22.11.12

Lebensfeindlich

Dem Zwergplaneten Makemake fehlt jede Atmosphäre

Eine trickreiche Beobachtung mit Hilfe des Lichts eines fernen Sterns zeigt: Der erst 2005 entdeckte Zwergplanet Makemake am äußersten Rand unseres Sonnensystems ist noch unwirtlicher als gedacht.

Foto: dapd

Künstlerische Darstellung der Oberfläche des Zwergplaneten Makemake: Er ist so weit von der Sonne entfernt, dass seine Oberflächentemperatur bei rund 240 Grad unter Null liegt. Die Wärme, die er bekommt, ist laut Forschern vergleichbar mit der, die eine 100-Watt-Glühbirne auf ein Objekt in zehn Metern Entfernung abgibt
Künstlerische Darstellung der Oberfläche des Zwergplaneten Makemake: Er ist so weit von der Sonne entfernt, dass seine Oberflächentemperatur bei rund 240 Grad unter Null liegt. Die Wärme, die er bekommt, ist laut Forschern vergleichbar mit der, die eine 100-Watt-Glühbirne auf ein Objekt in zehn Metern Entfernung abgibt

Der eisige Zwergplanet Makemake am Rande unseres Sonnensystems hat anders als vermutet keine Atmosphäre. Das hat die trickreiche Beobachtung mit Hilfe des Lichts eines fernen Sterns enthüllt, die ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Nature" vorstellt.

Die Forscher gehen davon aus, dass es möglicherweise nur einige Atmosphären-Blasen auf dem Zwergplaneten gibt, die entstehen, wenn Methaneis zu Gas wird.

Der Zwergplanet, der ein Drittel kleiner ist als Pluto und noch deutlich weiter von der Sonne entfernt seine Bahn zieht, reflektiert demnach in etwa so gut wie schmutziger Schnee und hat eine rund 70 Prozent größere Dichte als Wasser.

Rund sieben Milliarden Kilometern von der Sonne entfernt

Makemake ist eine Eiswelt mit etwa 1500 Kilometern Durchmesser, die in rund sieben Milliarden Kilometern Entfernung um dieSonne kreist. Damit ist der Zwergplanet selbst für die größten irdischen Teleskope zu weit entfernt, um ihn genauer zu untersuchen.

Den Astronomen kam jedoch ein seltenes Himmelsereignis zu Hilfe: Sie hatten errechnet, dass Makemake auf seinem Weg über das irdische Firmament am 23. April 2011 kurzzeitig einen weit entfernten Stern verdecken würde.

Sieben Teleskopen nehmen Ereignis ins Visier

Die Forscher nahmen das Ereignis mit insgesamt sieben Teleskopen ins Visier, darunter das Very Large Telescope (VLT) der europäischen Südsternwarte ESO in Chile. Sie wollten unter anderem wissen, ob Makemake wie sein Nachbar Pluto eine Atmosphäre besitzt.

Diese hätte das Licht des fernen Sterns zunächst gedimmt, bevor er ganz von dem Zwergplaneten verdeckt wurde. Als Makemake vor dem Stern vorüberzog, verschwand dieser jedoch abrupt, statt allmählich zu verblassen, wie Forschungsleiter José Luis Ortiz vom Astrophysikalischen Institut Andalusiens im spanischen Granada berichtet.

Keine nennenswerte Atmosphäre

"Nach dem Ende der Bedeckung tauchte der Stern ebenso abrupt wieder auf. Das bedeutet, dass dieser Zwergplanet keine nennenswerte Atmosphäre haben kann", erläutert Ortiz in einer ESO-Mitteilung.

"Bisher sind wir davon ausgegangen, dass durchaus gute Chancen für das Vorhandensein einer Atmosphäre bestünden. Dass dem nicht so ist, zeigt uns wieder einmal, wie viel wir noch über diese rätselhaften Objekte lernen müssen.

Die erste genaue Untersuchung der Eigenschaften von Makemake ist ein großer Schritt für unser Verständnis der Mitglieder des exklusiven Clubs der eisigen Zwergplaneten."

Einer von fünf Zwergplaneten

Makemake ist einer von gegenwärtig fünf offiziell anerkannten Zwergplaneten, neben Ceres, Eris, Haumea und Pluto, der 2006 von der Internationalen Astronomischen Union zum Zwergplaneten degradiert worden war und damit Gründungsmitglied dieser neuen Klasse von Himmelskörpern wurde.

Anders als Pluto besitzt Makemake, dessen Name auf die Schöpfergottheit in der Mythologie der Osterinseln zurückgeht, keine bekannten Monde.

Den Messdaten zufolge hat Makemake die Form einer leicht abgeflachten Kugel mit einem Äquatordurchmesser von 1502 Kilometern und einem Poldurchmesser von 1430 Kilometern.

Seine Dichte beträgt 1,7 Gramm pro Kubikzentimeter, und er reflektiert mit rund 77 Prozent des einfallenden Sonnenlichts (Albedo von 0,77) besser als Pluto aber schlechter als der noch weiter außen kreisende Eris, bei dem ebenfalls keine Atmosphäre gefunden worden war.

Quelle: dpa/dapd/oc
Foto: Esi

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