29.11.12

Deutsche Bahn

Bahncard-Inhaber fahren bald per Ökostrom

Die Bahn ist der größte Energieverbraucher im Land, nutzt Strom aus Stein- und Braunkohle. Nun gibt sich der Konzern ein Öko-Label – und macht für seine Stammkunden eine interessante Rechnung auf.

Von Nikolaus Doll
Foto: obs

Bahnverkehr: Die Bahn will den Ökostrom-Anteil stetig erhöhen
Bahnverkehr: Die Bahn will den Ökostrom-Anteil stetig erhöhen

Eine rundum saubere Sache, wie man meint, ist Bahnfahren gar nicht. Immerhin verstromt die Deutsche Bahn, der mit Abstand größte Energieverbraucher Deutschlands, für ihre Züge zu rund 45 Prozent Stein- und Braunkohle.

Nur knapp 22 Prozent der nötigen Energie für den Fahrbetrieb stammen 2011 aus erneuerbaren Energien. Aber natürlich ist die Bahn ökologischer, als es Pkw oder gar Flieger sind, und zudem will sie ihren grünen Vorsprung nun mächtig ausbauen.

Stammkunden bekommen ab 1. April 2013 eine Garantie dafür, dass sie mit Strom aus regenerativen Quellen und damit CO 2 -neutral unterwegs sind. Das Angebot richtet sich an alle Inhaber von Bahncards sowie anderen Zeit- oder Streckenkarten im Fernverkehr – und kostet keinen Cent mehr. Mindestens 75 Prozent aller Fahrten im deutschen Fernverkehr sollen ab dem Frühjahr ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien durchgeführt werden.

2020 will der DB-Konzern insgesamt auf 35 Prozent Ökostrom im Fahrbetrieb kommen, bis 2050 komplett auf saubere Energie umgestellt haben. "Die anderen diskutieren die Energiewende, wir tun was", sagte Bahnchef Rüdiger Grube.

Bahnfahrer gelten als umweltbewusst

Einerseits will sich die Bahn dem allgemeinen Trend hin zu sauberer Energie nicht entziehen. Gerade Bahnfahrern ist es wichtig, umweltbewusst zu reisen. Aber natürlich steckt auch wirtschaftliches Kalkül hinter der Öko-Offensive.

Offiziell gibt es dazu keine Zahlen, aber hinter den Kulissen heißt es, die Stromwende im Fernverkehr kostet den Konzern "einen nennenswerten zweistelligen Millionenbetrag" pro Jahr. Sauberer Strom ist eben teurer als Energie aus Kohle- oder Atomkraftwerken. Doch dafür erhoffen sich die DB-Manager einen weiteren Anstieg der Fahrgastzahlen im Fernverkehr.

Dass die Stromwende der Bahn dabei mit der Öffnung des Fernbusgeschäfts in Deutschland zeitlich zusammenfällt, mag Zufall sein. In jedem Fall verschafft sie der ICE- und IC-Flotte Rückenwind. Denn die Buslinien, die ab kommendem Jahr in Deutschland auf Langstrecken gegen die Bahn antreten wollen, werben unter anderem auch damit, dass vollbesetzte Busse umweltfreundlicher seien als die Fernzüge bei der durchschnittlichen Auslastung von 46 Prozent.

Die Bahn kommt allerdings zum gegenteiligen Ergebnis. Bei der Bahn selbst bekommt man eine ganz einleuchtende Begründung dafür, warum gerade der Fernverkehr für die Sauber-Strom-Kampagne auserkoren wurde: Die ICE- und IC-Züge sind eigenwirtschaftlich unterwegs, nicht im Auftrag der Länder und Verbünde wie die Regionalzüge.

Bei letzteren bestimmen die Besteller die Bedingungen des Einsatzes – bisweilen auch den Strommix.

Ökostrom wird dazugekauft

Aber wie wird nun garantiert, dass man als Stammkunde wirklich mit sauberem Strom durchs Land gefahren wird? Ganz einfach: Die DB ermittelt, wie viele BahnCard- oder Netzkarteninhaber es gibt, und kauft entsprechend Ökostrom zu. Je mehr Vielfahrerkarten es gibt, desto mehr saubere Energie muss die Bahn beschaffen. Und wer eine umweltbewusste Einzelfahrkarte haben will, zahlt einen Euro drauf.

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