23.11.2012, 15:42

Faser-Hersteller Kartellamt stoppt weltweites Tampon-Monopol

Foto: Franziska Koark / picture alliance / dpa

Ohne Lenzing aus Österreich und seinen deutscher Konkurrenten Kelheim würde es kaum Tampons geben. Nun wollten beide Firmen zusammengehen.

Das Bundeskartellamt hat dem österreichischen Faser-Hersteller Lenzing die Übernahme des deutschen Konkurrenten Kelheim Hygiene Fibres GmbH untersagt. Beide Unternehmen zusammen würden den Markt zur Herstellung von Viskosefasern für Tampons kontrollieren – und das weit über Deutschland hinaus, teilten die Wettbewerbshüter am Freitag zur Begründung mit. Lenzing will den Beschluss nicht hinnehmen und kündigte eine Beschwerde vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf an.

Das oberösterreichische Faserunternehmen will 90 Prozent der Anteile an Kelheim Hygiene Fibres übernehmen. "Der Wettbewerb wäre damit nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zum Erliegen gekommen", sagte Kartellamtschef Andreas Mundt. Fast alle Markenherrsteller beziehen ihr Grundmaterial von einem der beiden. Der gemeinsame Anteil der Unternehmen im Markt für Tamponfasermaterial betrage mindestens 90 Prozent, teilte das Kartellamt mit. Es sei nicht zu erwarten, dass es neue Wettbewerber gebe, die in das Geschäft einsteigen. Zudem könnten die Abnehmer auch nicht auf Baumwollfasern ausweichen.

Lenzing will Beschwerde einlegen

Nach Ansicht von Lenzing ist der betroffene Markt für Tamponfasern in Deutschland aber so klein, dass er gar nicht in die Zuständigkeit der Kartellwächter fällt. "Die Untersagungsverfügung betrifft einen Markt in Deutschland, der rund 10 Millionen Euro ausmacht", sagte eine Lenzing-Sprecherin. Märkte dieser Größenordnung würden nicht der Kontrolle der Wettbewerbshüter unterliegen. "Das Bundeskartellamt hat die Situation insofern falsch bewertet und selbstverständlich werden die beteiligten Unternehmen unverzüglich gegen diese Entscheidung eine Beschwerde beim OLG Düsseldorf einlegen", sagte die Sprecherin.

Das deutsche Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben am Standort Kelheim mehr als 700 Mitarbeiter, der österreichische Faser-Hersteller hatte 2011 einen Umsatz von rund 2,1 Milliarden Euro eingefahren.

(Reuters/ap)
Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter