16.11.12

Zugausfälle

Die Bahn wird auch gegen diesen Winter verlieren

Sobald es in Deutschland kalt und frostig wird, werden die Bahnkunden diesen Winter wieder mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen müssen. Denn der Bahn fehlen die notwendigen Ersatzzüge.

Von Nikolaus Doll
Foto: dapd

Ein Mitarbeiter von Siemens arbeitet in Krefeld im Siemens-Werk an einem Triebwagen des ICE der Baureihe 407
Ein Mitarbeiter von Siemens arbeitet in Krefeld im Siemens-Werk an einem Triebwagen des ICE der Baureihe 407

Zum Ende der Woche hat es Siemens dann doch noch geschafft. Am Freitag wurden der Deutschen Bahn zwei weitere ICE-Züge der neuesten Generation übergeben. Damit verfügt der DB-Konzern nun über drei der vor rund vier Jahren bestellten 16 Superschnellzüge – doch das ist keine Erfolgsmeldung, sondern das Eingeständnis eines neuen Rückschlags für Siemens.

Denn eigentlich sollten bis zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember acht der Züge einsatzbereit sein. Doch dieser Zeitplan ist nicht mehr zu halten. Damit ist klar, dass der Bahn auch in diesem Winter die dringend nötigen Reserven im Fernverkehr fehlen. Herrscht über Tage scharfer Frost, sind Zugausfälle und Verspätungen praktisch programmiert.

Grund sind der chronische Mangel an Fernzügen bei der Bahn, vor allem aber das Dauerproblem des Lieferanten Siemens bei den neuen ICE-Zügen. Es ist noch gar nicht lange her, da hatte Siemens der Bahn im Beisein von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zugesichert, die ersten acht der Züge würden am 23. November die Zulassung vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA) erhalten und stünden zum Fahrplanwechsel bereit.

Neue technische Probleme

Doch nach Informationen der "Welt" gibt es erneut technische Probleme. Die Software der hochkomplexen Züge bereitet Schwierigkeiten. "Die Zeit von Bestellung bis Lieferung war einfach zu kurz. Die Komplexität der Materie wurde unterschätzt", räumt ein Siemens-Mitarbeiter ein. Offiziell heißt es seitens des Hochtechnologiekonzerns: "Die Übernahmeprüfungen dauern an."

Das Verhältnis von Bahn und Siemens hat damit einen neuen Tiefpunkt erreicht. Denn offiziell ist die Bahn noch gar nicht darüber informiert, dass die Münchner nach mehrmaligen Verschiebungen auch den neuen Termin reißen werden. "Wir haben keine entsprechende Mitteilung", heißt es bei der Bahn.

Nur auf Arbeitsebene habe man dem Großkunden DB inzwischen signalisiert, dass die technischen Probleme nicht so schnell in den Griff zu kriegen seien. Inzwischen hat Bahn-Chef Rüdiger Grube einen Brief an Siemens-Chef Löscher geschrieben und um Aufklärung gebeten.

Züge werden als Reserve genutzt

Die bestellten Züge, jeder mit einem Wert von rund 35 Millionen Euro, sollten seit Monaten im Einsatz sein. Nachdem klar war, dass Siemens an der zweifellos kniffligen Herausforderung bislang gescheitert ist, die Züge fristgerecht für den Einsatz auf mehreren Schienennetzen in Europa fit zu machen, beschloss die Bahn die Züge als Reserve im Inland zu nutzen.

Das ist auch dringend nötig, denn für die Flotte der DB gibt es kaum Puffer, wenn Züge ausfallen. Hauptgrund sind die Probleme mit den Achsen beim ICE 3 und ICE T. Nach einem Achsbruch müssen die Züge per Erlass des EBA in kurzen Abständen zum Sicherheitscheck. Doch der dauert im Winter lange, denn dafür müssen die Achsen aufwendig enteist werden. Deshalb fehlen der Bahn derzeit rechnerisch zwölf ICEs – der Mangel sollte durch die neuen Modelle von Siemens gemildert werden.

Siemens dagegen hält es für nicht ausgeschlossen, dass die Bahn bis zum 9. Dezember die vereinbarten Züge bekomme. Nur das allein nützt der DB nichts, das Personal muss auf den neuen Zügen ausführlich geschult werden. Und das dauert.

Quelle: dapd
18.09.12 1:23 min.
Mit dem neuen Fernzug ICx will die Deutsche Bahn die Verkehrsprobleme der Zukunft lösen und Bahnreisen wieder attraktiver machen. Ein Designmodell des Triebkopfes hat das Unternehmen vorgestellt.
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