22.11.12

Familienunternehmen

Fachkräfte scheuen die deutsche Provinz

Den Familienunternehmen geht es gut. Vier von fünf Betrieben sind auf Wachstumskurs. Dennoch sorgen sich die Firmen um die Zukunft. Viele finden nur noch schwer qualifizierte Mitarbeiter.

Von Carsten Dierig
Foto: dpa

Produktion bei der Gerber Spitzen und Stickereien GmbH im vogtländischen Rebesgrün. Deutsche Familienunternehmen ringen um gut ausgebildete Arbeiter
Produktion bei der Gerber Spitzen und Stickereien GmbH im vogtländischen Rebesgrün. Deutsche Familienunternehmen ringen um gut ausgebildete Arbeiter

Deutschlands Familienunternehmen suchen händeringend nach Fachkräften. Schon jede zweite Firma findet nicht genug qualifiziertes Personal, heißt es in einer aktuellen Studie der Wirtschaftsberatungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PwC).

"Der Fachkräftemangel ist die alles überragende Herausforderung", sagte Peter Bartels, Vorstand und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC. Zwar sind die Firmen nicht selten Weltmarktführer in ihren Branchen und daher attraktiv für Jobsuchende. Im Gegensatz zu Großkonzernen sitzen die Betriebe aber meist in Kleinstädten oder gar Dörfern. Das schrecke gut ausgebildete Fachkräfte häufig ab.

Aus Bartels' Sicht müssen Familienunternehmen im Kampf um die Talente daher mit Arbeitszeitmodellen punkten. "Flexibilität ist das Hauptargument, mehr als die Gehaltshöhe." Führungskräfte könnte zudem eine Beteiligung am Unternehmen dauerhaft binden. Das allerdings passiert nur selten. Zwar vertrauen mittlerweile sechs von zehn Familienunternehmen auf die Expertise externer Manager in der Geschäftsführung, heißt es in der Studie.

Familien bleiben lieber unter sich

In gut jedem fünften Betrieb überlässt die Familie das operative Geschäft sogar vollständig Führungskräften von außen. Auf der Eigentümerseite allerdings bleiben die Familien lieber unter sich. Nur jedes zehnte Familienunternehmen in Deutschland hat seinen angestellten Top-Managern Gesellschafteranteile überschrieben. "Viele fürchten einen Identitätsverlust für das Unternehmen", sagte Bartels.

Doch der Fachkräftemangel ist nicht die einzige Herausforderung für Deutschlands Familienunternehmen. Zunehmend Sorge bereitet den Eigentümern auch der heftige Preiswettbewerb und vor allem die anhaltende Euroschuldenkrise. "Die Unsicherheit über den Euro – dass einzelne Länder aussteigen und die Eurozone auseinanderbricht – ist jetzt das Thema in den Unternehmen", sagte Experte Bartels. Zwar stehen die Familienunternehmen gut da. Vier von fünf Betrieben haben in den vergangenen zwölf Monaten ihren Umsatz gesteigert, heißt es in der PwC-Untersuchung. Damit liegen die heimischen Firmen deutlich über dem europäischen Durchschnitt.

Positiver Blick in die Zukunft

Und auch die Zukunft bewerten die befragten Unternehmen grundsätzlich positiv. Über 80 Prozent rechnen mit weiterem Wachstum in den kommenden Jahren, einige sogar mit sprunghaften Zuwächsen. Nur jeder hundertste Betrieb rechnet mit schlechteren Geschäften. Bricht die Eurozone aber tatsächlich auseinander, dürfte der absehbare Konjunkturschock jede Planung zunichte machen.

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