16.11.2012, 11:25

Möbelproduktion Ikea räumt DDR-Zwangsarbeit für seine Produkte ein

Foto: Jens Kalaene / dpa

Der Möbelkonzern hat eine Studie zum Einsatz von politischen Häftlingen in DDR-Betrieben in Auftrag gegeben. Das Echo darauf ist gespalten.

Nach Medienberichten räumt der schwedische Möbelkonzern Ikea ein, dass Zwangsarbeit zur Fertigung seiner Produkten in der DDR stattgefunden hat. Das sei das Ergebnis einer Studie, die am Freitag in Berlin vorgestellt werden soll. Allerdings, so berichtete die "Mitteldeutsche Zeitung" aus Halle, seien den Ergebnissen der Studie zufolge die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ikea und der DDR sehr verschachtelt gewesen. Daher sei nicht in allen Fällen klar gewesen, ob das Unternehmen über die Zwangsarbeit und ihre Umstände voll unterrichtet war.

Erarbeitet hat die Studie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Ikea hatte nach Berichten im schwedischen Fernsehen und in deutschen Medien in diesem Jahr die Untersuchung in Auftrag gegeben.

Der Vorsitzende der Union der Opferverbände der kommunistischen Diktatur (UOKG), Rainer Wagner, lobte das Vorgehen des Konzerns: "Ikea legt jetzt eine sehr ordentliche Verhaltensweise an den Tag – im Gegensatz zu vielen anderen Firmen, die in der DDR haben arbeiten lassen." Ikea sei "möglicherweise die am wenigsten belastete der beteiligten Firmen überhaupt". Wagner forderte jedoch: "Mittelfristig muss eine Entschädigung für die Zwangsarbeiter kommen – und zwar von allen Verstrickten."

Dagegen hat bei dem mit der UOKG verfeindeten Verband DDR-Opfer-Hilfe schon vor Bekanntwerden des Studie scharfe Kritik geübt: "Ikea als Beschuldigter führt selbst die Ermittlungen, anstatt das unvoreingenommenen Stellen zu überlassen", sagte der stellvertretende Vorsitzende Roland Schulz: "Deshalb bezweifeln wir sehr, dass die Studienergebnisse valide sind." Der Verband rege an den Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin das Thema Zwangsarbeit in der DDR untersuchen zu lassen.

(BMO)
Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter