23.11.12

Milliarden-Investition

Volkswagen greift nach der Auto-Weltherrschaft

Der Wolfsburger Konzern stockt seine Investitionen auf. Mit neuen Fahrzeugen und neuen Werken will VW zügiger auf Platz eins der Branche vorrücken. An Geld mangelt es nicht.

Von Nikolaus Doll
Foto: dapd

Ein VW-Arbeiter poliert einen Golf VII. Der Konzern investiert viel, um schneller an die Weltspitze zu kommen
Ein VW-Arbeiter poliert einen Golf VII. Der Konzern investiert viel, um schneller an die Weltspitze zu kommen

Volkswagen stockt seine Investitionen auf und erhöht die Ausgaben auf Rekordniveau, um wie geplant bis 2018 an der Spitze der weltweiten Automobilindustrie zu stehen. In den kommenden drei Jahren will der Konzern 50,2 Milliarden Euro in die Entwicklung neuer Fahrzeuge, die Effizienzsteigerung in der Produktion und den Bau neuer Werke stecken.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung von Modellen mit sauberen und verbrauchsärmeren Motoren. Volkswagen hatte 2013 zum Jahr der alternativen Antriebe im Konzern erklärt. Mehr als zwei Drittel des Investitionsprogramms bis 2015 fließen in immer effizientere Fahrzeuge, Antriebe, Technologien und umweltschonende Produktion. Der Aufsichtsrat hatte die Rekordplanung in seiner Sitzung am Freitag abgesegnet.

Im vergangenen Jahr hatte Volkswagen eine Planung für die kommenden fünf Jahre präsentiert. Darin wollte der Konzern von 2012 bis 2016 insgesamt 62,4 Milliarden investieren. Mit dem neuen Investitionsprogramm steigert Volkswagen nochmals das Tempo im Wettlauf mit General Motors (GM) und Toyota um Platz eins der Branche. Derzeit liegen die Japaner gemessen an der reinen Absatzzahl vorn, sie hatten sich die Poleposition Anfang des Jahres nach den auch durch den Naturkatastrophen in Japan begründeten Rückschlagen zurückerobert.

Winterkorn: Investieren mehr als je zuvor

"Trotz des herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds investieren wir mehr als jemals zuvor, um unsere langfristigen Ziele zu erreichen", sagte VW-Chef Martin Winterkorn im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung. Allein in den kommenden zwei Jahren wollen die Wolfsburger weltweit ingesamt rund 100 neue Modelle beziehungsweise Varianten oder überarbeitete Modelle auf den Markt bringen. Auch die Zahl der Produktionsstätten soll weiter wachsen. 99 Werke haben die Wolfsburger derzeit quer über den Globus verstreut, im kommenden Jahr soll Nummer hundert in Mexiko anlaufen. Auch in China sind noch mehrere Standorte geplant.

Das ehrgeizige Programm kann der VW-Konzern problemlos mit dem Geld stemmen, das im operativen Geschäft verdient wird. Trotz der Übernahmen des Porsche-Sportwagengeschäfts und der Motorradmarke Ducati verfügen die Wolfsburger noch immer über ein komfortables Finanzpolster von 9,2 Milliarden Euro. Zudem hat der Konzern sich weitere rund 4,5 Milliarden Euro durch zwei Anleihen beschafft. Erstmals umfasst die Planung auch die Marken MAN und Porsche.

Über die Hälfte wird in Deutschland investiert

Von den Sachinvestitionen von 39,2 Milliarden Euro soll mehr als die Hälfte in Deutschland ausgegeben werden. "Wir schaffen so die Voraussetzungen, dass unsere 27 Werke bei Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich weiter ganz vorne mitspielen", sagte Winterkorn. "Wir bei Volkswagen stehen zum Industriestandort Deutschland", fügte er hinzu. Die beschlossene Investitionsplanung ist ein klares Bekenntnis zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Beschäftigung bei Volkswagen gerade angesichts des schwierigeren Umfeldes in der Automobilindustrie", sagte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh. Darüber hinaus setze die Investitionsplanung deutliche Akzente in punkto Nachhaltigkeit und neue Technologien, wie der Hybridtechnologie.

Mit 24,7 Milliarden Euro bzw. rund 63 Prozent wendet der Konzern den wesentlichen Anteil der Sachinvestitionen des Automobilbereichs für die Modernisierung und Erweiterung der Produktpalette aller Marken auf. Schwerpunkte sind neue Fahrzeuge, Derivate und Nachfolgemodelle in nahezu allen Fahrzeugklassen. Dazu gehört auch eine neue Lkw-Generation von MAN. Im Bereich Aggregate werden neue Motorengenerationen mit weiteren Verbesserungen bei Leistung, Verbrauch und Emissionswerten eingeführt.

Darüber hinaus investiert das Unternehmen in den kommenden drei Jahren produktübergreifend 14,5 Milliarden Euro. Darin enthalten sind auch die Investitionen in Kapazitätserweiterungen, unter anderem in eine neue Fahrzeugfertigung für Audi in Mexiko, in die Erweiterung des Porsche-Werkes Leipzig mit dem neuen Modell Macan im SUV-Segment und in den Ausbau der Produktion von Automatikgetrieben. Weitere Investitionsschwerpunkte sind Anpassungen in den Presswerken, Lackieranlagen und Montagen, die sich aus den hohen Qualitätszielen und der kontinuierlichen Verbesserung der Fertigungsprozesse ergeben.

Auch in China wird in neue Werke investiert

Nicht im Konsolidierungskreis und damit nicht in den oben genannten Zahlen enthalten sind die Gemeinschaftsunternehmen in China. Diese Gesellschaften werden in den Jahren 2013 bis 2015 insgesamt 9,8 Milliarden Euro in neue Werke und Produkte investieren. Dabei werden diese Vorhaben aus eigenen Mitteln der Joint-Venture-Gesellschaften finanziert.

Zwar ist Volkswagen derzeit deutlich erfolgreicher unterwegs als die anderen Volumenhersteller in Europa, doch auch den Wolfsburgern weht inzwischen der Wind schärfer um die Nase. Auch der VW-Konzern spürt inzwischen die Auswirkungen der Euro-Krise. VW ist mit seinen Marken in einer ganzen Reihe von Ländern Europas Marktführer.

Auch die Rivalen haben sich erholt

Die Erholung des Rivalen ist dauerhafter als viele Experten ursprünglich angenommen hatten, auch wenn die Amerikaner stark durch die Schwäche des Europageschäfts um Opel und Vauxhall gebremst werden. Toyota ist weitaus schneller wieder zu Kräften gekommen, als man in der Branche angenommen hatte. Auch die Japaner haben ein mächtiges Investitionsprogramm gestartet und wollen vor allem in den wachstumsstarken Schwellenländern kräftig zulegen.

Toyota profitiert derzeit davon, dass man in Europa nie so stark wie in den USA oder Asien war. Andererseits treffen den Konzern die Absatzrückgänge in China, eine Folge der politischen Spannungen zwischen der Volksrepublik und Japan empfindlich. Der koreanische Zweimarken-Konzern Hyundai-Kia ist dagegen ungebremst auf Wachstumskurs und wird in Wolfsburg weiter als einer der schärften Rivalen im Volumengeschäft gesehen.

Nicht ohne Grund hat Winterkorn daher in den vergangene Monaten die Parole ausgegeben, man wolle nicht nur der größte Autobauer, sondern auch der mit den führenden Standards bei der Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit und der Einhaltung von Naturschutzaspekten sein.

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