19.11.12

Stiftung Warentest

Hersteller verbessern Produkte offenbar für Tests

Hersteller sollen Produkte vor dem Warentest manipuliert haben. Der Chef-Tester berichtet vom hektischen Treiben vor Untersuchungen in den Unternehmen. Verbraucherschützer fordern häufigere Tests.

Foto: dapd

Die Zentrale der Stiftung Warentest in Berlin. Der Test von Orangensaft hat in der Branche Unruhe ausgelöst
Die Zentrale der Stiftung Warentest in Berlin. Der Test von Orangensaft hat in der Branche Unruhe ausgelöst

Hersteller von Wasch- und Lebensmitteln sollen in der Vergangenheit mehrfach getrickst haben, um Bewertungen bei der Stiftung Warentest zu manipulieren.

Offenbar veränderten mehrere Firmen gezielt die Zusammensetzung ihrer Produkte, weil sie vorab von einem Test erfuhren. Ein solches Vorgehen sei eine fortlaufende Erfahrung der Stiftung, sagte ihr Leiter der Untersuchungsabteilung, Holger Brackemann, der Nachrichtenagentur dapd.

Damit bestätigte Brackemann Informationen, die aus einer Anfrage der Internetplattform populeaks.org hervorgingen. Auch Verbraucherschützer bestätigten, dass Unternehmen zunehmend feinfühlig bei öffentlicher Kritik seien. Die Verbraucherzentrale forderte mehr Folgetests, die derartigen Schwindel aufdecken.

Die Sprecherin der Stiftung Warentest, Heike van Laak, berichtete der Plattform populeaks.org von Produktveränderungen bei Waschmitteln. Dadurch wollten die Hersteller anscheinend besser abschneiden: "Nach der Testveröffentlichung ist dann wieder zur alten Rezeptur zurückgekehrt worden", schrieb van Laak.

Verbraucherschützer schlagen häufigere Tests vor

Brackemann ergänzte, dass den Profi-Testern auch ein Fall aus der Branche der Getränkehersteller bekannt geworden sei: "Vor einem unserer Orangensafttests war in der Branche Unruhe." Daraufhin habe die Stiftung ihre Arbeitsabläufe verändert. Seitdem werde im Kuratorium, das den Test unterstütze, nur noch etwa von einem "Test von Säften" gesprochen – ohne das genaue Segment zu benennen.

Offenbar seien über Sachverständige aus diesen Gremien Informationen an die Hersteller gedrungen, sagte Brackemann und erläuterte: "Es gibt ein sehr hohes Interesse der Wirtschaft, von unseren Tests vorab zu erfahren." Aus der jüngsten Vergangenheit gebe es keine Erkenntnisse über gezielte Veränderungen.

Dennoch forderte der Bundesverband der Verbraucherzentrale häufigere Tests oder Stichproben, um das renommierte Testurteil nicht durch Tricks zu beschädigen. Ernährungsreferentin Jutta Jaksche sagte der dapd, es müsse in "zeitlich vertretbaren Abständen" nachkontrolliert werden. Viele Hersteller beriefen sich noch heute auf ein Testurteil etwa aus dem Jahr 2008 – dieser Zeitraum sei meist zu lang, besonders wenn das Urteil verfälscht wurde. "Sonst verliert die Aussage des Tests an Glaubwürdigkeit und diese ist ein hohes Gut im Marketing", sagte Jaksche.

Kinderwurst und Tee nach Kritik aus den Regalen verschwunden

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch bestätigte, dass Unternehmen auf Kritik zunehmend dünnhäutig reagierten. Sprecher Andreas Winkler sagte: "Es ist für die Hersteller zunehmend schwieriger geworden, Kritik zu ignorieren. Das Thema Etikettenschwindel ist in den vergangenen Jahren in der Öffentlichkeit ein größeres geworden." Die Bundesregierung habe mittlerweile das Problem erkannt und das Informationsportal lebensmittelklarheit.de ins Leben gerufen.

Auch Foodwatch habe erlebt, dass Firmen unmittelbar reagieren, wenn ihren Produkten Ungemach droht. So habe die Marke Gutfried eine Kinderwurst vom Markt genommen, just nachdem Mitarbeiter von Foodwatch sich nach ihr erkundigt hatten.

Erst vor wenigen Wochen stellte der Babykosthersteller Hipp Kindertees vom Markt, nachdem Foodwatch deren hohen Zuckergehalt öffentlich kritisiert hatte. Den Tees sei ein Preis für die "dreisteste Werbelüge" verliehen worden. Mittlerweile verkaufe Hipp einfache Teebeutel statt Instant-Tees, sagte Winkler.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
title
Aktualisiert vor 5 MinutenLiveblog
Obama in Berlin – Erstes Hitzeopfer auf dem Pariser Platz

US-Präsident Barack Obama, Ehefrau Michelle und die Töchter Sasha und Malia sind in Berlin. Ihre Nacht im Hotel Ritz-Carlton ist vorbei. Nun absolvieren sie ein eng getaktetes Programm. Der Liveblog. mehr...

U.S. first lady Michelle Obama and her daughters Sasha and Malia place flowers as they visit the Berlin Wall memorial in Bernauer Strasse in Berlin
Aktualisiert vor 15 MinutenFirst Lady
Michelle Obama in Berlin - Besuch an Mauer und Todesstreifen

Michelle Obama absolviert mit den beiden Töchtern zum Teil ein eigenes Programm. Dabei könnte es einige Überraschungen geben. Der Liveblog. mehr...

Obama in Berlin
14:40Obama in Berlin
Michelle Obama und die Farben des Sommers - eine Stilkritik

Besonders Michelle Obama zieht mit ihrem Outfit die Blicke auf sich. Ihre Töchter Sasha und Malia stehen ihr da in nichts nach. Wir zeigen, wie stylish der Berlin-Ausflug der Präsidentenfamilie ist. mehr...


Merkel bei der Pressekonferenz: „Das Internet ist für uns alle Neuland“
14:42Reaktionen im Web
Obama in Berlin - Merkel im #Neuland

"Das Internet ist für uns alle Neuland", hat Angela Merkel bei der Pressekonferenz mit Barack Obama gesagt. Das sorgt für Spott im Netz: #Neuland wurde schnell zum Top-Schlagwort bei Twitter. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
Berlin-Besuch Absperrungen und Hitze am Brandenburger Tor
Deutschland-Besuch Familie Obama zu Gast in Berlin
Berlin-Besuch Obama von Bundespräsident Gauck empfangen
Berlin US-Präsident Obama erreicht das Ritz-Carlton
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
US-Präsident

Barack Obama und sein Tag in Berlin

Eigenes Programm

First Lady Michelle Obama in Berlin

First Lady

Das ist die Stilikone Michelle Obama

Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote