für hocheffiziente Produktion, hohe technologische Innovation und eine verstärkte Arbeitsteilung", so Zschaber.

Billiges Geld von den Zentralbanken und der Run auf lukrative Anlagen in Zeiten historisch niedriger Zinsen haben zusätzlich die Kurse der deutschen Aktienwerte angetrieben. Doch auch die Ausschüttungen der Konzerne hierzulande können sich sehen lassen: Nach Berechnungen der Fondsgesellschaft Union Investment liegt allein die durchschnittliche Dividendenrendite aller 30 Dax-Unternehmen fast durchweg deutlich oberhalb der Rendite für zehnjährige Bundesanleihen.

Vom starken Dax profitieren auch die Fonds

Von der Stärke des Dax haben auch viele Aktienfonds mit dem Fokus auf deutsche Werte profitiert. "Die meisten Fondsmanager legen den Schwerpunkt auf die Standardwerte und mischen kleinere Werte nur bei", sagt Richter. In den vorigen drei Jahren hat das bei fast allen gut funktioniert.

Doch nur die wenigsten Fondsmanager haben es auf Fünf-Jahres-Sicht geschafft, ihren Anlegern Gewinne zu bescheren. "In diesem Zeitraum spielen natürlich die kräftigen Kursverluste im Jahr 2008 eine große Rolle", sagt Fondsanalyst Richter. Der Dax hat seit November 2007 rund zehn Prozent verloren. Davon konnten sich nur die Fondsmanager abkoppeln, die entweder nicht voll investiert waren oder ihr Portfolio frühzeitig abgesichert hatten.

Deutsche Konzerne mit guter Kapitaldecke ausgestattet

"Deutsche Unternehmen sind generell gut aufgestellt und haben viel Cash auf der hohen Kante", so Analyst Richter. Selbst wenn es zu einem konjunkturellen Einbruch kommen würde, bedeute das nicht zwangsläufig, dass Siemens, VW und Co. schlechter laufen würden als die europäische Konkurrenz. "Allerdings haben andere Märkte wie Spanien oder Italien größeres Aufholpotenzial", sagt Richter.

Beachten sollten Anleger außerdem die hohe Volatilität, mit der viele der Fondsmanager mit Schwerpunkt Deutschland die hohen Erträge erkauft haben. Generell sind die Kursausschläge der deutschen Aktien höher als in anderen Märkten, was vor allem mit den vielen zyklischen Werten zu tun hat. Denn die Entwicklung des Dax hängt stark von der Weltkonjunktur ab. Nicht zuletzt wegen der Stärke der deutschen Exporteure, die in schlechten Zeiten zur Schwäche wird.

DWS hält Bewertung des Dax immer noch für attraktiv

Zu den Fondsmanagern, die auch auf lange Sicht überzeugen, gehört beispielsweise Tim Albrecht. Der Fondsmanager des DWS Deutschland ist optimistisch, dass es trotz des jüngsten Höhenfluges an den deutschen Börsen weiter aufwärtsgehen wird – auch wenn eine Konsolidierung auf kurze Sicht relativ wahrscheinlich sei.

"Die europäische Wirtschaft schwächt sich ab, und in den Schwellenländern stottert der Wachstumsmotor", gibt Albrecht zu bedenken. Andererseits sorgen die Notenbanken für enorme Liquidität und niedrige Zinsen. "Der daraus resultierende Anlagebedarf unterstützt die Nachfrage nach Aktien", sagt Albrecht. "Mit ihrem Sachwertcharakter und einer durchschnittlichen Dividendenrendite von rund 3,5 Prozent bieten deutsche Qualitätsaktien einen guten Inflationsschutz", sagt Albrecht.

Auch die Bewertung des Dax sei weiterhin attraktiv. So liege das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), eine Kennzahl, die den Preis der Aktie ins Verhältnis zum Unternehmenserfolg setzt, bei im historischen Mittel günstigen 10 bis 11. "Auch wenn es noch zu Gewinnwarnungen kommen wird, führt kein Weg an deutschen Aktien vorbei", sagt Albrecht. Sollte sich die Weltwirtschaft 2013 stabilisieren, ist es für den Fondsmanager nur noch eine Frage der Zeit, bis der Dax seine bisherige Rekordmarke bei 8151 Punkten knacken wird.

Hohe Risiken bei Bank- und Versicherungswerten

Auch Anlageexperte Markus Zschaber erwartet, dass der positive Trend vorerst anhält. "Wir haben stabile Häuserpreise, aber auch einen relativ niedrigen Verschuldungsgrad der Unternehmen und privaten Haushalte." Zudem seien Finanz- und Versicherungswerte noch lange nicht wieder auf der sicheren Seite, im Gegenteil: "Es befinden sich weiterhin hohe Risiken in nahezu allen Bankbilanzen", so Zschaber. Die Voraussetzungen für ein weiterhin besseres Abschneiden deutscher Anlagen sind somit aus seiner Sicht gegeben.

Welche Rolle dabei die Geduld spielen kann, zeigt ein einfaches Beispiel: Wer vor etwa 30 Jahren begann, 100 Euro monatlich in Aktienfonds mit dem Anlageschwerpunkt auf Deutschland anzulegen, hätte heute ein hübsches Sümmchen zusammen. Erhebungen des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) zufolge wuchs eine monatliche Einzahlung von 100 Euro in deutsche Aktienfonds und damit ein investiertes Kapital von insgesamt rund 36.000 Euro nach 30 Jahren auf durchschnittlich rund 106.000 Euro an.

International anlegende Aktienfonds hätten dagegen nur rund 84.000 Euro gebracht, Aktienportfolien mit einem Schwerpunkt auf Europa sogar nur knapp 75.000 Euro – im Durchschnitt wohlgemerkt.

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Drei Fonds im Fokus
  • DWS Deutschland

    Der DWS Deutschland zählt nicht nur zu den volumenstärksten Fonds (2,5 Milliarden Euro) seiner Klasse. Dank der erfolgreichen Auswahl von Fondsmanager Tim Albrecht hat er auch den Großteil der Konkurrenz auf Sicht von 3 und 5 Jahren hinter sich gelassen. Der mit 5-Morningstar-Sternen ausgezeichnete DWS Deutschland ist ein klassischer Stock-Picking-Fonds; die Titelauswahl erfolgt anhand fundamentaler Unternehmensdaten. Der Fondsmanager bevorzugt vor allem Aktien zyklischer Sektoren wie Konsumgüter, Grundstoffe und Industrie, die von der guten Konjunktur im Land profitierten. Die höchste Gewichtung im Fonds haben derzeit BASF, SAP und Bayer. Defensive Branchen wie Versorger oder Telekommunikation oder auch Banken hat Aalbrecht dagegen stark untergewichtet.

  • Concentra

    Als Basisinvestment bietet sich auch der Concentra von Allianz Global Investors an, der ebenfalls in den Performance-Ranglisten stets ganz vorne zu finden ist. Der Concentra wurde bereits im Jahr 1956 aufgelegt und zählt damit zu den ältesten in seiner Vergleichsgruppe. Das Fondsvolumen beträgt fast 2 Milliarden Euro. „Für Aktien spricht die Kombination aus einem anhaltend niedrigen Zinsumfeld bei gleichzeitig steigenden Inflationserwartungen, die Anleger zunehmend auf chancenreichere Anlageformen ausweichen lassen dürfte“, sagt Fondsmanager Matthias Born. Das Portfolio ist mit 44 Titeln sehr konzentriert. Born setzte zuletzt ebenfalls auf SAP, BASF und Bayer. Gleichwohl orientiert er sich nicht am DAX, sondern mischt auch kleinere Titel bei. DAX-Schwergewichte wie Daimler, Eon oder RWE meidet er sogar ganz.

  • Acatis Aktien Deutschland ELM

    Mit 56 Millionen Euro Fondsvolumen eher klein, aber nicht minder erfolgreich ist der 2002 aufgelegte Acatis Aktien Deutschland ELM. ELM steht dabei für hohe Ertragsstärke, hohe Liquidität und starkes Management. Fondsmanager Frank Lübberstedt ist ein reiner Stockpicker und orientiert sich somit nicht an eine Benchmark. Vorbild ist die Value-Strategie von Anleger-Legende Warren Buffett. Dank des geringen Fondsvolumens kann Lübberstedt auch kleine Werte kaufen, die für große Fonds kaum in Frage kommen. Gleichwohl sind auch viele Blue Chips im Portfolio vertreten, wie etwa Münchener Rück, SAP oder Deutsche Post. Zu den Top-Positionen gehören aktuell aber auch der Finanzdienstleister Grenkeleasing oder der Bauzulieferer InnoTec. Zu den bevorzugten Branchen zählen IT und Industrie

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