24.11.12

Stromversorger

Lekker Energie zieht ab Januar bei Strompreiserhöhung mit

Gut 400 deutsche Stromanbieter erhöhen ihre Preise. Die Verbraucher sind irritiert. Experten raten, Verträge kritisch zu lesen.

Foto: picture alliance / Frank May

Deutschlandweit sollen 380.000 Lekker-Kunden ab Januar einen höheren Strompreis zahlen
Deutschlandweit sollen 380.000 Lekker-Kunden ab Januar einen höheren Strompreis zahlen

Der Stromversorger Lekker Energie GmbH will zum 1. Januar 2013 seine Preise erhöhen – genau wie mehr als 400 weitere deutsche Stromversorger. Ähnlich wie bei Vattenfall ( wir berichteten) sind Verbraucher irritiert.

Lekker-Kunde Dirk B. soll einen höheren Arbeitspreis zahlen: 27,69 Cent statt 24,19 Cent pro Kilowattstunde. Das Anschreiben ist datiert auf den 14. November, der Poststempel zeigt den 21. November. Ein Lekker-Sprecher bedauert die Verspätung. Zu der habe es kommen können, weil Briefe für deutschlandweit 380.000 Kunden aufgesetzt, von einem Dienstleister gedruckt und versandt werden mussten. "Das haben wir nicht rückdatiert." Die Erhöhung sei wirksam.

Vattenfall sorgt für Aufregung

Berlins größter Stromversorger Vattenfall (1,6 Millionen Kunden) hatte zuvor für Aufregung gesorgt, weil Kunden briefliche Mitteilungen zur Verteuerung erst nach dem 19. November erhalten hatten. Vattenfall beruft sich auf die Verordnung für die Stromgrundversorgung, wonach das Abschicken am 19. November ausreichend sei, um die vorgeschriebene Sechs-Wochen-Frist einzuhalten. Die ist am 20. November verstrichen. Verbrauchersenator Thomas Heilmann (CDU) hält ebenfalls das Versand- und nicht das Eingangsdatum für entscheidend.

Der energiepolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Daniel Buchholz, rät allen Verbrauchern dazu, Schreiben zu Preiserhöhungen kritisch zu lesen, die Preise mit denen anderer Anbieter zu vergleichen und zu wechseln. "Oft sind Ökostromanbieter nicht teurer als normale Stromanbieter." So macht es auch Dirk B.: Er streitet nicht mehr mit seinem Versorger, sondern wird kündigen und zu einem günstigeren Stromanbieter wechseln.

Quelle: tal
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So können Sie Strom sparen
  • Stromfresser rauswerfen

    Ein zehn Jahre alter Kühlschrank verbraucht rund 100 Kilowattstunden mehr als ein modernes Gerät. Ein neuer Geschirrspüler spart rund 50 Kilowattstunden, und auch Waschmaschinen haben ein erhebliches Einsparpotenzial gegenüber ihren Vorgängermodellen. „Der Austausch alter Geräte gegen energieeffiziente Varianten lohnt sich in jedem Fall. Die höheren Anschaffungskosten gleichen sich durch den geringeren Stromverbrauch im Laufe der Zeit aus“, sagt Dagmar Ginzel, Energieexpertin beim Vergleichsportal Verivox.

  • Stand-by-Falle vermeiden

    Schon mit kleinen Maßnahmen lassen sich deutliche Einsparungen erzielen – etwa indem Fernseher, DVD-Player oder Set-Top-Box nach Gebrauch mittels einer Steckdosenleiste mit Schalter der Saft abgedreht wird. „Insbesondere Geräte, die vor 2010 gekauft wurden, verbrauchen auch nach dem Ausschalten im Stand-by-Betrieb unnötig Strom“, sagt Gunnar Will von der Deutschen Energie-Agentur (dena). Bei über 100 Euro liegt hier das jährliche Einsparpotenzial einer Durchschnittsfamilie. Und wer für rund sechs Euro eine Energiesparlampe kauft, spart über die Lebensdauer der Lampe gegenüber einer Glühbirne mehr als 80 Euro.

  • Effizient kühlen

    Sind Kühl- und Gefrierschrank von innen mit einer Eisschicht überzogen, steigt der Stromverbrauch rapide an. „Dagegen hilft regelmäßiges Abtauen“, sagt dena-Experte Will. Außerdem reichen Temperaturen von sieben Grad im Kühlschrank und 18 Grad minus im Gefrierschrank aus – niedrigere Temperaturen verbrauchen unnötig Strom. Zudem: Die Tür immer rasch schließen. Und Kühlgeräte sollten nie neben Wärmequellen wie Herd oder Heizung platziert werden.

  • Richtig waschen

    Auch beim Wäschewaschen lässt sich sparen: Die Waschmaschine sollte möglichst voll beladen werden. Und ein 40-Grad-Waschgang reicht für normal verschmutzte Wäsche völlig aus – gegenüber dem 60-Grad-Programm spart er rund 50 Prozent der Stromkosten. Und der Wäschetrockner? Die gute alte Leine ist deutlich effizienter.

  • Laptop statt PC

    Computer sind wahre Stromfresser, besonders die Monitore. Hier macht sich der Kauf eines energieeffizienten Geräts schnell bezahlt. Zudem sollte man auf Bildschirmschoner verzichten und stattdessen den Monitor so einstellen, dass er sich bei zehnminütiger Nichtnutzung abschaltet. Bei Arbeitspausen über 30 Minuten sollte der Computer ganz heruntergefahren werden. Außerdem verbrauchen Laptops gegenüber Desktop-PCs mit Bildschirm rund 70 Prozent weniger Strom bei vergleichbarer Ausstattung und Leistung – und sie sind wesentlich platzsparender, leichter und flexibler.

  • Den Stromanbieter wechseln

    Auch mit einem neuen Stromanbieter lassen sich die Kosten deutlich senken. Durch den Wechsel zum günstigsten verfügbaren Angebot kann man laut Verivox-Berechnungen durchschnittlich 370 Euro im Jahr sparen. czy

Warum Strom immer teurer wird
  • BÖRSENPREIS

    Der Börsenpreis von Strom gibt einen Hinweis darauf, wie viel es tatsächlich kostet, Strom herzustellen. Hinzu kommt aber immer Spekulation: Denn Strom wird teils lange Zeit im Voraus gekauft. Die Stromeinkäufer spekulieren also darauf, ob Strom langfristig teurer oder billiger wird. In den vergangenen Jahren stieg der Börsenpreis zunächst, sinkt aber inzwischen seit einiger Zeit wieder. Die Energieerzeuger geben den Anteil von Strombeschaffung, Vertrieb und Service am Strompreis mit 35 Prozent an.

  • NETZAUSBAU

    Der Betrieb, die Wartung und der Ausbau der Netze werden über die sogenannten Netzentgelte finanziert. Sie machen rund 20 Prozent des Strompreises aus. Steigen dürften die Entgelte in Zukunft, da im Rahmen der Energiewende neue Strom-Autobahnen quer durch Deutschland und mehr Netze über Grenzen hinweg notwendig sind. Hohe Kosten dürften auch für die Anbindung der Meeres-Windparks anfallen. Den hohen Investitionen sollen aber Einsparungen gegenüber stehen: Denn wenn die Netze künftig besser funktionieren, sind weniger teure Eingriffe der Netzbetreiber zur Stabilisierung nötig.

  • ERNEUERBARE

    Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird in Deutschland mit der EEG-Umlage durch fast alle Stromverbraucher finanziert. Das meiste Geld davon fließt in die Förderung von Sonnenstrom, obwohl er nur einen relativ kleinen Teil der Ökoenergie ausmacht. Da der Bau neuer Solarstrom-Anlagen aber weiter boomt, dürfte die EEG-Umlage ab 2013 erneut deutlich steigen – und dann rund 18 Prozent des Strompreises ausmachen. Auf der anderen Seite senkt Solarenergie den Strompreis an der Börse – denn sie fließt am meisten mittags, wenn Strom aufgrund der hohen Nachfrage früher am teuersten war.

  • VERGÜNSTIGUNGEN

    Energieintensive Unternehmen genießen eine ganze Reihe Vergünstigungen. Sie sollen damit im internationalen Wettbewerb gestärkt werden. Kritiker merken aber an, dass viele Unternehmen begünstigt werden, die gar nicht mit ausländischer Konkurrenz kämpfen. Eine ganze Reihe Firmen ist beispielsweise von der EEG-Umlage ganz oder teilweise befreit. Die entfällt übrigens auch, wenn ein Unternehmen selbst Strom erzeugt – weshalb Unternehmen gerne Teile von Kraftwerken übernehmen oder diese pachten. Auch müssen viele Konzerne kaum oder keine Ökosteuer und Netzentgelte zahlen.

  • STEUERN

    Mehr als ein Viertel des Strompreises machen Steuern und Abgaben aus. Zahlen müssen Kunden die Stromsteuer und die Mehrwertsteuer. Letztere ist auch auf die EEG-Umlage fällig – steigt diese, steigt also auch die Mehrwertsteuer. An die Kommunen müssen die Stromkonzerne zudem die sogenannte Konzessionsabgabe für die Nutzung der Infrastruktur zahlen.

  • EMISSIONSHANDEL

    Um den klimaschädlichen Treibhausgas-Ausstoß zu senken, führte die Europäische Union 2005 den Emissionshandel ein. Dabei erhalten Unternehmen wie Kraftwerk-Betreiber eine bestimmte Zahl Verschmutzungsrechte. Den größten Teil davon bekamen sie bislang kostenlos, nur für einen kleinen Teil mussten sie zahlen. Trotzdem schrieben sie die Verschmutzungsrechte mit ihrem vollen Wert als Ausgaben in ihre Bilanzen – und rechneten sie beim Strompreis mit ein, was diesen in die Höhe trieb.

  • WETTBEWERB

    Ein großes Manko in Deutschland ist noch immer der mangelnde Wettbewerb. Zwar buhlen mittlerweile hunderte Anbieter um die Kunden, doch letztendlich beherrschen noch immer vier große Konzerne das Energiegeschäft. Die Verbraucher sind außerdem wenig wechselfreudig: Die allermeisten Stromkunden haben noch nie ihren Anbieter oder auch nur ihren Tarif gewechselt. Sie alle zahlen deshalb unter Umständen hunderte Euro mehr im Jahr als nötig. AFP

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