19.11.12

Weltbank-Klimareport

Hitzewellen, Meeresspiegel-Anstieg, Missernten

Regierungen sollten nach Ansicht der Weltbank Kohlesubventionen streichen und dafür alternative Energien fördern. Ohne ein Umdenken könne sich die Erde um vier Grad erwärmen – mit dramatischen Folgen.

Quelle: dapd
23.08.12 0:58 min.
Die vertrockneten Maiskolben sind kaum mehr als solche zu erkennen. In Bosnien folgte nach einem besonders harten Winter die Rekord-Hitze. Das Land leidet unter der schlimmsten Dürre seit 40 Jahren.

Die Weltbank warnt eindringlich vor den drastischen Folgen der Erderwärmung. In ihrem jüngsten Klima-Bericht rief sie Regierungen weltweit dazu auf, die rund eine Billion Dollar (etwa 775 Milliarden Euro) umfassenden Subventionen für Kohle und andere fossile Brennstoffe in alternative Energien umzulenken. Zugleich veröffentlicht die Berliner "Tageszeitung" ein Arbeitspapier des Weltklimarates, wonach die politisch vereinbarte Begrenzung der Erwärmung auf zwei Grad kaum noch erreichbar sei.

"Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen für die Entwicklung, und wir müssen die moralische Verantwortung dafür übernehmen, im Namen kommender Generationen zu handeln, besonders für die Ärmsten", sagte Weltbank-Chef Jim Yong Kim laut Mitteilung. "Eine vier Grad wärmere Welt kann und muss vermieden werden – wir müssen die Erwärmung unter zwei Grad halten."

Der Report basiert auf einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Organisation Climate Analytics in Berlin. Demnach befindet sich die Welt auf einem Kurs, der schon bis Ende des Jahrhunderts zu einer Erderwärmung von vier Grad Celsius führen dürfte.

Hitzewellen und Missernten

Die dadurch verursachten Risiken liegen nach Angaben des PIK außerhalb der Erfahrung unserer Zivilisation: "Dazu zählen Hitzewellen, besonders in den Tropen, ein Hunderte Millionen Menschen betreffender Anstieg des Meeresspiegels und Missernten, welche die globale Ernährungssicherheit gefährden." Der Meeresspiegel könnte nach Angaben der Forscher um bis zu 100 Zentimeter ansteigen – besonders vor Ländern wie den Philippinen, Mexiko und Indien.

"Der einzige Weg, dies zu vermeiden, ist ein Bruch mit den vom Zeitalter fossiler Brennstoffe geprägten Mustern von Produktion und Konsum", sagte PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber. Er mahnte, eine Erwärmung über zwei Grad könne sogenannte Kipp-Effekte mit unumkehrbaren Folgen auslösen. So führe eine bestimmte Temperaturerhöhung bei wichtigen Getreidesorten zu großflächigen Ernteausfällen. Auch könne das Eisschild Grönlands unwiderruflich schmelzen.

Eisflächen schmelzen schneller

Nach dem Arbeitspapier des Weltklimarates erwärmt sich die Erde schneller als bislang gedacht, wie die "taz" berichtet. Es sei "zumindest wahrscheinlich, dass bis 2100 die Erwärmung zwei Grad Celsius übersteigt", sollten die Treibhausgasemissionen so weitergehen wie bislang, zitiert die Zeitung aus dem internen Berichtsentwurf. Dafür hätten Hunderte Klimawissenschaftler den aktuellen Stand der Forschung zusammengetragen. Demnach schmelzen zudem die Eisflächen schneller als bislang angenommen, und der Meeresspiegel steigt höher.

Die Landpflanzen und Böden speichern diesen Angaben zufolge weniger Kohlendioxid als gehofft, und die Meere versauern schneller. Nach "taz"-Angaben stammen die Daten aus einem Entwurf für den ersten Teil des 5. IPCC-Berichts. Am 26. November beginnt in Doha (Katar) der 18. UN-Klimagipfel, bei dem weiter über die Reduktion der Treibhausgase verhandelt werden soll.

Quelle: dpa/bas
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