16.11.2012, 07:57

Eigenkapital Deutsche Bank drängt USA zu Basel III

Foto: Arne Dedert / dpa

Von Januar 2013 an sollten für Banken strengere Regeln gelten. Nun versuchen die USA das zu verzögern. Der Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, warnt vor Wettbewerbsverzerrungen.

Jürgen Fitschen, einer der beiden Chefs der Deutschen Bank, hat vor einer verzögerten Einführung der verschärften Kapitalregeln für Großbanken in den USA gewarnt. Dadurch könnten die transatlantischen Beziehungen leiden, sagte Fitschen in Frankfurt. Er könne nur alle Beteiligten aufrufen, so schnell wie möglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um das Vertrauen wieder herzustellen.

Das Regelwerk Basel III sollte ursprünglich zum 1. Januar 2013 in Kraft treten. Allerdings treten die USA auf die Bremse: Die Notenbank Fed, der Einlagensicherungsfonds FDIC und die Bankenaufsichtsbehörde OCC erklärten jüngst, die neuen Vorschriften würden nicht zu Jahresbeginn in Kraft treten.

Fitschen warnt vor Wettbewerbsverzerrungen

Während die Deutsche Bank versucht, die neuen Regeln schnellstmöglich umzusetzen, treten die US-Wettbewerber auf die Bremse. Der US-Widerstand gegen die Regeln untergrabe die Glaubwürdigkeit des globalen Regelwerks und könne zu Wettbewerbsverzerrungen führen, warnte Fitschen. Dies könne sich potenziell auch auf die Deutsche Bank auswirken, fügte er hinzu.

Die neuen Basel-III-Vorschriften zwingen die Geldinstitute dazu, ihre Risiken mit mehr Kapital abzusichern. Die bessere Vorsorge soll verhindern, dass sie in künftigen Finanzkrisen erneut von den Steuerzahlern gerettet werden müssen.

Diese greift tief in die Bilanzen ein: So müssen die Geldinstitute künftig sieben Prozent voll haftendes, "hartes" Kernkapital (Aktien, Gewinnrücklagen) zurückhalten, um ihre Bilanzrisiken abzusichern – bisher waren es zwei Prozent. Durch zusätzliche Puffer können die Kapitalanforderungen weiter erhöht werden, etwa um Risiken im Weltfinanzsystem oder einen Konjunkturabschwung abzuwehren.

Fitschen glaubt an Lösung der Euro-Krise

Deutsche-Bank-Co-Chef Fitschen sagte weiter, er glaube fest an eine Lösung der Euro-Schuldenkrise. Allerdings müssten sich auch Nachbarländer wie Frankreich stärker reformieren und im Zweifel den Gürtel enger schnallen.

Der französische Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault hat erst wenige Stunden zuvor in Berlin versucht, Zweifel am Reformwillen seiner sozialistischen Regierung zu zerstreuen. Nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte er, Frankreich wolle das vereinbarte Defizitziel von drei Prozent in 2013 einhalten und dennoch für mehr Wachstum sorgen.

(Reuters/Bloomberg/dma)
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