30.11.12

Weihnachtsgebäck

Bahlsen stoppt Produktion von Weihnachtsgebäck

Viele Deutsche haben alle Jahre wieder ihre Kekse, Stollen und Weihnachtslebkuchen von Bahlsen gekauft. Bald ist damit Schluss.

Von Jan-Henrik Petermann
Foto: dpa

Weihnachtsleckereien aus dem Hause Bahlsen wird es in Deutschland ab 2013 nicht mehr geben
Weihnachtsleckereien aus dem Hause Bahlsen wird es in Deutschland ab 2013 nicht mehr geben

Abschied vom Adventsgeschäft: Deutsche Gabentische, Nikolausstiefel und Weihnachtsgedecke werden in den kommenden Wochen wohl zum letzten Mal mit Saison-Leckereien aus dem Hause Bahlsen bestückt. Die Hannoveraner geben 2013 die Herstellung speziellen Weihnachtsgebäcks in ihrem Heimatmarkt auf. Unter dem Kostendruck der Eigenmarken vieler Handelsketten ist ihnen das nicht mehr rentabel genug. Das Keks-Imperium von der Leine setzt darauf, dass die Kunden nun auch zum Fest zum ganzjährigen Standardangebot greifen – und im Ausland weiter Zimtsterne und Pfeffernüsse naschen.

Die gesamte Palette an Lebkuchen, Spekulatius, Christstollen und anderen Weihnachtsspezialitäten soll hierzulande bald aus den Regalen verschwinden. Dabei stehen die Niedersachsen zu der bereits im Sommer verkündeten Entscheidung: "Für das deutsche Bahlsen-Saisongeschäft wird in 2012 letztmalig produziert."

In Österreich weitet Bahlsen das Sortiment aus

Ganz anders in Österreich. Hier will Bahlsen noch mehr festliche Mischungen unters Volk bringen. Einen Preiswettbewerb deutscher Schärfe gebe es im Land der Kaffeehaus-Kultur bisher nicht; die Händler seien an einem "Saisongeschäft in seiner ganzen Bandbreite" interessiert. Der Strategiewechsel hänge aber auch grundsätzlich mit der derzeit relativ guten Gesamtnachfrage bei den Nachbarn zusammen.

"Der Markt für Weihnachtsgebäck in Deutschland ist seit Jahren leicht rückläufig. In Österreich entwickelt sich dieser Markt noch positiv", erklärt die Süßwarenfirma mit weltweit bekannten Marken wie Leibniz und einem Umsatz von 521 Millionen Euro im Jahr 2011. Für die Beschäftigten soll der Verzicht auf die Heimsparte keine größeren Folgen haben, obwohl andere Länder mit geringerer Weihnachtstradition als Ersatz ausfallen. Mögliche Lösung: die Stärkung des Kerngeschäfts mit Ganzjahres-Umsatzgaranten.

Auch anderen macht die Lage zu schaffen. "Der Markt der Saisonartikel ist hart umkämpft, es gibt eine Vielzahl von Anbietern, auch Spezialisten für bestimmte Produktgruppen", erklärt der Inhaber des Aachener Lebkuchen- und Printen-Herstellers Lambertz, Hermann Bühlbecker. Hinzu komme der Angriff der meist billigeren Handels-Eigenmarken. Das 1688 gegründete Unternehmen sieht sein deutsches Weihnachtssortiment aber im Plan. Die Verkäufe lägen über dem Vorjahresniveau. "Es wird ein gutes Weihnachtsgeschäft werden", sagt Bühlbecker, "völlig losgelöst von der Euro-Thematik."

Bisher hat die Konsumzurückhaltung in den Krisenländern nicht in größerem Umfang auf Deutschland übergegriffen. Und in Österreich und der Schweiz sei der Preiskampf mit den Handelsmarken nicht so extrem wie daheim, international ließen sich weitere Märkte für Lebkuchen aufbauen. Im Geschäftsjahr 2011/12 setzte Lambertz 560 Millionen Euro um, Bühlbecker sieht jede Menge Chancen – auch bei Bio-Keksen.

Vor allem die Rohstoffpreise machen den Herstellern zu schaffen

Doch die Rohstoffpreise bleiben für die Süßwarenbranche eine Last. So ging beim Kakao nach Angaben von Bahlsen zwar das Niveau der Jahre 2010 und 2011 von den Höchstwerten um 2400 britische Pfund pro Tonne auf 1500 bis 1600 Pfund zurück. Der "schwierige, sehr volatile Markt" habe jedoch weiter eine Tendenz nach oben, schränkt das Unternehmen ein. Auch beim besonders wichtigen Zucker gebe es keine Entspannung. Ein Grund für die Anstiege auf bis zu 800 Euro je Tonne sei der abgeschottete EU-Markt, kritisiert Bahlsen. Lambertz bestätigt dies, die Branche erlebe allgemein schwierige Zeiten.

Noch ist die Bundesrepublik in der EU mit mehr als einem Drittel der produzierten Schokowaren die Nummer eins. Wenn die Hersteller von Weihnachtsgebäck sich nach dem Fest ein frohes neues Jahr wünschen, schwingt diesmal aber auch eine Menge Zweckoptimismus mit. "Einige Häuser überlegen, sich neu aufzustellen", sagt Solveig Schneider vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Der Preisdruck in Deutschland sei einzigartig. Ein Trostpflaster: Auch mit normaler Ware könne man unterm Tannenbaum punkten – etwa wenn man sie ab Werk schön verpacke: "Kekse werden ja das ganze Jahr gegessen."

Quelle: dpa
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