20.11.12

Gruner + Jahr

Aus für Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland"

Kurz nach dem Aus für die "Frankfurter Rundschau" steht offenbar die nächste große Zeitung vor dem Ende: die "Financial Times Deutschland"

Foto: dpa

Der Chefredakteur der Financial Times Deutschland, Steffen Klusmann: Das Aus für die FTD ist laut einem Bericht beschlossene Sache
Der Chefredakteur der Financial Times Deutschland, Steffen Klusmann: Das Aus für die FTD ist laut einem Bericht beschlossene Sache

Der Verlag Gruner + Jahr (G + J) hat nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) die Einstellung der "Financial Times Deutschland" (FTD) beschlossen. Die Wirtschaftsblätter "Impulse" und "Börse Online" sollen verkauft werden, berichtet die "FAZ" am Dienstag in einer Vorabmeldung und beruft sich auf einen Vorstandsbeschluss. Der Titel "Capital" soll dagegen im Verlag erhalten bleiben.

Ausschlaggebend für den fast vollständigen Rückzug aus den Wirtschaftsmedien sei die schlechte Ertragslage: Sinkende Anzeigenerlöse und fallende Auflagen dürften in diesem Jahr zu einem Verlust von rund 15 Millionen Euro führen, davon entfallen laut "FAZ"-Bericht gut 10 Millionen Euro auf die "FTD".

Gruner + Jahr äußert sich nicht zu FTD-Aus

Ein Sprecher des Verlags Gruner + Jahr lehnte einen Kommentar zur dem "FAZ"-Bericht ab. Am Mittwoch kommt der Aufsichtsrat des Verlags zusammen, um über die "FTD" sowie die anderen Wirtschaftsmedien zu beraten. "FTD"-Chefredakteur Steffen Klusmann hatte am Dienstag in einem kurzen Text in seiner Zeitung erklärt, der Verlag prüfe "angesichts der Verluste, die diese Zeitung schreibt, verschiedene Optionen". Betroffen wären von den Maßnahmen insgesamt 330 Beschäftigte.

Die Börsen- und Finanzzeitung "FTD" wurde im Jahr 2000 gegründet und schreibt seitdem rote Zahlen. Die tägliche verkaufte Auflage liegt aktuell bei 102.000 Stück. Zuletzt hatte Gruner + Jahr 2009 die Redaktionen der "FTD" sowie "Capital" und "Impulse" aus Köln und "Börse Online" aus München in Hamburg zusammengelegt.

Die ganze Zeitungsbranche steht unter Druck

Mit der Einstellung der "FTD" wäre in diesem Monat eine zweite große Zeitung Opfer von den sinkenden Einnahmen im Print-Geschäft. Am 13. November hatte das Druck- und Verlagshaus, in dem die "Frankfurter Rundschau" erscheint, Insolvenzantrag gestellt. Vorher hatte die Zeitung über Jahre Verluste angehäuft.

Die ganze Zeitungsbranche steht unter Druck durch das Internet: Im Netz sind die meisten Informationen kostenlos und früher als in gedruckten Medien zu lesen. Die Verleger hatten es versäumt, ihre Internet-Angebote kostenpflichtig zu machen. Erst jetzt wacht die Branche auf und fordert an immer mehr Stellen Geld von den Nutzern. Führend in dieser Entwicklung ist der Axel Springer-Verlag.

Bereits in den vergangenen Tagen war über ein Aus für die "Financial Times Deutschland" und andere Wirtschaftstitel aus dem Hause Gruner + Jahr spekuliert worden. Am Mittwoch soll es eine Aufsichtsratssitzung bei dem Verlagshaus geben.

Kaufinteressen für "Frankfurter Rundschau"

Für die insolvente "Frankfurter Rundschau" (FR) gibt indes erste Kaufinteressenten, wie ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters sagte. Es liefen Gespräche mit "mehreren Interessenten". Es handle sich dabei um "namhafte" Verhandlungspartner. Insolvenzverwalter Frank Schmitt habe "das Gefühl, dass es ernsthafte Interessenten" seien.

Einzelheiten zu den möglichen Käufern wie etwa, aus welcher Branche sie kommen und ob es sich um Investoren aus Deutschland oder anderen Ländern handelt, wollte der Sprecher nicht nennen. Grund hierfür sei, dass die Gespräche "noch ganz am Anfang" stünden. Demnach hatten die Verhandlungen am Montag begonnen.

Das Verlagshaus der "Frankfurter Rundschau" hatte vergangene Woche beim Amtsgericht Frankfurt am Main überraschend Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Die bisherigen Haupteigentümer, die Kölner Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg und die SPD-Medienholding DDVG, nannten als Grund massive Umsatzverluste, aufgrund derer sie keine Perspektive zur Fortführung der FR mehr gesehen hätten.

In der deutschen Medienbranche sorgen derzeit mehrere Ereignisse für Beunruhigung. Das Aus für die "Financial Times Deutschland" wäre ein neuer Höhepunkt. Anfang Oktober bereits hatte die Nachrichtenagentur dapd teilweise Insolvenz angemeldet.

Quelle: AFP/dapd/nbo
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