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11.06.09

Konjunktur

Forscher erwarten Ende der Krise ab Mitte 2010

Die Europäische Zentralbank (EZB) und das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel haben ein Ende der Wirtschaftskrise für das kommende Jahr vorhergesagt. Die EZB rechnet damit, dass die Wirtschaft ab Mitte 2010 wieder wächst. Schon im Herbst dürften die Ausfuhren deutlich anziehen.

© dpa
Das Schlimmste ist überstanden
Container-Schiffe am Hamburger Hafen: Dort wird ein großer Teil der deutschen Wirtschaftsleistung umgeschlagen. Für das laufende Jahr sieht es düster aus, aber die Prognosen für 2010 werden besser

Die wirtschaftliche Talfahrt verliert nach Auffassung der Europäische Zentralbank (EZB) zunehmend an Dramatik. "Nach einer Stabilisierungsphase wird ab Mitte 2010 mit positiven vierteljährlichen Wachstumsraten gerechnet", heißt es in dem Monatsbericht.

Für das laufende Jahr rechnet die Bank mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in der Eurozone zwischen 4,1 und 5,1 Prozent. Im kommenden Jahr werde dann bestenfalls ein Wachstum von 0,4 Prozent erreicht, im schlimmsten Fall erwartet die EZB ein Minus von 1,0 Prozent. Gleichzeitig rechnet die Bank mit einer weiterhin gedämpften Preisentwicklung.

In dieser Einschätzung seien die Auswirkungen der Konjunkturprogramme sowie der Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems mitberücksichtigt. Nach Auffassung des EZB-Rats sind die Risiken für den Wirtschaftsausblick ausgewogen.

Einerseits könnten sich die Konjunkturprogramme stärker auswirken als angenommen und auch das Vertrauen könne schneller zunehmen als derzeit zu erwarten sei. Andererseits sei es jedoch auch möglich, dass sich Turbulenzen an den Finanzmärkten stärker auf die Realwirtschaft auswirkten, mahnten die Währungshüter.

Die EZB wiederholte in ihrem Monatsbericht wie üblich nahezu wortgleich die Aussagen von Notenbank-Chef Jean-Claude Trichet aus der vergangenen Woche. Er hatte auf der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid den Beschluss der Währungshüter begründet, die den Schlüsselzins auf dem historischen Tief von 1,0 Prozent beließen.

Auch die Kieler Forscher des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) prognostizierten ein Anhalten der Rezession. "Gleichwohl ist die Rezession keineswegs überwunden", erklärten die IfW-Forscher in ihrer jüngsten Konjunkturprognose. Weil die Konjunktur zum Jahresauftakt deutlich stärker eingebrochen war als erwartet, senkten die Forscher ihre Prognose für 2009 kräftig und erwarten nun einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von 6,0 (bislang: 3,7) Prozent.

Für eine Stabilisierung spreche aber, dass sich die weltweite Finanzkrise etwas entspannt habe. Zudem dürften im späteren Verlauf des Jahres die Ausfuhren wieder anziehen.

Im kommenden Jahr ist sogar wieder Wachstum in Sicht; die Kieler Experten gehen von einem Zuwachs von 0,4 Prozent aus und sind damit etwas optimistischer als noch bei ihrer jüngsten Vorhersage im März. Das setze allerdings voraus, dass sich die Lage im Bankensektor nicht erneut verschärfe, hieß es.

Im Zuge der Rezession dürften 2009 deutlich mehr Unternehmen Insolvenz anmelden als in den Vorjahren, deswegen steige auch der Bedarf an Abschreibungen. "Umso wichtiger ist es, dass die Rekapitalisierung der Banken schnell vorankommt."

Die Weltwirtschaft dürfte sich im Sommerhalbjahr 2009 fangen, mit einer schnellen Erholung sei aber nicht zu rechnen, schrieben die Forscher. Weil die Rezession alle Regionen erfasst habe, und wegen der Banken- und Immobilienkrisen sei nur eine allmähliche Belebung der Konjunktur zu erwarten. Weltweit dürfte die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 1,5 Prozent schrumpfen, im kommenden Jahr wieder um 2,3 Prozent zulegen. Das dürfte auch den Welthandel dämpfen, der nach einem Einbruch um 14 Prozent in diesem Jahr 2010 nur schwach zulegen dürfte.

Quelle: Reuters/ddp/dma
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