15.11.12

3. Quartal

Nur noch Mini-Wachstum für deutsche Wirtschaft

Gerade noch im Plus: Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal nur marginal gewachsen, nun droht Stagnation. Besser als erhofft läuft es hingegen in Frankreich.

Foto: dpa

Containerterminal in Hamburg: Auch dort hat sich zuletzt die sich abkühlende Konjunktur bemerkbar gemacht
Containerterminal in Hamburg: Auch dort hat sich zuletzt die sich abkühlende Konjunktur bemerkbar gemacht

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich im dritten Quartal verlangsamt. Anziehende Exporte und Konsumausgaben ließen das Bruttoinlandsprodukt zwischen Juli und September um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal steigen, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Dagegen investierten die Unternehmen erneut weniger. Im Frühjahr legte die Wirtschaft noch um 0,3 Prozent zu, am Jahresbeginn um 0,5 Prozent. 50 von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten im Schnitt mit einem Plus von 0,2 Prozent im Sommer gerechnet.

"Positive Impulse kamen aus dem Ausland", schrieben die Statistiker. "Nach vorläufigen Berechnungen stiegen die Exporte von Waren und Dienstleistungen etwas stärker als die Importe."

Aus dem Inland kamen dagegen unterschiedliche Signale. Während private Haushalte und der Staat mehr konsumierten, sparten die Unternehmen angesichts der unsicheren Geschäftsaussichten an Investitionen in Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge. Die Investitionen in Gebäude legten dagegen zu.

Stagnation befürchtet

Verglichen mit anderen Euro-Ländern steht Deutschland damit gut da. In Portugal brach das Bruttoinlandsprodukt um 0,8 Prozent ein. Für die gesamte Euro-Zone wird ein Minus von 0,2 Prozent erwartet. Frankreich schaffte dagegen ein überraschendes Plus von 0,2 Prozent und hat damit die Rezession knapp vermieden. Italiens Wirtschaft schrumpfte um 0,2 Prozent, was immerhin deutlich weniger als befürchtet war.

Zuletzt mehrten sich die Hinweise darauf, dass die Schuldenkrise auch die deutschen Wirtschaft nach unten zieht. Im September brachen die Industrieaufträge mit 3,3 Prozent so kräftig eingebrochen wie seit einem Jahr nicht mehr, weil vor allem die Nachfrage aus der rezessionsgeplagten Euro-Zone stark nachlässt.

Die Exporte fielen zum ersten Mal seit dem Krisenjahr 2009. Die Stimmung in der Wirtschaft ist deshalb so schlecht wie seit Februar 2010 nicht mehr, fand das Ifo-Institut bei seiner monatliche Umfrage unter 7000 Managern heraus. Die Bundesbank erwartet bestenfalls eine Stagnation im vierten Quartal.

Was für eine Rezession in Deutschland spricht

Das deutet auf einen Abschwung hin:

 

EXPORTE

Bislang haben sich die Exporteure wacker geschlagen. Um mehr als vier Prozent haben sie ihren Auslandsumsatz in den ersten neun Monaten gesteigert, die Umsatzgrenze von einer Billion Euro dürfte das zweite Jahr in Folge geknackt werden. Doch die Tendenz zeigt deutlich nach unten: Im September fielen die Ausfuhren um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat – das war das erste Minus seit Anfang 2010 und zugleich das stärkste seit November 2009.

 

Grund: Die Nachfrage aus den Euro-Ländern – wohin etwa 40 Prozent der Waren "Made in Germany" gehen – bricht wegen der Rezession in Italien, Spanien & Co ein. Sie fiel um 9,1 Prozent. Besserung ist nicht in Sicht. Die Industrieaufträge aus der Euro-Zone sanken zuletzt um 9,6 Prozent. Und die EU-Kommission sagt wichtigen Handelspartnern wie Italien und Spanien auch für 2013 eine Rezession voraus. "Außenwirtschaftliche Impulse dürften in den kommenden Monaten ausbleiben", befürchtet das Bundeswirtschaftsministerium. "Das nächste Jahr wird zäh", sagt der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier.

INVESTITIONEN

 

Wegen der ungewissen Aussichten – nicht zuletzt im Exportgeschäft – investieren viele Unternehmen weniger. Seit Ende 2011 gehen ihre Investitionen in Maschinen, Anlagen und Geräte von Quartal zu Quartal zurück. "Das ist gewöhnlich ein Vorbote für eine Rezession", sagt der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn.

 

Die Investitionen dürften in diesem Jahr um 3,3 Prozent schrumpfen, sagen die Wirtschaftsweisen in ihrem Gutachten für die Bundesregierung voraus. 2013 rechnen sie nicht mit einer echten Erholung, sondern nur mit einem Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. 2011 sah das noch ganz anders aus: Damals zogen die Ausrüstungsinvestitionen um 7,0 Prozent an und verhalfen der Wirtschaft zu einem kräftigen Wachstum von 3,0 Prozent. "Die Unternehmen warten ab, wie sich die Schuldenkrise weiter entwickelt", sagt DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle.

Das könnte den Abschwung verhindern:

 

KONSUM

Das einstige Sorgenkind hat sich zur großen Stütze der deutschen Wirtschaft entwickelt. Wegen der niedrigen Arbeitslosigkeit und steigender Reallöhne sitzt das Geld bei den deutschen Verbrauchern wieder lockerer. Die Chancen stehen gut, dass dies auch so bleibt. Denn alle Experten sagen einen stabilen Arbeitsmarkt voraus. Die Wirtschaftsweisen rechnen für 2013 sogar mit einem Beschäftigungsrekord.

 

Zudem sollen die Bruttolöhne mit 3,2 Prozent fast genauso schnell steigen wie im zu Ende gehenden Jahr mit 3,7 Prozent. Entlastet werden viele Deutsche zudem von der Senkung des Beitragssatzes zur gesetzlichen Krankenversicherung, der von 19,6 auf 18,9 Prozent fällt. Zusätzlich entfallen die zehn Euro Praxisgebühr pro Quartal. "Es ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich, dass der Konsum in den kommenden Monaten nachgibt", sagt der Präsident des Einzelhandelsverbandes HDE, Josef Sanktjohanser.

BAUBOOM

 

Stabiler Arbeitsmarkt gepaart mit extrem niedrigen Zinsen – diese Mischung sorgt seit vielen Monaten für einen Boom des Wohnungsbaus in Deutschland. Und der dürfte sich fortsetzen. "Die Konjunktur wird weiterhin dadurch unterstützt, dass der Wohnungsbau von den günstigen Finanzierungsbedingungen, dem Mangel an Alternativanlagen und der gestiegenen Verunsicherung profitiert", ist sich die Bundesbank sicher.

 

Das strahlt auf viele Bereiche ab – vom Handwerk über baunahe Dienstleister bis hin zu Baumärkten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet, dass die Branche nach der Stagnation in diesem Jahr um fünf Prozent wachsen wird – auch weil die Kommunen angesichts rekordhoher Steuereinnahmen wieder mehr investieren dürften.

 

 

Quelle: Reuters

Quelle: Reuters/lw
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