23.11.12

Schwarz-gelbe Pläne

Was die Mini-Steuerreform den Bürgern bringen soll

Die Bundesregierung will den Bürgern im Wahljahr etwas Gutes tun und sie bei den Steuern entlasten. Doch SPD und Grüne finden Steuersenkungen nicht zeitgemäß. Sie blockieren die Pläne.

Foto: Infografik Die Welt
So viele Steuern und Abgaben zahlen Europas Bürger
So viele Steuern und Abgaben zahlen Europas Bürger

Keine zwei Stunden saßen die 32 Vertreter von Bundesrat und Bundestag am Mittwochabend zusammen, da gaben sie ihre Suche nach einem Kompromiss schon wieder auf. Sofern sie sich überhaupt ernsthaft einigen wollten. Koalition und Opposition hatten schon zuvor klargemacht, dass sie sich nicht bewegen wollen.

Für die Bürger ist das keine gute Nachricht: Die schwarz-gelbe Mini-Steuerentlastung hängt weiterhin im Vermittlungsausschuss fest – und die Chance, dass sie doch noch in Kraft treten kann, ist seit Mittwochabend nur noch minimal.

Zwar soll im Dezember der nächste Anlauf unternommen werden, doch je näher die Bundestagswahl von 2013 rückt, desto geringer wird die Kompromissbereitschaft. "Die SPD will den Steuerzahlern diese Entlastung vorenthalten", echauffiert sich der Vizevorsitzende der Unionsfraktion, Michael Meister. Die Sozialdemokraten spielen den Ball zurück. Sie werfen der Koalition unsolide Finanzpolitik vor.

Es geht um sechs Milliarden Euro

Ohnehin geht es für die Steuerzahler nur um eine kleine Entlastung. Um sechs Milliarden Euro will Schwarz-Gelb in den Jahren 2013 und 2014 insgesamt die Steuern senken. Rund zwei Milliarden sind für die Anhebung des Grundfreibetrags verplant, die verfassungsrechtlich kommen muss.

Mit den restlichen vier Milliarden Euro sollte die kalte Progression bekämpft werden. So werden heimliche Steuererhöhungen genannt, die Lohnsteigerungen gleich wieder auffressen. "Dieser Verdienst darf den Arbeitnehmern nicht wegbesteuert werden", sagt Meister.

Union und FDP hatten sich über Monate intern wegen des Vorhabens gestritten. Die Liberalen hatten eigentlich eine große Reform angepeilt, die das Versprechen des Koalitionsvertrages umsetzt: einfach, niedrig, gerecht. Doch war das mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nicht zu machen.

Der schwarz-gelbe Kompromiss waren die sechs Milliarden Euro, doch selbst auf die dürften die Steuerzahler vergebens warten. Allenfalls die Anhebung des Grundfreibetrags will die SPD im Bundesrat passieren lassen.

Unter dem Strich dürfte eine Entlastung stehen

In der Koalition hat man sich mit dem Scheitern der Minireform offenbar abgefunden. Ohnehin ist die Steuerpolitik für die Koalition ein Trauma. Auf diesem Feld lief es von Anfang an nicht rund.

Dabei hat die Koalition mehr getan, als gemeinhin angenommen wird. Gleich eines ihrer ersten Projekte brachte den Bürgern eine milliardenschwere Entlastung: das Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Davon profitieren die Bürger noch heute. Nur nimmt keiner davon Notiz. Denn mit dem Gesetz wird allenfalls die Senkung der Mehrwertsteuer für Hoteliers verbunden. Dabei war ein großer Batzen die Erhöhung des Kindergeldes und des Kinderfreibetrages, die Familien jedes Jahr mehr als vier Milliarden Euro Euro bringt.

Auch andere kleinere Entlastungen wurden auf den Weg gebracht. So erhöhte die Koalition den Arbeitnehmerpauschbetrag – wenn auch nur minimal um 80 Euro auf 1000 Euro. Hinzu kamen geringfügige Änderungen im System, so dürfen beispielsweise die Kosten für ein Arbeitszimmer wieder von der Steuer abgesetzt werden.

Auf der anderen Seite belastete die Koalition die Bundesbürger aber auch: Die Tabaksteuer wurde erhöht, es wurde eine Abgabe auf Flugtickets eingeführt. Unter dem Strich dürfte bei den schwarz-gelben Steuergesetzen aber eine Entlastung stehen, schätzen Experten.

SPD und Grüne wollen Spitzensteuersatz anheben

Schäuble kann sich trotzdem über Rekordeinnahmen freuen. In diesem Jahr wird der Fiskus rund 602 Milliarden Euro kassieren. Die kleine Rückerstattung von sechs Milliarden Euro wäre da kaum ins Gewicht gefallen.

Geht es jedoch nach SPD und Grünen, sind Steuersenkungen nicht mehr zeitgemäß. Denn Sozialdemokraten und Grüne ziehen mit der Ankündigung kräftiger Steuererhöhungen in den Wahlkampf. Dabei ähneln sich die Steuerkonzepte der beiden Oppositionsparteien. Beide wollen einen höheren Spitzensteuersatz in der Einkommensteuer sowie Erbschaften und Vermögen stärker belasten.

Dabei geht es beiden Parteien erklärtermaßen um "soziale Gerechtigkeit". Der Spitzensteuersatz für die Bezieher hoher Einkommen soll von derzeit 42 auf 49 Prozent angehoben werden. Die Sozialdemokraten wollen, dass der Höchstsatz ab einem Einkommen von 100.000 Euro greift. Die Grünen setzen die Schwelle schon bei 80.000 Euro an und schätzen die Mehreinnahmen infolge des höheren Spitzensteuersatzes auf fünf Milliarden Euro.

Doch auch die Einkommen unterhalb dieser Grenze wären betroffen, da der Tarifverlauf der Einkommensteuer dann insgesamt steiler würde. Überdies wollen beide Parteien das Ehegattensplitting so weit wie möglich abschmelzen. Durch die gemeinsame steuerliche Veranlagung sparen Ehepartner derzeit 15 Milliarden Euro.

Vermögensabgabe und Abgeltungssteuer

Kräftig zulangen will Rot-Grün auch bei Vermögen. Die SPD will diese Steuer, die wegen verfassungsrechtlicher Bedenken seit 1997 nicht mehr erhoben wird, wiedereinführen. Die frühere Regelung war vom Bundesverfassungsgericht wegen der Begünstigung von Immobilienvermögen beanstandet worden.

Die Sozialdemokraten kalkulieren mit Einnahmen von zehn Milliarden Euro. Da ein Großteil des Vermögens in Immobilien und Betrieben steckt, wären vor allem deren Besitzer betroffen. Freibeträge sollen aber sicherstellen, dass ein Großteil der Eigenheimbesitzer verschont bliebe.

Die Grünen kündigen die Einführung einer Vermögensabgabe von jährlich einem Prozent an, die ein Jahrzehnt lang auf Vermögen ab einer Million Euro erhoben werden soll und insgesamt 100 Milliarden Euro in die Kassen des Staates spülen soll.

Der grüne Spitzenkandidat Jürgen Trittin hat bereits angekündigt, die Vermögensabgabe auch rückwirkend zu erheben, damit sich eine Kapitalflucht nicht lohnt. Das Aufkommen aus der Erbschaftsteuer will Trittin auf acht Milliarden Euro jährlich verdoppeln. Hier planen die Grünen vor allem die Streichung der Begünstigungen für Betriebsvermögen.

Mehr Steuern sollen nach den Plänen von SPD und Grünen auch die Sparer zahlen. So soll die Abgeltungssteuer zunächst von derzeit 25 Prozent auf 30 Prozent angehoben werden, was eine weitere Milliarde an Mehreinnahmen bringen soll. Wer einen Firmenwagen fährt, muss sich gleichfalls auf Belastungen einstellen.

Alles in allem, so warnt FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle, würde die Kombination aus einem SPD-Bundeskanzler Peer Steinbrück und einem Grünen-Bundesfinanzminister Jürgen Trittin die Steuerzahler 40 Milliarden pro Jahr kosten.

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So sehen die grünen Pläne aus
  • Einkünfte aus Kapitalanlagen

    Mit den gesundheitspolitischen Beschlüssen der Grünen rollen vor allem auf die Mittelschicht Mehrbelastungen zu. Zu den Verlierern gehören alle Bürger mit Einkünften aus Kapitalanlagen sowie Vermietung und Verpachtung, denn diese sollen bei der Beitragsberechnung mit einbezogen werden. „Ein Anschlag auf die Sparguthaben aller Bürger“, kritisiert der CSU-Gesundheitspolitiker Johannes Singhammer.

  • Beitragsbemessungsgrenze

    Die Beitragsbemessungsgrenze soll von derzeit 3850 auf 5600 Euro im Monat steigen. Wer heute 5600 Euro verdient und darauf einen Beitrag von 313,65 Euro zahlt, wird künftig 434 Euro zahlen müssen, also knapp 130 Euro mehr, rechnet Singhammer vor und klagt: „Diese Maßnahme trifft ausschließlich die Mittelschicht.“

  • Mitversicherung für Ehegatten

    Die beitragsfreie Mitversicherung der Ehegatten wird abgeschafft, sofern diese keine Kinder erziehen oder Angehörige pflegen. Stattdessen wird in der grünen Bürgerversicherung ein Ehegattensplitting eingeführt. Ein Ehepaar mit Alleinverdiener, das heute den Höchstsatz von 313,65 Euro zahlen muss, wird dann bei einem Einkommen von 7000 Euro mit 542 Euro zur Kasse gebeten.

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