19.11.12

Kinderbetreuung

Arbeitgeber lehnen Kristina Schröders Großelternzeit ab

Familienministerin Schröder möchte auch Großeltern eine berufliche Auszeit ermöglichen. Doch Spitzenverbände warnen vor hohen Kosten.

Foto: Infografik Die Welt

Verteilung und Höhe des Elterngeldes
Verteilung und Höhe des Elterngeldes

Die Arbeitgeber laufen Sturm gegen Pläne der Bundesregierung zur Einführung einer Großelternzeit. Der Gesetzentwurf von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) sieht vor, dass künftig neben Eltern auch Oma und Opa eine berufliche Auszeit von bis zu drei Jahren nehmen können. Die Wirtschaft allerdings will diese Regelung verhindern. Der Anspruch auf Großelternzeit sei überflüssig, heißt es in einer Stellungnahme des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). "Er belastet die Unternehmen unangemessen." In die gleiche Kerbe schlug auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA): Die Arbeitgeber fordern vielmehr, die bestehende Elternzeit für Mütter und Väter von drei Jahren auf maximal zwölf Monate zu verkürzen – was die Regierung empört ablehnt.

Schröder plant, die Großelternzeit noch in dieser Legislaturperiode einzuführen. Die Ministerin will damit "den Bedürfnissen von erwerbstätigen Eltern besser Rechnung tragen", lautet die Begründung im entsprechenden Gesetzentwurf. Der Anspruch auf Großelternzeit soll ungeachtet von Alter und beruflicher Situation der Eltern bestehen. Das Recht auf Freistellung und Kündigungsschutz soll zudem auch dann gelten, wenn parallel die Eltern eine Auszeit nehmen. Nach derzeitigem Recht gibt es einen Anspruch auf Großelternzeit, wenn die Eltern des Kindes minderjährig sind.

Schröder will zudem auch für Eltern flexiblere Regelungen durchsetzen. So sollen Mütter und Väter künftig bis zu 24 Monate der Erziehungszeit zu einem späteren Zeitpunkt nehmen dürfen. Bislang können Eltern lediglich zwölf Monate übertragen. Der Übertragungszeitraum soll von derzeit acht Lebensjahren bis zum 14. Lebensjahr verlängert werden.

Kritik an Familienpolitik

Der Wirtschaft gehen diese Pläne viel zu weit. Der DIHK bemängelt, dass künftig sechs Personen statt wie bisher zwei zeitweise Anspruch darauf haben, dass der Arbeitsplatz freigehalten werden kann. Darüber hinaus sei vorgesehen, dass ein größerer Anteil der Elternzeit einen späteren Zeitpunkt übertragen werden könne. "Auf die Unternehmen kämen damit zusätzliche Bürokratiekosten und ein erheblicher organisatorischer Mehraufwand zu", beklagt der Verband.

Das Familienministerium geht davon aus, dass von der Großelternzeit lediglich 30.000 Personen im Jahr Gebrauch machen werden. Das wäre jeder zehnte der berechtigten Großväter und Großmütter. Insgesamt rechnet Schröder mit Kosten für die Wirtschaft in Höhe von 57,9 Millionen Euro. "Die Realitätsnähe dieser Annahmen ist zweifelhaft", kritisiert der DIHK, der von deutlich höheren Kosten für die Organisation einer Vertretung und der Einarbeitung ausgeht. "Gerade ältere Arbeitnehmer sind oftmals hoch spezialisierte Wissensträger, die in einem Unternehmen nicht ohne Weiteres zu ersetzen sind", argumentiert der Wirtschaftsverband. Für nicht ausreichend hält der DIHK die geplante Ausnahmeregelung für Betriebe mit bis zu 15 Mitarbeitern. Es sollten vielmehr alle Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten von der Großelternzeit ausgenommen werden.

Kristina Schröder erteilt Verkürzung der Elternzeit kategorisch Absage

Der Verband der Metall- und Elektroindustrie Gesamtmetall stellt der Familienpolitik der Bundesregierung ein schlechtes Zeugnis aus. "Die Politik hat flächendeckende Kinderbetreuungsmöglichkeiten versprochen und das Versprechen nicht gehalten", sagte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger Morgenpost Online. Nun versuche die Politik zum einen, mit dem Betreuungsgeld und der Großelternzeit den Betreuungsbedarf zu senken, und zum anderen, mit der Schaffung weiterer Teilzeitansprüche die Organisation auf die Unternehmen abzuwälzen, monierte der Unternehmer. "Die vorgeschlagene Großelternzeit führt im Extremfall dazu, dass nach Geburt eines Kindes drei Personen Anspruch auf Erziehungszeiten haben. Das ist wenig sinnvoll", sagte Dulger.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt nahm die geplante Ausweitung der Elterngeldregelung zum Anlass, eine radikale Kürzung des Anspruchs für Eltern zu verlangen. "Sobald der Ausbau der Kinderbetreuung gewährleistet sei, sollte die Elternzeit stufenweise auf zwölf Monate abgesenkt werde", hatte er gefordert. Die Familienministerin wies die Forderung nach Verkürzung der Elternzeit kategorisch zurück. Die Familien hätten eigene Bedürfnisse und seien keine ökonomische Verfügungsmasse. Auch die Unionsfraktion und selbst die FDP erteilten Hundts Vorstoß eine Absage. Er sehe keinen Grund, die derzeitige Regelung infrage zu stellen, sagte FDP-Generalsekretär Patrick Döring. Dies könne sich aber ändern, wenn es für Kinder bessere Betreuungsmöglichkeiten gäbe. Auch über bessere Teilzeitregelungen könnten Frauen schneller in den Beruf. "Der Blick auf die Elternzeit alleine erscheint mir etwas zu kurzsichtig", sagte Döring. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wollte sich nicht zu Hundts Forderungen äußern.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Eine Sambatänzerin beim Festumzug des Karnevals der Kulturen der Welt teil
09:56Umzug in Kreuzberg
Karneval der Kulturen - So feierte Berlin seine Vielfalt

Pfingsten ist die Zeit der Berliner Version des Karnevals: Am Sonntag zeigte sich Kreuzberg besonders bunt - beim großen Umzug. Rund 700.000 Menschen feierten mit. Das Fest in Bildern und Videos. mehr...

title
19.05.13Wiederaufstieg
Blau-weißer Feiertag - Hertha beendet Saison mit Punkterekord

Hertha BSC beendet die Saison mit einem 1:1-Unentschieden im Berlin-Brandenburg-Derby gegen Energie Cottbus. Mit 76 Zählern stellt das Team von Trainer Jos Luhukay einen neuen Punkterekord auf. mehr...

Sonne in Berlin
19.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Montag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Montag, den 20. Mai. mehr...


Die Füchse sind in Europa dabei
09:26Handball
Füchse Berlin spielen nächste Saison in Europa mit

Die Füchse haben sich für den Europacup qualifiziert. Durch den Pokalsieg der Rhein-Neckar Löwen ist den Berliner ein EHF-Startplatz sicher. Und es gibt noch Chancen auf die Champions League. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. WirtschaftGerechte LöhneSchweizer zanken über revolutionäres Lohnmodell
  2. 2. AuslandSturm im WasserglasViktor Orbán verbittet sich deutsche Einmischung
  3. 3. AuslandDiplomatische PanneMutmaßlicher CIA-Agent verlässt offenbar Russland
  4. 4. VerbraucherGesundheitPflege aus Osteuropa – Ein riskantes Sparmodell
  5. 5. WeltgeschehenNiederlandeVermisste Jungen Julian und Ruben tot aufgefunden
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Straßenfest

Karneval der Kulturen 2013

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote