25.11.12

Rüstungskonzern

Bei EADS wird knallhart um die Macht gefeilscht

Deutschland steht vor dem direkten Einstieg beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Doch derzeit wird heftig darum gefeilscht, wer künftig welchen Einfluss bei dem multinationalen Unternehmen hat.

Von Jens Hartmann und Gesche Wüpper
Foto: AFP

Eurofighter Typhoon: Um Einfluss bei dem Rüstungskonzern EADS wird gestritten
Eurofighter Typhoon: Um Einfluss bei dem Rüstungskonzern EADS wird gestritten

Der Bund befindet sich offenbar kurz vor einem direkten Einstieg beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Wie aus Verhandlungskreisen zu hören ist, werden mehrere Varianten geprüft, wie die Staatsbank KfW ein Aktienpaket von zwölf Prozent an EADS übernehmen kann. Das Grundprinzip, dass die deutsche und französische Seite zu gleichen Teilen an EADS beteiligt wird, soll aber aufrechterhalten werden.

Unklar ist bisher, wie es mit dem Aktionärspakt weitergeht, an dem Deutschland, Frankreich und Spanien beteiligt sind. Der Pakt regelt die Beziehungen zwischen den Anteilseignern – und zementiert letztlich den Einfluss der Politik auf EADS. Bei der Aufteilung von Arbeitspaketen und Standortentscheidungen spielt bis heute der Länderproporz eine Rolle.

Der Pakt wird überarbeitet

Frankreichs Staatspräsident François Hollande kündigte in Brüssel an, dass der Aktionärspakt von EADS in den kommenden Wochen überarbeitet werde. Offenbar war die Zukunft der Aktionärsstruktur des Airbus-Mutterkonzerns auch Thema der Gespräche in Brüssel. "Wir sind dazu gezwungen die Zusammensetzung zu überarbeiten und den Aktionärspakt neu zu definieren", sagte Hollande.

"Der Anteilserwerb durch die Bundesregierung ist vom Parlament beschlossen", sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. So hat der Haushaltsausschuss des Bundestags Ende Oktober 1,6 Milliarden Euro für den Erwerb der EADS-Anteile durch die KfW freigegeben. Nun geht es darum, wie der Staatseinstieg konkret vollzogen wird.

Das Gerangel tut der Aktie nicht gut

Aktuell halten die deutsche Seite – über den Autobauer Daimler und das Bankenkonsortium Dedalus – 22,5 Prozent der Aktien. Die französische Seite – über den Medienkonzern Lagardère mit 7,5 Prozent und den französischen Staat mit 15 Prozent – ist mit ebenfalls 22,5 Prozent beteiligt. Hinzu kommt die spanische Staatsholding Sepi mit 5,5 Prozent. Auf dem freien Markt sind lediglich rund 50 Prozent der Aktien.

Dabei gilt auch die vom "Handelsblatt" genannte Variante, Deutschland und Frankreich würden sich mit jeweils zwölf Prozent der Aktien begnügen, als eine von mehreren Optionen. Frankreich müsste dann seinen Aktienanteil reduzieren und könnte drei Prozent seiner EADS-Papiere an die KfW veräußern. Eine endgültige Einigung sei aber noch nicht erreicht, heißt es. Das Gerangel um die Aktienpakete tut der Kursentwicklung nicht gut.

Es kommt Bewegung in die Struktur

Seit dem Scheitern der Fusion von EADS mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems ist wieder Bewegung in die Aktionärsstruktur gekommen. Den Zeitdruck haben zwei Großaktionäre aufgebaut: Daimler auf der deutschen und Lagardère auf der französischen Seite. Beide, die de facto Statthalter-Rollen für ihre Regierungen einnehmen, wollen so schnell wie möglich raus.

So will Daimler bis Jahresende ein Aktienpaket von 7,5 Prozent abstoßen und sich wenn möglich in absehbarer Zeit auch von den dann noch verbleibenden 7,5 Prozent trennen. Konzernchef Dieter Zetsche hat wiederholt erklärt, der Autobauer wolle sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren, und dazu gehöre nun mal nicht die Luft- und Raumfahrt. Auch steht ein Paket von weiteren 7,5 Prozent, das bislang ein öffentlich-privates Bankenkonsortium namens Dedalus hält und für das Daimler die Stimmrechte ausübt, zur Disposition. Aus der Umgebung des Daimler-Konzerns verlautete denn auch, man begrüße es, dass endlich Bewegung in die Angelegenheit komme.

Dem Chef ist der Pakt ein Dorn im Auge

Der französische Medienkonzern Lagardère will sich ebenso lieber heute als morgen von seinen EADS-Papieren verabschieden. So sei ein Ausstieg aus dem Kapital des Flugzeugbau- und Rüstungskonzerns im kommenden Jahr "sehr wahrscheinlich", wie Firmeneigner Arnaud Lagardère kürzlich erklärte. Lagardère ist Verwaltungsratsvorsitzender bei EADS, hat aber nie große Liebe zur Luftfahrt erkennen lassen. Lagardère hält 7,5 Prozent des EADS-Kapitals.

Da der französische Staat, der mit 15 Prozent an EADS beteiligt ist, keinen Vertreter in den Verwaltungsrat entsenden darf, vertritt er dort zudem die Interessen Frankreichs. Bei dem Gefeilsche um die Anteile geht es auch um die Frage, ob der sogenannte Aktionärspakt weiterhin Bestand haben wird. Konzernchef Tom Enders ist dieser politische Einfluss seit längerem ein Dorn im Auge.

Gegenwärtig werden Modelle diskutiert, wonach Deutschland, Frankreich und Spanien zusammen knapp unter 30 Prozent halten und der Aktionärspakt ein Ende findet. Dann hätten sie allerdings immer noch genügend Macht, um ihren Einfluss geltend zu machen. Die Gerüchte über die Verhandlungen lösten bereits Befürchtungen aus, in den kommenden Monaten könnte ein großer Block an EADS-Aktien auf den Markt kommen.

Entscheidungen nach Wirtschaftlichkeit

Denn sollten sich Deutschland und Frankreich darauf einigen, dass sie jeweils zwölf Prozent der Aktien halten, könnten rein theoretisch Daimler und Lagardère die Märkte mit ihren EADS-Papieren fluten. Jede fünfte Aktie stünde damit zum Verkauf. Allerdings ist aus Kreisen, die Daimler nahestehen, zu hören, der Autokonzern müsse nicht unbedingt im Gleichschritt mit Lagardère sein Aktienpaket verringern, sondern werde sich vorrangig nach der wirtschaftlichen Einwicklung, sprich: dem Aktienkurs richten.

Sollte der Aktionärspakt aufgelöst werden, dürfte das den gewünschten Ausstieg von Daimler und Lagardère aus dem EADS-Kapital erleichtern, sagen die Analysten von Aurel BCG. Allerdings könnte es dann 2013 zu einem starken Zufluss von EADS-Papieren auf den Markt kommen, vermuten sie.

Nicht der beste Ruf

Die Ratingagentur Fitch kritisierte, selbst wenn der Aktionärspakt neuverhandelt werde, werde das die Unternehmensstruktur nicht wesentlich verbessern. "Die Veränderungen dürften nichts am Ruf einer staatlichen Gruppe ändern, den EADS momentan hat – einem Ruf, der die Chancen des Unternehmens, große Export-Verträge zu bekommen, belastet."

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Multimedia
EADS

Airbus auf dem Weg in die Zukunft

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Mexiko Ist diese Frau der älteste Mensch der Geschichte?
Mexiko Hunderttausende tote Fische machen Fischern Sorgen
Kampf gegen IS USA fliegen tonnenweise Hilfsgüter in den Nordirak
Erdrutsche Hochwasser in China führt zu acht Toten
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. AuslandUkraine-LivetickerMoskau sieht Russland durch Nato bedroht
  2. 2. GeschichteUkraine-KriseWas Putin meint, wenn er "Neurussland" sagt
  3. 3. DeutschlandRede in PolenGaucks Drohung gegen Putin erzürnt die Linke
  4. 4. WirtschaftMilliardär Petrov"Taktisch ist Putin immer gut, strategisch nicht"
  5. 5. WirtschaftEnergiewendeBundesregierung scheitert am Klimaschutz
Top Bildershows mehr
Bürgermeister-Karriere

Klaus Wowereit und der Abstieg vom Gipfel

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Nina Hagens Tochter

Schauspielerin Cosma Shiva Hagen

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote