22.11.2012, 12:27

Haushaltssanierung Griechenland buhlt um reiche Rentner aus Europa

Foto: Emily Wabitsch / dpa

Neuer Vorstoß zur Sanierung der Staatsfinanzen: Griechenland möchte wohlhabende Senioren aus Deutschland und anderen EU-Ländern anlocken – und verspricht ihnen finanzielle Vorteile.

Griechenland plant Steueranreize für wohlhabende Rentner aus EU-Ländern, die sich dauerhaft im Lande niederlassen oder dort einen Zweitwohnsitz erwerben wollen. Dies berichteten mehrere Medien unter Berufung auf Regierungsquellen.

Athen hofft auf eine Belebung des darniederliegenden Immobilienmarktes sowie des Konsums. Die Maßnahmen sollen am Freitag von einer Parteienkommission zur bevorstehenden Steuerreform diskutiert werden.

Zu den Plänen gehört eine drastische Senkung der Grunderwerbssteuer für die betreffenden Immobilienkäufer. Auch soll im Ausland erworbenes Einkommen nicht in Griechenland, sondern im Herkunftsland versteuert werden, selbst wenn der Steuerpflichtige mehr als ein halbes Jahr in Griechenland lebt.

Dauerhaftes Aufenthaltsrecht

Eine vergleichbare Regelung sei auch für andere einkommensstarke Ausländer wie Manager vorgesehen, schrieb eine Zeitung. Darüber hinaus sollen Bürger von Drittstaaten, die in Griechenland einen Erst- oder Zweitwohnsitz im Wert von mindestens 300.000 Euro erwerben, mit ihren Angehörigen ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht bekommen.

Mit einem vergleichbaren Vorstoß hatte gerade erst Spanien für Aufsehen gesorgt. Auch dort sollen Immobilienkäufer ein unbegrenztes Bleiberecht erhalten. Los geht es dort womöglich sogar schon ab 160.000 Euro.

Der Präsident des Münchner Ifo-Institutes, Hans-Werner Sinn, warnt derweil vor einer Fortsetzung der derzeitigen Griechenland-Politik. "Erst wenn der große Crash passiert ist, werden die Politiker einschneidende Maßnahmen treffen", sagte der Ökonom der Zeitung "Augsburger Allgemeine". Seiner Ansicht nach könne man auch jetzt schon die notwendigen Maßnahmen treffen. Die Politik lindere die Probleme aber stets nur mit immer neuem Geld.

Aus Sicht des Wirtschaftswissenschaftlers muss Athen mit einem Austritt aus der Währungsunion die Chance gegeben werden, sich in eine neue Umgebung mit eigener Währung zu versetzen. Die Währungsgemeinschaft müsse zudem auf einen "funktionsfähigen Kern" von Ländern verkleinert werden. Gingen die Krisenländer pleite, bedeute das für Deutschland Verluste von 500 bis 600 Milliarden Euro.

(dpa/dapd/lw)
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