30.11.12

Wirtschaftsforscher

"Deutschland steht das Schlimmste noch bevor"

Zuletzt hatte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier noch erklärt, dass der Höhepunkt der Euro-Krise überwunden sei. Doch dem widersprechen deutsche Wirtschaftsexperten wie Peter Bofinger entschieden.

Foto: dpa

Laut Wirtschaftsforschern ist auch für Deutschland die Krise noch nicht vorbei
Laut Wirtschaftsforschern ist auch für Deutschland die Krise noch nicht vorbei

Deutsche Wirtschaftsforscher wollen in der Finanzkrise noch keine Entwarnung geben. Das Schlimmste sei noch nicht vorbei, sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und widersprach damit EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Barnier hatte am Donnerstag erklärt, der Höhepunkt der Krise in Europa sei überwunden.

"Die Rezession setzt sich in den südeuropäischen Problemländern fort, die Schuldenstände steigen, insofern würde ich nicht sagen, dass das Schlimmste vorbei ist", sagte Bofinger.

Auch der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, verwies auf die hartnäckige Rezession und die Kosten der Eurorettung. "Was die finanziellen Belastungen Deutschlands angeht, so steht das Schlimmste wohl noch bevor", sagte er dem Blatt.

Barnier leicht optimistisch

Barnier hatte erklärt, er sei "überzeugt, dass wir den Höhepunkt der Krise überwunden haben". Das heiße nicht, dass die Krise schon gelöst sei. "Wir sind erst am Anfang der zweiten Halbzeit", sagte er.

Der Leiter der Konjunkturabteilung am Kieler Institut für Weltwirtschaft, Joachim Scheide, kommentierte dies in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit den Worten: "Auch in der zweiten Halbzeit kann noch viel passieren, Spiele können sogar drehen."

Draghi dämpft Hoffnungen

Auch der Präsident der europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Euro-Krise gedämpft. Die Krise sei noch nicht überwunden, sagte Draghi am Freitag bei seinem Besuch in Paris dem Radiosender Europe-1.

Er rechne erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres mit einer Erholung. Die Herabstufung Frankreichs durch die Ratingagentur Moody"s vergangene Woche bezeichnete der EZB-Präsident, der am Mittag von Präsident François Hollande empfangen wurde, als Signal.

"Wir sind noch nicht aus der Krise raus", warnte Draghi. In den vergangenen Monaten habe sich die Lage an den Finanzmärkten allerdings beruhigt. "Dieser relative Frieden sollte uns den Weg weisen".

Der EZB-Präsident widersprach mit seiner Äußerung Hollande, der die Eurozone nach der Einigung auf ein neues Hilfspaket für Griechenland schon auf dem Weg aus der Finanzkrise sah.

Wettbewerbsfähigkeit verbessern

Den Verlust der Rating-Bestnote AAA für Frankreich bezeichnete Draghi als Signal, das die Politiker ernst nehmen müssten. Der Schlüssel für Frankreich liege in der Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit: "Die strengen Regeln müssen abgeschafft werden", forderte der EZB-Präsident.

Die Regierung hatte Steuererleichterung über 20 Milliarden Euro beschlossen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken. Nach seinem Gespräch mit Hollande am Mittag im Elysée-Palast äußerte sich Draghi nicht noch einmal.

Quelle: dapd/fp
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