16.11.12

Eigenkapital

Deutsche Bank drängt USA zu Basel III

Von Januar 2013 an sollten für Banken strengere Regeln gelten. Nun versuchen die USA das zu verzögern. Der Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, warnt vor Wettbewerbsverzerrungen.

Foto: dpa

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. Das Geldhaus fordert von den USA eine zügige Umsetzung von Basel III
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. Das Geldhaus fordert von den USA eine zügige Umsetzung von Basel III

Jürgen Fitschen, einer der beiden Chefs der Deutschen Bank, hat vor einer verzögerten Einführung der verschärften Kapitalregeln für Großbanken in den USA gewarnt. Dadurch könnten die transatlantischen Beziehungen leiden, sagte Fitschen in Frankfurt. Er könne nur alle Beteiligten aufrufen, so schnell wie möglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um das Vertrauen wieder herzustellen.

Das Regelwerk Basel III sollte ursprünglich zum 1. Januar 2013 in Kraft treten. Allerdings treten die USA auf die Bremse: Die Notenbank Fed, der Einlagensicherungsfonds FDIC und die Bankenaufsichtsbehörde OCC erklärten jüngst, die neuen Vorschriften würden nicht zu Jahresbeginn in Kraft treten.

Fitschen warnt vor Wettbewerbsverzerrungen

Während die Deutsche Bank versucht, die neuen Regeln schnellstmöglich umzusetzen, treten die US-Wettbewerber auf die Bremse. Der US-Widerstand gegen die Regeln untergrabe die Glaubwürdigkeit des globalen Regelwerks und könne zu Wettbewerbsverzerrungen führen, warnte Fitschen. Dies könne sich potenziell auch auf die Deutsche Bank auswirken, fügte er hinzu.

Die neuen Basel-III-Vorschriften zwingen die Geldinstitute dazu, ihre Risiken mit mehr Kapital abzusichern. Die bessere Vorsorge soll verhindern, dass sie in künftigen Finanzkrisen erneut von den Steuerzahlern gerettet werden müssen.

Diese greift tief in die Bilanzen ein: So müssen die Geldinstitute künftig sieben Prozent voll haftendes, "hartes" Kernkapital (Aktien, Gewinnrücklagen) zurückhalten, um ihre Bilanzrisiken abzusichern – bisher waren es zwei Prozent. Durch zusätzliche Puffer können die Kapitalanforderungen weiter erhöht werden, etwa um Risiken im Weltfinanzsystem oder einen Konjunkturabschwung abzuwehren.

Fitschen glaubt an Lösung der Euro-Krise

Deutsche-Bank-Co-Chef Fitschen sagte weiter, er glaube fest an eine Lösung der Euro-Schuldenkrise. Allerdings müssten sich auch Nachbarländer wie Frankreich stärker reformieren und im Zweifel den Gürtel enger schnallen.

Der französische Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault hat erst wenige Stunden zuvor in Berlin versucht, Zweifel am Reformwillen seiner sozialistischen Regierung zu zerstreuen. Nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte er, Frankreich wolle das vereinbarte Defizitziel von drei Prozent in 2013 einhalten und dennoch für mehr Wachstum sorgen.

Quelle: Reuters/Bloomberg/dma
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Was hinter Basel III steckt
  • Begriff

    Die "Basel III" genannten Eigenkapitalregeln sind wesentliches Element der Reformen, die die wichtigsten Wirtschaftsmächte (G20) als Konsequenz aus der Finanzkrise gezogen haben. Der Begriff "Basel III" bezeichnet das Reformpaket des „Basler Ausschusses der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

  • Vorgaben

    Banken weltweit müssen künftig mehr eigenes Kapital von besserer Qualität vorhalten, um Risiken aus Kreditgeschäften absichern zu können. So soll vermieden werden, dass wieder die Steuerzahler mit Milliarden-Rettungshilfen einspringen müssen, wenn eine Bank in Schieflage gerät. Banken sollen sich im Krisenfall also aus eigener Kraft stabilisieren und retten und auch über längere Stressphasen hinweg Verluste auffangen können.

  • Umsetzung

    Die neuen globalen Kapital- und Liquiditätsvorschriften hatten die Bankenaufseher im Baseler Ausschuss bereits im September 2010 vereinbart. Jetzt geht es um letzte Details und die Umsetzung. Die Banken müssen die Vorgaben schrittweise von 2013 bis 2019 einhalten.

  • Kapitalformen

    Es gibt unterschiedliche Eigenkapitalformen. Zur Absicherung der Risiken ist aber vor allem das Kernkapital wichtig. Es gibt "hartes" und "weiches" Kernkapital, wobei in Turbulenzen und für die Stabilität das "harte" Kernkapital entscheidend ist. Das besteht unter anderem aus eigenen Aktien der Bank und einbehaltenen Gewinnen

  • Kernkapitalquote

    Die sogenannte Kernkapitalquote weist aus, wie viele mit Risiko behaftete Positionen – vor allem Kredite – durch eigenes Kernkapital abgedeckt sind, wie groß also letztlich der eigentliche Puffer ist.

  • Aufschläge

    Die "harte" Kernkapitalquote soll von jetzt zwei auf sieben Prozent steigen. Zusätzlich sollen künftig strengere Regeln gelten, was zum Kernkapital gezählt wird. Hinzu kommen weitere Puffer, um etwa das Auf und Ab von Konjunkturphasen zu dämpfen. Unterm Strich addieren sich die Eigenkapitalanforderungen auf 10,5 Prozent. Damit wird die Quote von vor der Krise etwas erhöht. Die EU-Staaten streiten derzeit unter anderem über nationale Aufschläge.

  • Widerstand

    Widerstand kommt aus den USA, wo die Vorgängerrichtlinien "Basel I" und "Basel II" noch gar nicht oder nur in Teilen umgesetzt wurden. Die US-Notenbank Fed hatte aber den Europäern zugesagt, dass "Basel III" zumindest für die größten heimischen Banken wirksam werde.

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