30.11.12

Stahlbranche

ThyssenKrupp entlässt Mitarbeiter wegen Untreue

Der Stahlgigant ThyssenKrupp kommt nicht zur Ruhe. Nach Skandalen um Luxusreisen und Kartellklagen werden nun Bestechungsvorwürfe laut. Doch diesmal sieht sich der Dax-Konzern selbst als Opfer.

Foto: picture alliance / dpa

Thyssen-Hüttenwerk in Duisburg: Der Stahlkonzern kommt nicht aus den Negativschlagzeilen
Thyssen-Hüttenwerk in Duisburg: Der Stahlkonzern kommt nicht aus den Negativschlagzeilen

Der Industriekonzern ThyssenKrupp hat mehreren Mitarbeitern seiner kleinen Tochtergesellschaft GfT Bautechnik wegen Untreue-Verdachts gekündigt und die Behörden eingeschaltet. "ThyssenKrupp sieht sich selbst als geschädigt und hat bereits Schadensersatzansprüche gerichtlich geltend gemacht", teilte das Unternehmen mit.

Es seien "Unregelmäßigkeiten im Vertriebsgebiet Osteuropa der Gesellschaft festgestellt" worden. "Diese führten unter dem Gesichtspunkt der Untreue zur Kündigung der damals für diese Region verantwortlichen Mitarbeiter." Wegen der laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wolle ThyssenKrupp keine weitere Angaben machen.

Fast täglich ein neuer Skandal

Nach dem Aufdecken eines Kartells auf dem Schienenmarkt und der öffentlichen Diskussion um luxuriöse Pressereisen hat ThyssenKrupp damit offenbar den nächsten Fall von unsauberer Geschäftsführung am Hals. Nach Informationen des Blattes summieren sich die unklaren Zahlungen auf einen zweistelligen Millionenbetrag, der unter anderem bei Geschäften in Kasachstan, Usbekistan und China geflossen sein soll. Die Summe setze sich zusammen aus Scheinrechnungen und Provisionen, für die im Gegenzug keine Leistungen erkennbar sein sollen.

Zweifelhafte Geschäfte in Kasachstan

Vorausgegangen waren interne Untersuchungen nach anonymen Hinweisen im Jahr 2010 auf angebliche Verstöße gegen Compliance-Regeln, wie ThyssenKrupp erklärte. Diese hätten sich zwar nicht bestätigt, allerdings seien im Zuge der Ermittlungen die Unregelmäßigkeiten aufgefallen.

Über die Untersuchung berichteten auch das "Handelsblatt" und die "WAZ". Beide Zeitungen schrieben von Geschäften in Kasachstan und anderen Ländern mit zweifelhaften Zahlungen in Millionenhöhe. Die Summe soll sich aus Scheinrechnungen und Provisionen zusammensetzen, für die im Gegenzug keine Leistungen erkennbar sein sollen.

Manager klagt gegen Entlassung

Einer der entlassenen Manager – ein Sprecher sprach gegenüber der Zeitung von insgesamt sechs gekündigten Mitarbeitern – wies die Vorwürfe im "Handelsblatt" zurück. Versteckte Zahlungen und verschleierte Provisionen habe es nicht gegeben, sagte dessen Anwalt. Der Manager klage gegen seine Entlassung. Die Staatsanwaltschaft Essen war zunächst nicht zu erreichen.

Quelle: Reuters/nan
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